19.10.2015 Staffelauftakt von "Grill den Henssler"

Steffen Henssler wirkt sichtlich unterfordert

von Christian Breuer
Moderatorin Ruth Moschner probiert bei Profi-Koch Steffen Henssler.
Moderatorin Ruth Moschner probiert bei Profi-Koch Steffen Henssler.  Fotoquelle: VOX/Frank Hempel

Mit einem ungefährdeten Sieg startet TV-Koch Steffen Henssler in die neue Staffel der Vox-Show. Die hat leider einige Längen, zumal Henssler von den gestellten Aufgaben sichtlich unterfordert war.

Die Zeit der inflationären Kochshows ist vorüber, mit "Grill den Henssler" setzt Vox aber weiterhin auf dieses Format – und das mit dreistündigen Mammutsendungen. Acht neue Folgen zeigt der Sender in den kommenden Wochen, die erste Folge flimmerte am Sonntagabend über die Mattscheiben. Das Konzept an sich – drei mehr oder minder Prominente kochen gegen den Fernsehkoch Steffen Henssler und stellen sich anschließend einer Jury –könnte sogar kurzweilige Unterhaltung bieten. Doch durch verzichtbare Spielchen und lange Werbeblöcke ziehen sich die 190 Minuten manchmal zäh wie Kaugummi.

Tatsächlich am Herd stehen die Köche nämlich nur rund 80 Minuten, und darunter leidet das Format. Ebenso wie unter bemüht zotigen Sprüchen und Anspielungen, die Moderatorin Ruth Moschner und Koch Henssler schon fast zwanghaft in ihre Küchenplaudereien einstreuen. Das ist insbesondere deshalb schade, weil es zwischendurch auch mal interessante Tipps gibt, die die Zuschauer in der heimischen Küche verwenden können.

Die Promis Verona Pooth, Uwe Ochsenknecht und Tobias Künzel forderten Steffen Henssler in der ersten Folge der neuen Staffel heraus. Tobias Künzel? Der Groschen fällt, als er als Frontmann der "Prinzen" vorgestellt wird. Zumindest zum Staffelstart mussten die Verantwortlichen also nicht in der Z-Promi-Schublade kramen. Die drei Prominenten erfüllten ihre Klischees: Verona Pooth mit tiefem Ausschnitt und kurzem Kleid gab den kieksenden Küchentollpatsch hart an der Nerv-Grenze, Ochsenknecht grantelte sich mehr gelangweilt als engagiert durch seine Aufgabe und Künzel versuchte, brav sein Ding durchzuziehen. Als Helfer im Hintergrund stand ihnen TV-Koch Stefan Marquard zur Seite, der aber nur verbal und jeweils in den letzten 90 Sekunden eingreifen durfte und stellenweise eher lustlos wirkte.

Der Koch 43 Jahre alt ist Steffen Henssler, in den vergangenen Staffeln hat er bereits diverse Verletzungen davongetragen. In dieser Show blieb er unverletzt und zeigte sich anfangs noch hoch motiviert. Doch bei den Gerichten, die er kochen sollte, war er deutlich unterfordert und konnte die Mischung aus Überlegenheit und Langeweile manchmal kaum verbergen. Im Zusammenspiel mit Ruth Moschner trägt er einerseits die Sendung, da er, anders als die Promis, auch beim Kochen noch Zeit für Plaudereien hat. Aber manchmal schießt er dabei auch deutlich über das Ziel hinaus – so war es am Sonntagabend sicherlich nicht nötig, im Wort-Sinn die Hosen herunter zu lassen, um seine nackten Beine zu präsentieren. Etwas weniger wäre da manchmal mehr.

Die Gerichte Vor-, Haupt- und Nachspeise werden gekocht. Außerdem gleich zu Beginn der Sendung ein "Impro-Gang" mit unterschiedlichen Zutaten, die innerhalb von acht Minuten zu einem genießbaren Gericht kombiniert werden müssen. Aus Nudeln, Gemüse, Sambal Oelek und verschiedenen Käsesorten hätte am Sonntag aber wohl auch jeder Student, der mal den Kühlschrank der WG für ein spontanes Abendessen plündern musste, ein ordentliches Essen auf den Teller gezaubert – für einen Koch wie Henssler war das eine entsprechend leichte Übung und der Sieg im ersten Gang.

Was dann Verona Pooth bei der Vorspeise (Rote-Bete-Carpaccio mit Avocado-Tartar und Hummer) und Uwe Ochsenknecht bei der Hauptspeise (Seebarsch mit Bratkartoffeln und Schmorgurken) dazu getrieben hat, ausgerechnet mit Fisch-Gerichten gegen Henssler anzutreten, bleibt wohl ihr Geheimnis. Denn Henssler ist bekannt dafür, ein besonderes Händchen für Meerestiere zu haben. Entsprechend deutlich wuchs sein Vorsprung bei der Punktevergabe an. Zumindest beim Nachtisch, den von Tobias Künzel gewünschten Cupcakes, kam Henssler kurz ins Schwitzen, entschied aber auch die letzte der vier Runden für sich. Endstand: 77:62 Punkte für Henssler.

Die Jury Gastrokritiker Heinz Horrmann, Sommelière Natalie Lumpp und Reiner "Calli" Calmund mussten nach jedem Gang die Speisen probieren und sie dann bewerten ohne zu wissen, von wem sie gekocht wurden. Auch bei der Bewertung zeigte sich die Überlegenheit Hensslers, denn bei allen Gängen war sich die Jury im Grundsatz einig: die meisten Punkte gingen stets an den Fernsehkoch – in früheren Sendungen gab es durchaus auch mal unterschiedliche Meinungen und daraus resultierend mehr oder minder lustige Meinungsverschiedenheiten unter den Juroren.

Erkenntnisse des Abends Donauwelle ist auch unter dem Namen Schneewittchen-Kuchen bekannt. Der Plural von Käse ist – laut Steffen Henssler – "viel Käse". Die Werbepausen reichen, um sich selbst etwas zu kochen, das Geschirr zu spülen, Wäsche aufzuhängen und zu googeln, wer Evelyn Weigert (neben Mieze Katz und Jochen Schweitzer in der nächsten Woche als "Promi" am Herd) ist. So konnte man zumindest einige der 190 Sendeminuten sinnvoll füllen.

In Kooperation mit RP ONLINE.

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