Katyn-Massaker

Andrzej Wajdas filmische Aufarbeitung des Katyn-Massakers im Free-TV

04.03.2026, 10.53 Uhr
Andrzej Wajdas Film "Das Massaker von Katyn" zeigt die grausame Ermordung von 22.000 Polen im Zweiten Weltkrieg und deren politische Instrumentalisierung. Ein starkes Drama über Lügen, Loyalität und Verrat.

Erst ganz am Ende des Films bebildert Andrzej Wajda die Gewissheit. 22.000 Menschen werden sterben, hingerichtet mit Kopfschüssen. "Das Massaker von Katyn" gehört zu den abscheulichsten Verbrechen des Zweiten Weltkriegs. Abartig ist nicht allein die Tat, sondern auch ihre Instrumentalisierung. Wajdas Oscar-Kandidat – das Drama, das ARTE am 4. März ab 20.15 Uhr zeigt – war 2008 als bester fremdsprachiger Film nominiert. Völlig zu Recht: Es ist eine unheimlich starke und brutale Studie über Lügen und Wahrheit, Mut und Angst, Loyalität und Verrat.

"Die Haltung zu Katyn ist eine Frage der Loyalität." – Wajda, dessen Vater zu den Opfern des Massakers gehörte, zeigt das ewige Dilemma seines Landes: Polen als Spielball der großen Mächte, jahrhundertelang aufgerieben zwischen Machtinteressen anderer. Wajda geht es nicht nur um eine Tat, die so grauenvoll ist, dass es schwerfällt, sie zu begreifen. Ihm geht es darum, wie die kaltblütige Ermordung tausender Menschen zu einem Politikum wurde, wie ihr Tod auch die Lebenden zu Leichen machte. Erst ganz am Ende des Films zeigt Andrzej Wajda, was in Katyn geschah – dann aber mit aller Brutalität: So eindrucksvoll und analytisch-brutal war ein Kriegsverbrechen selten zu sehen.

"Polen wird niemals frei sein"

Die Perversion des Massenmordes liegt auch darin, wie er geleugnet und benutzt wurde. "Polen wird niemals frei sein", ist ein Schlüsselsatz in Wajdas Film, der als starkes Drama aus der Perspektive der Hinterbliebenen erzählt wird. Der Satz fällt, nachdem endlich klar ist, dass die Soldaten, Offiziere und Intellektuellen, die 1939 in Gefangenschaft gerieten, vom sowjetischen Geheimdienst ermordet wurden.

Anna (Maja Ostaszewska), die bis dahin hilflos durch ihr Land taumelte, das sich Nazis und Sowjets aufgeteilt hatten, hatte endlich Gewissheit. 1943 wurden die Massengräber von der Wehrmacht entdeckt, der Fund wurde sofort zu Propagandazwecken ausgeschlachtet. Kurze Zeit später, als die Rote Armee das Land von den Nazis "befreite", war die Gegenseite schuld: Stalin lastete das Verbrechen kurzerhand den Nazis an. Wer etwas anderes behauptete, wurde zum Staatsfeind erklärt, verfolgt und erschossen.

Annas Mann Andrzej (Artur Zmijewski) gehörte zu den Männern, die im September 1939 zwischen der Wehrmacht, die von Westen angriff, und Stalins Roter Armee, die von Osten kam, aufgerieben wurden und in Gefangenschaft gerieten. Wajda begleitet beide abwechselnd, verknüpft unterschiedliche Zeitebenen, montiert die Verzweiflung zu Hause gegen die Ungewissheit im Gefangenenlager. Er ist dabei persönlich und emotional, gleichzeitig ein Geschichtsschreiber – und zwar aus der Perspektive der Betroffenen, die bislang ignoriert wurden.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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