Filmkritik zu „The Housemaid: Wenn sie wüsste“ – Die ach so heile Welt des Bürgertums
Zehn Jahre hinter Gittern liegen hinter Millie Calloway (Sydney Sweeney), obwohl die junge Frau gerade einmal 27 Jahre alt ist. Unter Bewährungsauflagen darf sie vorzeitig das Gefängnis verlassen. Das bedeutet jedoch nicht das Ende ihres krisengebeutelten Lebens: Millie hat weder einen Job noch eine Wohnung und schläft in ihrem heruntergekommenen Wagen. Umso dankbarer ist sie, als die wohlhabende Nina Winchester (Amanda Seyfried) sie als Haushälterin einstellt. Millie muss jedoch bald feststellen, dass sich hinter der Fassade des idyllischen Familienlebens mehr verbirgt als es zunächst wirkt.
„The Housemaid“: Was lauert hinter der Fassade?
Dass Sydney Sweeney (u.a. „Wo die Lüge hinfällt“, „Euphoria“) auch im spannenden und wendungsreichen Kino beheimatet ist, konnte sie bereits 2024 im Horrorfilm „Immaculate“ unter Beweis stellen. In eine ähnliche Kerbe schlägt „The Housemaid“ – eine Romanverfilmung nach Freida McFadden. Zunächst fällt es schwer, der von Sweeney gespielten Millie die verurteilte Mörderin abzukaufen. Umso offensichtlicher scheint dafür zu sein, in welche Richtung sich die Story entwickelt – vor allem mit Blick auf Ninas attraktiven Ehemann Andrew Winchester (Brandon Sklenar). Wie sich aber herausstellt, stecken in der scheinbar oberflächlichen Handlung und der Figurendynamik deutlich mehr.
„The Housemaid“ spielt bewusst mit unseren Erwartungen und Sehgewohnheiten. Dass die Handlung in der ersten Hälfte des Films so vorhersehbar abläuft, ist beabsichtigt. Wer hier nicht gerade vollständig das Interesse verliert, wird in der zweiten Hälfte belohnt. Fragen, die wir uns zuvor gestellt haben, finden alle zu einer Auflösung, wobei die Handlung auch die ein oder andere Überraschung parat hat. Schlussendlich entsteht daraus eine runde Geschichte, die bei Laune hält. Schade ist nur, dass in den letzten Minuten noch die ein oder andere Logikglücke auftaucht. Vor allem eine Begebenheit mit einer Polizistin wirkt unglaubwürdig und zu gewollt.
Abweichungen zum Roman
Dem Vergnügen an der mehr als überzeugenden Performance von vor allem Sydney Sweeney und Amanda Seyfried (u.a. „Mamma Mia!“) schaden diese Schönheitsfehler allerdings kaum. Die beiden Schauspielerinnen wie auch Co-Star Brandon Sklenar (u.a. „Nur noch ein einziges Mal“) liefern facettenreiche Darbietungen. Egal ob bei Furcht, Verzweiflung oder auch in Badass-Momenten – das Schauspiel überzeugt. Auch der ein oder andere erotische Moment ist geboten. Insbesondere eine Szene (im Hotel) ist dabei sehr ästhetisch inszeniert und wird in den sozialen Medien häufig aufgegriffen.
Buchliebhaber der Romanvorlage von Freida McFadden müssen sich mit der einen oder anderen Abweichung abfinden. Diese sind oft eher geringfügig und oberflächlich, betreffen zum Beispiel das Erscheinungsbild von Nina Winchester oder die Sportart, die Tochter Cecelia ausübt. Ein paar der Änderungen fallen jedoch etwas mehr ins Gewicht – vor allem gegen Ende des Films. Ein paar Stichwörter: Geschirr, Zähne, Polizistin. Die Grundidee des Buches sowie die wichtigen Kernaussagen bleiben jedoch unverändert.
Warum „The Housemaid“ politisch ist
Roman wie auch Verfilmung bieten weitaus mehr als lediglich Spannung und Erotik. Sie widmen sich auch verschiedenen gesellschaftlichen Themen. Dazu zählen unter anderem Rollenbilder oder auch die eben doch nicht immer so heile Welt einer gutbürgerlichen, vermögenden Familie. Was von außen glamourös und harmonisch erscheint, kann in Wahrheit völlig anders aussehen.
Auch die Frage nach Tätern und Opfern ist nicht immer auf den ersten Blick zu beantworten, wie Buch und Film ebenfalls deutlich machen (Stichwort: Täter-Opfer-Umkehr). Nicht zuletzt wegen seiner feministischen sowie elitenkritischen Anliegen, handelt es sich bei „The Housemaid“ eben auch um einen höchst politischen und zeitlosen Film.
Der Hype um „The Housemaid“ – und warum Sydney Sweeney ihn gebrauchen kann
Wenig überraschend erlebt „The Housemaid“ in den USA längst einen regelrechten Hype – vor allem auf TikTok und bei jüngeren Frauen. Auch für Deutschland und den Rest der Welt zeichnet sich ein finanzieller Erfolg ab – worüber Sweeney durchaus erleichtert sein dürfte. Denn obwohl der Filmstar schon seit langem eine gefragte Schauspielerin ist, produzierte Sweeney zuletzt bei weitem nicht nur Positivschlagzeilen.
Ihr vorheriger Film, das Drama „Christy“ über die frühere Boxerin Christy Martin, floppte 2025 an den Kinokassen. Dazu beigetragen haben könnte auch die Kontroverse um eine mutmaßlich rassistische Jeans-Werbekampagne von American Eagle mit der Schauspielerin als Protagonistin. Im Kern ging es um ein Wortspiel mit den englischen Begriffen für „Jeans“ und „Gene“, die gleich ausgesprochen werden. Rechte Kreise in den USA feierten die blonde und blauäugige Frau infolgedessen. Darüber hinaus war im Sommer bekannt geworden, dass die US-Amerikanerin registrierte Republikanerin ist. Als Präsident Donald Trump daraufhin seine Sympathien für Sweeney zum Ausdruck brachte, distanzierte diese sich nicht von ihm.
Im Dezember unternahm die Schauspielerin einen Versuch, ihr Image wieder aufzupolieren. Dem Magazin „People“ sagte sie, sie habe die Werbung gemacht, weil sie "die Jeans und die Marke“ liebe. Wörtlich fügte sie hinzu: „Ich unterstütze nicht die Ansichten, die manche Leute mit der Kampagne verknüpft haben, ich bin gegen Hass und Spaltung“. Für das Jahr 2026 hoffe sie, dass der Fokus auf etwas gerichtet werde, "was uns verbindet, statt auf das, was uns trennt."
„The Housemaid: Wenn sie wüsste“ läuft seit dem 15. Januar in den deutschen Kinos.