Lena kommt aus eine Familie von Camping-Freaks, für ihren neuen Freund ist der Urlaub in der freien Natur ein Horror-Trip. Vor allem sein Schwiegervater in spe macht Markus das Leben zur Hölle. Henning Baum verkörpert diesen Schwiegervater – und verzichtete beim Dreh freiwillig auf ein Hotelzimmer.

Manchmal passen Dreharbeiten perfekt zum Lebensgefühl eines Schauspielers. Camping-Freak Henning Baum dürfte nicht lange überlegt haben, als ihm eine Rolle angeboten wurde, die komplett auf einem Campingplatz spielt. Der ehemalige "letzte Bulle" ist bekannt dafür, wann immer es geht, selbst mit dem Zelt loszuziehen und naturnahe Freizeit zu genießen. Auch diesen Dreh hat sich der 47-Jährige aus dem Ruhrgebiet über die Zeit vor der Kamera hinaus versüßt: Während seine Kollegen im Hotel nächtigten, verbrachte Baum die drehfreie Zeit in jenem mecklenburgischen Camping-Idyll, in dem die ARD-Degeto "Mein Schwiegervater, der Camper" gedreht wurde.

Doch was heißt schon Idyll? Für den erfolgreichen, aber sensiblen Anwalt Markus (Oliver K. Wnuk) ist es eher ein Horror, dass seine neue Freundin Lena (Birte Hanusrichter), die zudem sofort schwanger ist, einer handfesten Familie von Camping-Freaks entstammt. Da hilft wohl alles nichts: Obwohl man hört, dass Schwiegervater in spe Hartmut (Baum) lieber einen anderen als Mann seiner Tochter hätte, auch dass er Anwälte verabscheue, muss Markus versuchen, während eines Besuches mit seiner Lena beim "Käpt'n" – so wird Ex-Militärpilot Hartmut ehrfurchtsvoll von den Campern genannt – eine gute Figur abzugeben.

Wie es das Komödienprocedere vorsieht, tritt Markus natürlich in jedes Fettnäpfchen, das sich ihm bietet. Der unbarmherzige Hartmut und seine Outdoor-Verbündeten machen es dem Schlipsträger selbstredend nicht leicht. Ein Streich jagt den nächsten, eine Bedrohung von Markus' Selbstwertgefühl folgt der anderen. Der gezeichnete Konflikt zwischen einem Macho mit großem väterlichen Beschützerinstinkt und einem "sensiblen" Mann der nächsten Generation erinnert doch ziemlich an die "Meine Braut, ihr Vater und ich"-Filme mit Robert De Niro und Ben Stiller. Nur dass sie eben auf einem deutschen Campingplatz spielen.

Mit Henning Baum, Oliver Wnuk und Birte Hanusrichter konnte man für das Projekt drei Schauspieler gewinnen, die nicht nur Komödie können, sondern in charakterlich ähnlichen Rollen bereits funktionierten. Was man intern unter "Berufserfahrung" verbuchen könnte, ist aber auch ein bisschen das Problem dieser Samstagabend-Komödie. Der Handlungsbogen ist recht vorhersehbar, ebenso wie die Entwicklung der Charaktere.

Wem das etwas formelhafte Drehbuch von Andi Rogenhagen, Frederik Hunschede und Holger Haase ("Männertag", auch Regie) jedoch nicht stört, wer sich am launigen Spiel des starken Trios trotz einiger Klischees ergötzen kann, wird die hier mitunter recht breit getretenen Komödien-Konventionen verzeihen. Ob am Ende der Macho obsiegt oder der Softie einen Plan ausheckt, wie man dem Anti-Schwiegersohn-Sadismus des hartleibigen Campers beikommt, entscheidet nach 90 Minuten das zu erwartende Happyend. Wäre ja noch schöner, sich von einem Camping-Griesgram den Samstagabend vermiesen zu lassen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst