ARD-Doku

"Wunschkind aus Kiew": das Geschäft mit Leihmutterschaften

von Eric Leimann

Eine ARD-Doku begleitet ein deutsches Paar auf seiner Reise zum Wunschkind in die Ukraine. Sowohl das Paar als auch Leihmütter lassen den Zuschauer erstaunlich dicht an sich heran.

ARD
Die Story im Ersten: Wunschkind aus Kiew
Dokumenation • 19.04.2021 • 22:55 Uhr

15 Prozent der deutschen Paare sind ungewollt kinderlos. Adoption oder ein Pflegekind sind eine Möglichkeit, doch sie kommt nicht für jeden infrage. Etwa 15.000 Paare, das hat MDR-Autorin Bettina Wobst herausgefunden, reisen aus Deutschland pro Jahr ins Ausland, um sich über eine Leihmutterschaft den Traum vom "leiblichen Kind" zu erfüllen. In der Ukraine ist dies legal und bezahlbar. Ja, es ist ein Geschäftsmodell. Nicht wenigen armen Frauen und Familien sichert es das Überleben, aber logischerweise verdienen auch Vermittler und Agenturen mit.

Für den Film hat sich ein deutsches Paar auf diesem Weg zum Wunschkind begleiten lassen: beim Abflug in die Ukraine, dem Treff mit der Leihmutter und Warten auf das Kind, schließlich bei der "Übergabe" und zurück im deutschen Alltag. Darüber hinaus werden andere Geschichten rund um Leihmutterschaft erzählt – beim Besuch einer Reproduktionsklinik in Kiew, Interviews mit unterschiedlichen ukrainischen Leihmüttern und einem kritischen Anwalt. Wie funktioniert das Geschäft mit dem Babyglück? Und wer sind die Leihmütter, die selbstbewusst darüber sprechen, warum sie ihren Körper verkaufen?

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"Wir treffen in Charkov eine Leihmutter und deren Familie in einer kleinen Plattenbauwohnung", verrät Filmautorin Bettina Wobst. "Die junge Frau hat schon viermal ein fremdes Kind zur Welt gebracht und hält damit ihre eigene Familie über Wasser. Leihmutter Olena in Kiew spricht selbstbewusst über die Wege, wie sie im Internet andere Frauen findet und dann an Kliniken vermittelt." Besonders nahe kommt man im Film Julia, der Leihmutter, die das Kind der Deutschen Denise und Jens auf die Welt gebracht hat. "Wir besuchen sie in ihrem kleinen Dorf", erinnert sich Autorin Bettina Wobst. "Dort erzählt sie offen über ihre finanziellen Probleme, zeigt uns das kleine Haus, in dem sie beengt mit den Eltern lebt. Wir erfahren von ihrem Traum, für die eigene Tochter und den Mann ein schöneres eigenes Zuhause aufbauen zu können."

Wie immer bei den ethisch komplexen Fragen rund um Reproduktionsmedizin gibt es kein Schwarz oder Weiß, mit dem man die Segnungen und Gefahren der neuen Möglichkeiten einordnen kann. "Das Verhältnis der Wunscheltern und der Leihmutter haben wir als respektvoll von beiden Seiten wahrgenommen", erzählt Wobst. "Die Wunscheltern sprechen offen über ihre Verzweiflung der letzten Jahre. Für sie scheint Julia nicht nur eine Geschäftspartnerin zu sein, sondern die Frau, die ihnen geholfen hat, ein Kind zu bekommen. Sie vermitteln den Wunsch, auch weiter mit Julia in Kontakt zu bleiben. Julia scheint dafür ebenfalls offen."

Die Story im Ersten: Wunschkind aus Kiew – Mo. 19.04. – ARD: 22.50 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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