Neuer ZDF-Krimi „Mordufer“ startet

Zurück im Einsatz: Ex-„Tatort“-Star Franziska Weisz übernimmt neue Rolle

01.03.2026, 21.19 Uhr
Franziska Weisz spricht über ihre Rolle in "Mordufer", den Druck auf Frauen und ihre Karriere vom erfolglosesten Model zur Schauspielerin.

Aus ihrer allerersten Rolle in "Kommissar Rex" wurde nichts. Stattdessen wurde Franziska Weisz 1999 vom österreichischen Regisseur Ulrich Seidl für den Film entdeckt. Zum Krimi zieht es die Wiener Schauspielerin dennoch immer wieder zurück: Acht Jahre lang ging sie als Kommissarin Julia Grosz gemeinsam mit Wotan Wilke Möhring im "Tatort" auf Täterjagd.

Ab 6. März ermittelt die 45-jährige als Doro Breitinger vorerst viermal in der neuen ZDF Serie "Mordufer" (freitags, um 20.15 Uhr), die am Bodensee spielt. Keine einsame Wölfin, sondern eine Frau mit Familie. Und das stellt im Krimi noch immer eine Ausnahme dar. "Hier muss mal eine andere Selbstverständlichkeit her!", findet Franziska Weisz. Im Interview spricht sie über Druck auf Frauen, über ihre Kindheit und wie sie vom "erfolglosesten Model der Welt" zum Schauspielstar wurde.

„Mordufer“ im ZDF: Realistischer Krimi über Familie und Job

prisma: Frau Weisz, meist wird die Ermittlerin im TV-Krimi als einsame Wölfin erzählt, nicht als Frau mit Familie. Ihre Figur Doro ist damit die Ausnahme unter den TV-Ermittlerinnen ...

Franziska Weisz: Und genau das ist das Relevante an der Serie: Frauen im Beruf sind allgegenwärtig. Auch Frauen, die eine Familie haben. Da muss doch mal eine andere Selbstverständlichkeit her! Meine Figur Doro ist in einer Situation, die wir überall um uns herum sehen: Sie hat sich um die Kinder gekümmert, dann die kranke Mutter gepflegt und kommt nach 15 Jahren in den Job zurück. Die männlichen Kollegen haben trotz Familie Karriere gemacht, sie steht wieder am Anfang. Es wird aber auch erzählt, dass es sich lohnt, einen Neustart zu wagen.

prisma: Nichtsdestotrotz stehen die Krimifälle im Mittelpunkt. Was unterscheidet Ihre Figur noch von anderen? Was macht bei "Mordufer" den Unterschied?

Weisz: Ein Szenario, das oft in Krimis behauptet wird, gibt es bei uns nicht: Eine Doro, die zwei Kinder hat, würde in einer Gefahrensituation nie allein mit gezogener Waffe in ein ungesichertes Haus gehen. Sie riskiert nicht ihr Leben, nur um einen Fall zu lösen.

prisma: Während Doro ermittelt, bricht zu Hause das Chaos aus. Verhandelt wird, wie es in der ZDF-Ankündigung schön flapsig formuliert wird, die Frage: "Verhungern die Kinder und der Hund, wenn sie den ganzen Tag arbeitet? Hält der Partner sein Versprechen, ab nun auch mehr Verantwortung zu Hause zu übernehmen? Oder wird doch immer nur 'Mama!!' gerufen, wenn es wo brennt?" Warum hat es so lange gedauert, bis das Thema im Krimi angekommen ist?

Weisz: Die Frage, wie wichtig einer Frau der Beruf sein darf, ist leider immer noch ein Thema. Männer werden nie gefragt: Wie schaffst du das, Beruf und Familie zu verbinden? Dabei geht es nicht mal um Karriere. Viele Frauen werden von schlechtem Gewissen getrieben. Wenn wir Gleichberechtigung wollen, können wir Frauen kein schlechtes Gewissen machen, wenn sie dementsprechend leben.

Franziska Weisz über Gleichberechtigung und Rollenbilder von Frauen

prisma: Dabei geht der Druck oftmals nicht von Männern, sondern von Frauen aus. Gerade auch Schauspielerinnen bekommen das zu spüren, wenn man sich die Kommentare im Netz ansieht. Da werden erfolgreiche Schauspielerinnen kritisiert: "Warum bist du nicht bei deinem Kind?"

Weisz: Gerade wir Schauspielerinnen verkörpern eine Art Traumwelt. Die Tatsache, dass wir vor der Kamera und manchmal in teuren geliehenen Kleidern auf dem Roten Teppich stehen, ist eine Projektionsfläche für die Frage: Was habe ich mir früher einmal vom Leben erträumt, aber es nicht bekommen? In dem Moment, in dem man selbst eine Sehnsucht hat, kann man es vielleicht der anderen nicht immer gönnen. Zugleich stecken wir Frauen oft in Rollenbildern fest. Aber wir können selbst jeden Tag entscheiden, ob wir diese Rollenbilder reproduzieren. Ich finde es schade, wenn Frauen einander kritisieren, anstatt zusammenzuhalten. Wenn wir Frauen einander nicht unterstützen, wer dann?

prisma: Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern, damit es wirklich einen Fortschritt in der Gleichberechtigung gibt?

Weisz: Oft liegt es auf der Hand, dass die Frau zu Hause bleibt, um sich um die Kinder zu kümmern. Weil sie weniger verdient als der Mann. Oder weil die Kinderbetreuung ein Problem ist. Das ist in Österreich noch schwieriger. In Berlin kann man ein Kind schon im ersten Lebensjahr in die Kita bringen. Und das gratis! In anderen Ländern sind diese Plätze oft teuer. In Österreich, zum Beispiel, ist es immer noch üblich, die Kinder viel später betreuen zu lassen. Da muss sich noch viel ändern. In Sachen Gleichberechtigung muss die ganze Gesellschaft ran. Auch im Kleinen ...

prisma: Wie meinen Sie das?

Weisz: Eine Lehrerin hat mir beispielsweise einmal erzählt, dass sie prinzipiell erst einmal die Väter anruft, wenn es etwas zu besprechen gibt – nicht die Mütter. Das ist ein tolles Beispiel für Mikrofeminismus.

Franziska Weisz: Vom Casting-Statisten zur Hauptdarstellerin

prisma: Sie selbst sind mit Ihren Geschwistern bei Ihrer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen – und damit weitgehend ohne die typischen Rollenbilder. Wie haben Sie das erlebt?

Weisz: Meine Mutter hätte mit ihrem Wirtschaftsabschluss alle Möglichkeiten auf eine Karriere gehabt. Dazu wäre aber eine Kinderfrau oder Ähnliches nötig gewesen, die sich um uns kümmert. Meine Mutter hat für uns auf vieles verzichtet. Gleichzeitig hat sie es geschafft, dass wir alle drei in unseren Traumberufen gelandet sind.

prisma: War dieser Traumberuf von Anfang an die Schauspielerei?

Weisz: Schon als Kind ahmte ich sämtliche Comedians nach, zum Beispiel Jerry Lewis. Vor allem aber Otto Waalkes war mein Idol. Ich beherrsche noch heute sämtliche Grimassen und Geräusche, die Otto produziert (lacht). Die führte ich dann vor, wenn meine Mutter freitagabends Besuch von ihren Freundinnen hatte. Als ich ihr mit 18 Jahren sagte, dass ich Wirtschaft studieren will, sagte sie: "Mach dich nicht unglücklich!". Sie hatte da wohl schon den besseren Riecher als ich.

prisma: Bevor Sie eine erfolgreiche Schauspielerin wurden, waren Sie aber "das erfolgloseste Model der Welt", wie Sie einmal sagten. Wie kam es dazu?

Weisz: Ich hatte immer dieses Konstrukt im Kopf, dass man als Schauspielerin entdeckt werden müsse. Mein Plan war es deshalb, zuerst zu modeln, dann vielleicht ein paar Werbespots zu drehen, um dann irgendwann Filme drehen zu können. Meine Model-Agentur schaffte es einfach nicht, mich zu vermitteln. Deshalb schickte man mich irgendwann zu einem Kleindarsteller-Casting – als Mordopfer für die Serie "Kommissar Rex".

prisma: Aus dem Auftritt wurde nichts. Stattdessen wurden Sie von Regisseur Ulrich Seidel entdeckt ...

Weisz: Der Caster Markus Schleinzer, mittlerweile selbst ein namhafter Regisseur, sagte irgendwann: "Pass auf, wir improvisieren jetzt". Dann gab er mir einen Text. Und zwar eine Szene für "Hundstage". Bald darauf stand ich am Filmset für "Hundstage" vor der Kamera.

Franziska Weisz' Karrierehöhepunkt nach der Rückkehr nach Deutschland

prisma: Mit dem Film wurden Sie praktisch über Nacht berühmt. Wie ging es dann weiter?

Weisz: Ich hatte zwar den Film abgedreht, traute mir eine Schauspielkarriere aber immer noch nicht zu. Also zog ich nach London, um dort Entwicklungs- und Umweltpolitik zu studieren. In der Zwischenzeit kam der Film in die Kinos und wurde ein Riesenerfolg. Ich bin kein Mensch, der etwas abbricht. Also schloss ich mein Studium ab und schaffte es, nahtlos wieder in der Filmbranche Fuß zu fassen. Gleich mit dem ersten Film nach meiner Rückkehr aus London wurde ich als Shooting Star des Europäischen Films bei der Berlinale ausgezeichnet.

prisma: Und es folgten 20 Jahre voller Hauptrollen, nicht zuletzt im "Tatort", und zahlreiche Auszeichnungen. Eigentlich eine filmreife Geschichte – sozusagen mit Happy End ...

Weisz: Ja, im Rückblick griffen alle Ereignisse in meinem Leben nahtlos ineinander. Ich bin dankbar, wie alles gelaufen ist.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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