"Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt"

Herr Lehmanns Kumpel ist wieder da

von Jasmin Herzog

Am Ende von "Herr Lehmann" hat es Lebenskünstler Karl Schmidt zu weit getrieben. In "Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt" taucht er wieder auf, wird nun aber von Charly Hübner gespielt.

ARTE
Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt
Komödie • 15.07.2020 • 20:15 Uhr

Sven Regener schwelgt gerne in Erinnerungen. Der Abschied, das Vermissen, das Nachtrauern – das sind wiederkehrende Motive des Element-Of-Crime-Sängers und Buchautors. Seine Anhänger begleiten ihn gerne dabei und sie erinnern sich nur zu gerne an die Verfilmung seines bisher erfolgreichsten Romans: "Herr Lehmann" von 2003. Am Ende wird Herrn Lehmanns bester Freund Karl Schmidt, gespielt von Detlev Buck, von einem Arzt ruhiggestellt. Drogen, Alkohol, Elektrolytmangel – der (Lebens-)Künstler hatte es zu weit getrieben. Im Film "Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt" von "Stromberg"-Regisseur Arne Feldhusen, taucht Karl Schmidt wieder auf. Die Komödie ist nun als Wiederholung auf ARTE zu sehen.

Diesmal wird Karl Schmidt von Charly Hübner verkörpert, bestens bekannt als Rostocker "Polizeiruf 110"-Hauptkommissar Alexander Bukow. Das passt: Aus dem stolzen Beschützertyp ist ein geknickter Lakoniker geworden, ein distanzierter Beobachter. Dafür scheinen seine Gedankenwege klarer als noch zur Zeit des Mauerfalls. Fünf Jahre später ist er nach einem längeren Aufenthalt in der "Klapse" clean, arbeitet als Hausmeister und wohnt in einer Suchtkranken-WG mit seltsamen bis chaotischen Mitbewohnern, unter anderem dem Althippie-Moralisten-Gruppenleiter Werner (Bjarne Mädel).

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Doch Karl Schmidt trifft per Zufall auf den überdrehten Raimund (Marc Hosemann), mit dem er mal in einer Band spielte, als er noch der alte Karl Schmidt war. Dass der neue Karl Schmidt keinen Alkohol mehr trinkt und keine Drogen mehr nimmt, ist kein Problem: Raimund braucht einen Fahrer für die "Magical Mystery Tour" seines Techno-Labels. Das allmählich zusammengewachsene Berlin feiert Mitte der 90-er zwar noch in alten Atomschutzbunkern wilde Techno-Partys. Techno findet aber auch in den Charts statt – und Raimunds BummBumm Records verdient prächtig damit.

Ob sich Karl Schmidt nun freiwillig hinters Lenkrad setzt, um bei diesem rauschhaften Treiben dabei zu sein, ist nur schwer auszumachen. Es dringt eben nicht viel nach außen. Dennoch geht es auf Rave-Tour, so richtig mit Begleitfilm wie damals bei den Beatles. Die Kamera vergisst aber einer der wandelnden Vollpfosten, die sich da in dem von Karl Schmidt gesteuerten Kleinbus tummeln.

Schmidt, der von seinen alten Bandkollegen Charly genannt wird, hält sich, so gut es nur geht, von all den Versuchungen der Tour fern, einzig der DJane Rosa (Annika Meier) verfällt er. Dass ihr Mädchen für alles immer wieder an paranoiden Anfällen leidet, fällt den Genussspechten nicht weiter auf.

Viel mehr passiert in diesem Film eigentlich auch gar nicht. Die furchtbar treffenden Dialoge tragen das Geschehen und lassen die Waage gerne mal ins Krude kippen. Das passiert, wenn Sven Regener auf einwandfreies Casting trifft. Wie es Herrn Lehmann derweil ergangen ist, erzählt der Film nicht. Während Lehmann im Buch zumindest Erwähnung findet, es jedoch nicht zu einem Treffen kommt, fällt der damals von Christian Ulmen verkörperte Großstadtmelancholiker in der Verfilmung nun komplett raus.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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