Internationaler Durchbruch durch "Ponies"

Vom deutschen Serienstar nach Hollywood: Artjom Gilz an der Seite von Emilia Clarke

01.03.2026, 21.04 Uhr
Artjom Gilz, bekannt aus "Das Boot", erobert die internationale Bühne: In der US-Serie "Ponies" spielt er an der Seite von Emilia Clarke und Hayley Lu Richardson im Moskau der 1970er-Jahre.

Er hat sich vom deutschen Seriengesicht zum international erfolgreichen Schauspieler entwickelt: Artjom Gilz (39) spielte bereits in der Sky-Erfolgsserie "Das Boot", war in internationalen Produktionen zu sehen – und steht nun in der US-Serie "Ponies" (zu sehen auf Sky Atlantic und WOW) an der Seite von "Game of Thrones"-Star Emilia Clarke vor der Kamera.

Für den gebürtigen Russen, der in Deutschland aufgewachsen ist, ist es der nächste große Schritt auf die internationale Bühne. Im Interview spricht er über Kalten Krieg, Nervosität – und den Moment, als sein Leben sich an einem eiskalten Samstagabend veränderte.

Artjom Gilz über seine Zusammenarbeit mit Emilia Clarke

prisma: "Ponies" spielt im Moskau der späten 1970er-Jahre – Kalter Krieg, Misstrauen, permanente Spannung. Wie schnell waren Sie in dieser Welt drin?

Artjom Gilz: Dank Setdesign, Kostüm und Maske ging das ziemlich schnell. Alles war sehr gut recherchiert und detailgetreu nachgebaut, sodass es sehr leicht war, in diese Welt einzutauchen. Es gab einen Moment, als ich das erste Mal die Wohnung meiner Figur betreten habe – sie wirkte so vertraut. Kurz darauf schrieb ich meiner Mutter und fragte, ob sie mir ein Foto aus dem Wohnzimmer meiner Großmutter schicken könne. Ich war darauf als kleines Kind zu sehen, und das Wohnzimmer sah exakt so aus wie das Set. Das war ein echter Wow-Moment. Ich bin in Russland geboren, vielleicht spielte das auch eine Rolle.

prisma: "Ponies" zeigt, wie einzelne Menschen Teil eines großen politischen Systems werden. Glauben Sie, dass diese Geschichte gerade jetzt besonders relevant ist?

Gilz: Ich glaube, die Serie ist vor allem relevant, weil sie Spaß macht. Sie ist laut, energiegeladen und erzählt eine Geschichte aus einer Perspektive, die man so selten gesehen hat – Frauen stehen im Spy-Thriller selten im Zentrum. Das macht sie besonders. Zudem sind die 70er mit ihren bunten Farben und ihrer zeitlosen Musik eine Reise wert.

prisma: Sie hatten viele Szenen mit Emilia Clarke, auch sehr zärtliche. Was hat Sie an ihr besonders überrascht?

Gilz: Mit ihr zu spielen ist toll. Sie gibt als Spielpartnerin wirklich viel, ist sehr klug, sehr witzig und versteht Storytelling extrem gut. Auch als Mensch ist sie genauso: sehr fürsorglich, liebevoll und humorvoll. Und sie ist eine fantastische Bäckerin – das wusste ich vorher nicht. Trotz ihres riesigen Pensums hat sie regelmäßig Brownies gebacken und sie mit in die Maske gebracht.

US-Großproduktion vs. deutsche Drehs: Die wichtigsten Unterschiede

prisma: Ihre Figur wirkt sehr kontrolliert. War das eine Herausforderung für Sie?

Gilz: Ja, die Rolle war eine Herausforderung, weil sie sehr weit von mir entfernt ist. Ich habe noch nie eine Figur gespielt, die mir so unähnlich ist. Aber genau das hat mir Spaß gemacht.

prisma: Haben Sie während der Arbeit an "Ponies" etwas über sich selbst gelernt?

Gilz: Ja, dass ich mit Humor besser arbeite als ohne. Ich habe gemerkt, dass ich – umgeben von vielen Amerikanern – ein bisschen an meinem Humor arbeiten musste.

prisma: Sie waren der einzige deutsche Schauspieler am Set. War das zusätzlicher Druck?

Gilz: Eigentlich weder Druck noch Ansporn. Ich habe mich einfach gefreut, Teil dieser Serie zu sein. Alle waren sehr professionell, und die Zusammenarbeit hat Spaß gemacht.

prisma: Gibt es große Unterschiede zwischen einer US-Großproduktion und deutschen Sets?

Gilz: Beide kochen letztlich nur mit Wasser – aber der Topf ist ein anderer. Die Größe und Wucht einer internationalen Produktion sind deutlich spürbar. Die Sets sind bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. Man öffnet Schubladen, die man im Spiel nie benutzt, und sie sind komplett gefüllt mit Requisiten aus den 1970ern. Diese Liebe zum Detail ist beeindruckend. Der größte Unterschied ist das Budget – die Leidenschaft gibt es auch in deutschen Produktionen.

Dreharbeiten: Wie Artjom Gilz ihre Nervosität am Set überwand

prisma: Gibt es einen Moment während der Dreharbeiten, der Sie besonders begleitet?

Gilz: Am Anfang war ich sehr nervös. Irgendwann gab es diesen Moment, in dem ich dachte: Ich bin hier angekommen. Das war befreiend. Ich musste mir keine Sorgen mehr machen, ob etwas gut oder schlecht ist, sondern konnte ganz im Moment sein. Dieses Gefühl war etwas ganz Besonderes.

prisma: Wie sind Sie eigentlich zu der Rolle gekommen?

Gilz: Ich habe ein Tape aufgenommen, dann gab es ein Callback und schließlich eine Leseprobe mit Emilia. Die Zusage kam an einem Samstagabend kurz vor Mitternacht, als ich in einer Bar war. Mein Agent rief an – und ich wusste sofort, dass es wichtig ist. Es war Januar, eiskalt. Ich bin ohne Jacke rausgelaufen, um das Gespräch anzunehmen. Ich hab so gefroren, wollte aber nichts von dem Gespräch verpassen. Deshalb bin ich in der Kälte stehen geblieben. Klar, danach habe ich in der Bar gefeiert. Die Nervosität kam erst später, als ich erfahren habe, dass ich nur drei Tage später nach Budapest fliegen sollte.

„Ponies“: Spionage-Thriller im Moskau des Kalten Krieges

"Ponies" spielt im Moskau der späten 1970er-Jahre – mitten im Kalten Krieg. Zwei Frauen, gespielt von Emilia Clarke und Hayley Lu Richardson, geraten in ein gefährliches Netz aus Spionage, Loyalität und politischen Intrigen. Zwischen Retro-Ästhetik, schwarzem Humor und Hochspannung erzählt die Serie einen weiblich geprägten Spy-Thriller mit internationalem Cast.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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