Western-Klassiker

Ein Mann gegen eine ganze Stadt: ARTE zeigt den legendären Western "Zwölf Uhr mittags"

22.06.2026, 13.11 Uhr
Grace Kelly, bekannt als Hitchcock-Ikone, brillierte im Westernklassiker "Zwölf Uhr mittags". Der Film von Fred Zinnemann revolutionierte das Genre mit einem Echtzeit-Plot und bot politischen Zündstoff in der McCarthy-Ära.
"Zwölf Uhr mittags"
Mit ihrer Nebenrolle in "Zwölf Uhr Mittags" (1952) gelang Grace Kelly (mit Gary Cooper) der Durchbruch.  Fotoquelle: ZDF / United Artists

Marshal Will Kane (Gary Cooper) sieht sich mit einem Dilemma konfrontiert: Ausgerechnet nach seiner Hochzeit mit der frommen Amy Fowler (Grace Kelly) spricht sich die anstehende Rückkehr einer Ganovenbande herum, deren Anführer Kane einst erfolgreich das Handwerk legte. Kaum ist der Mann, Frank Miller (Ian MacDonald), wieder auf freien Fuß will er sich rächen. Kane hat die Wahl: Mit seiner Braut die Stadt verlassen oder sich dem Schurken stellen.

Als Mann mit einem starken Sinn für Gerechtigkeit entscheidet er sich zum Missfallen seiner frisch gebackenen Braut für die Konfrontation. Dann beginnt "Zwölf Uhr mittags" (Montag, 22. Juni, 20:15 Uhr auf ARTE) von Regisseur Fred Zinnemann einen Wettlauf gegen die Zeit, der Filmgeschichte geschrieben hat.

Echtzeit statt Zeitsprung: Das macht "Zwölf Uhr mittags" so besonders

Frank Millers Ankunft wird für 12 Uhr mittags erwartet. Die Geschehnisse bis zum großen Showdown spielen sich in Echtzeit ab. Das heißt: Es gibt keine Zeitsprünge in der Erzählung. Die Handlung des Filmes spielt sich über 85 Minuten ab – der Spiellänge des Films. Dieses für das klassische Hollywood ungewöhnliche Stilmittel erhöhte die Spannung des Films ungemein – obwohl bis dahin keinerlei Schießereien zu sehen sind. Auch spektakuläre Verfolgungsjagden sucht man vergeblich.

Doch nicht nur mit dieser Idee revolutionierte "Zwölf Uhr mittags" die Vorstellung dessen, wie ein Western aussehen kann. Zum einen buchstäblich: Die makellose Schwarz-Weiß-Fotografie im Zeitalter von Technicolor-Abenteuern unterstrich die bedrückende Stimmung statt den nächsten bunten Abenteuer-Blockbuster herbeizubeschwören.

Ein Western über Mut, Angst und moralische Feigheit

Das wäre mit diesem Helden aber auch schwer gegangen: Will Kane ist kein Pistolen schwingender Draufgänger, der mit lockeren Sprüchen auf den Lippen einen Bösewicht nach dem nächsten von den Beinen holt. Stattdessen konfrontierte Zinnemann sein Publikum mit einem gebrochenen alten Helden, der zuerst ernsthaft über eine Flucht nachdenkt. Kane hat etwas, das in der moralisch schwarz-weißen Welt des alten Hollywood kein Held haben durfte: Angst.

In den USA der frühen 50er-Jahre beinhaltete der Plot des Films zudem auch politischen Zündstoff. Geschrieben wurde "Zwölf Uhr mittags" vom Drehbuchautor Carl Foreman, der für seine politischen Ansichten auf Hollywoods schwarzer Liste landete: Foreman war von 1938 bis 1942 Mitglied der Communist Party USA gewesen. 1947 begann das konservative House Un-American Activities Committee damit, in Hollywood mit unliebsamen politischen Ansichten aufzuräumen: Die McCarthy-Ära war in vollem Gange.

Dass Will Kane in "Zwölf Uhr mittags" vergeblich versucht, die Bewohner der Stadt dazu zu überreden, ihm beim Kampf gegen die blutrünstigen Ganoven zu kämpfen, wurde als Allegorie für die Feigheit derjenigen gelesen, die angesichts des Ausschlusses Andersgesinnter in ihrer Branche schwiegen. Speziell der extrem konservative Western-Star John Wayne war von der moralischen Botschaft des Films angewidert. Gemeinsam mit Howard Hawks drehte er den patriotischen Western "Rio Bravo" als Gegenreaktion. Die Schlagkraft von "Zwölf Uhr mittags" konnte dieser Film jedoch nie erreichen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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