Frank Tashlin

Frank Tashlin
Geboren: 19.02.1913 in Weehawken, New Jersey, USA
Sternzeichen: Fische
Gestorben: 05.05.1972

Nach seinem letzten Film "Wo bitte gibt es Bier an der Front?" zieht sich Frank Tashlin 1968 enttäuscht aus Hollywood zurück und dreht keinen Film mehr. Hauptdarsteller Bob Hope, einer der begeisterten Truppenbetreuer an der Indochina-Front, erkennt den subversiven Touch der Kriegsgroteske und macht von seinem Recht Gebrauch, das Opus total umzuschneiden. Doch die Amerikaner merken erst sehr spät, was sie an Tashlin hatten. Und manche Lexika schätzen ihn heute noch völlig unzureichend ein.

Bereits 1973 weist man bei den Festspielen in Edinburgh auf das Multitalent Tashlin hin, 21 Jahre später widmen ihm die Internationalen Filmfestspielen in Locarno eine umfassende Werkschau. Und da erinnert man schließlich auch an die Vielzahl von Arbeiten aus der frühen Comics-Produktion, von "Merrie Melodies" bis zu den "Porky Pig"- und "Bugs Bunny"- Serien, die Tashlin mitentwickelt hat. Zu der politischen Satire gehört, daß in "Song of Victory" (1942) Benito Mussolini als Äffchen und Adolf Hitler als Aasgeier auftauchen.

Wie viele andere Hollywood-Künstler von Jerry Lewis bis Don Siegel wird Frank Tashlin in seiner Bedeutung erst von der französischen Filmkritik entdeckt, von Jean-Luc Godard und François Truffaut. Vor allem in Godard hat er schon früh einen Bewunderer, und auch in Deutschland weisen Filmhistoriker und Kritiker wie Enno Patalas und Uwe Nettelbeck auf Tashlin hin.

Der Sohn des deutschen Motoringenieurs von Tischbein und einer französischen Mutter arbeitet 1926/27 zunächst als Zeitungsjunge, als Laufbursche beim Metzger und später in einer Gießerei. Im Alter von 20 Jahren beginnt er als Zeichner bei RKO, wo er bald seinen ersten Cartoon ("Aesop's Fables") zeichnet. Er veröffentlicht unter dem Pseudonym "Tish-Tash" Comics in Zeitungen und ist 1933 Animator bei Vitaphone für "Merrie Melodies", zwischendurch auch für MGMs "Flip, the Frog". Er ist Miterfinder von Publikumslieblingen wie "Porky Pig" und "Bugs Bunny". In den Hal-Roach-Studios schreibt er Gags und Scripts für Charlie Chase, Laurel und Hardy, Thelma Todd und die "Our Gang"-Serie ("Die kleinen Strolche").

Nach langjähriger Tätigkeit als Cartoonist beginnt Tashlin beim Spielfilm als Komödienautor für Filme wie George Marshalls "Mädchen für Hollywood" (1947) und die Bob Hope/ Jane Russell-Groteske "Sein Engel mit den zwei Pistolen" (Paleface, 1948). Die Bob Hope-Komödie "The Lemon Drop Kid", die Sidney Lanfield als Regisseur ausweist, ist er der erste Film, an dem Tashlin als Co-Regisseur mitgearbeitet hat. Schließlich inszeniert er unter dem passenden Titel "The First Time" (1952) zum ersten Mal einen eigenen Film. Gleich bringt er seinen wunderbaren Comic-Strip-Stil ein. Den zweiten "Paleface"-Film "Bleichgesicht jr." (Son of Paleface, 1951) inszeniert er ebenfalls selbst.

Neben den Filmen mit Jerry Lewis sind vor allem die beiden Arbeiten mit Jayne Mansfield, "The Girl Can't Help it" (1956) und "Sirene in Blond" (1957) seine bedeutendsten Arbeiten. Später versucht er mit Anita Ekberg und Doris Day solche Erfolge fortzusetzen, doch vor allem Doris Day ("Spion in Spitzenhöschen", 1965) fehlt das nötige parodistische Element.

Mit "Maler und Mädchen" (1955) beginnt die Zusammenarbeit mit Jerry Lewis, die für beide Künstler von großer Bedeutung wird. Bereits die Story über Eugene Fullstack (Jerry Lewis), der Horror-Comics verschlingt, einer personifizierten Bat Lady alias Shirley MacLaine begegnet und seinem Freund Rick (Dean Martin) im Schlaf seine Albtraumphantasien erzählt, die dieser vermarktet, gehört zum Besten, was Tashlin und Lewis gemeinsam schaffen. Die Figur des tapsigen Clowns entwickeln Lewis und sein Lehrmeister Tashlin weiter, und sie macht in den zwanzig Jahren ihrer Existenz zwei Wandlungen durch. Die eine vollzieht sich allmählich mit den Änderungen der Zeit: Der Protagonist, die Tölpel-Figur, rückt immer mehr in den Mittelpunkt des Geschehens. Die andere, sprunghaftere und somit deutlichere Veränderung bringt die Metamorphose des Tölpels zum 'normalen', 'normal veranlagten' Menschen, der sich nur aus Berechnung und Kalkulation noch in seine Verstellungsrolle zurückzieht.

Doch die sehr ergiebige Arbeit mit Jerry Lewis, die sich später auch auf die von Lewis selbst inszenierten Filmen wie "Der Bürotrottel" (1961) und "Der verrückte Professor" (1963) auswirkt, betrifft nur eine Seite des vielseitigen Zeichners, Filmers und Kinderbuchautors Frank Tashlin, der die Klischees der amerikanischen Gesellschaft ebenso aufs Korn nimmt wie die von Hollywood. So treten häufig große Stars wie Bob Hope, Anita Ekberg oder Jane Russell als Karikaturen ihrer selbst auf oder werden durch andere wie Jayne Mansfield parodiert.

Jerri Jordan alias Jayne Mansfield hat eine Figur wie eine Badenixe. Doch sie träumt nur vom Kochen, Kinderkriegen und Heiraten. Das ist für Fats Murdock (Edmond O'Brien), den ebenso gewievten wie tolpatschigen Ex-Gangster, einfach zuviel, denn er will Jerri unbedingt zum Star aufbauen. Früher hat Fats das Musicbox-Geschäft beherrscht, jetzt will er in eine andere Branche einsteigen. Dafür braucht er Jerri als Sängerin! Und obwohl durchaus zu erkennen ist, dass Jerri keine Stimme hat: Er will, dass sie singt. Basta.

In diesem Film, "The Girl Can't Help it", bringt Frank Tashlin drei Genres zusammen: Gangsterfilm, Schlagerrevue und Show-Business-Story. Das alles wird kräftig geschüttelt und auf die Schippe genommen. Der Erfolg ist umwerfend, und Tashlin dreht ein Jahr später, ebenfalls mit Jayne Mansfield, einen zweiten Film: "Sirene in Blond" (1957), für viele sein bester Film.

Rock Hunter, der kleine, wenig erfolgreiche Angestellte einer Werbefirma kommt durch einen Reklamegag ganz nach oben: Es gelingt ihm, den bislang fast unverkäuflichen Lippenstift "Stay Put" zum Renner zu machen. Rock ist über Nacht ein gemachter Mann, und das verdankt er allein Rita Marlowe alias Jayne Mansfield. Denn die Superdiva mit dem atemberaubenden Brustumfang unternimmt einen Werbefeldzug für "Stay Put", und das ist allein Rock Hunters Idee.

Als Tashlin den Film dreht, steht Hollywood mit dem neu entdeckten Cinemascope-Verfahren in Konkurrenz zum kleinen Fernsehschirm, der das Kino ins Wohnzimmer bringt. Tashlin nutzt das Cinemascope-Bild und den Stereoton, um dem Konkurrenten den Garaus zu machen. Der Stereoton macht den Quietschsound von Jayne geradezu lächerlich und bei einem Werbespot lässt Tashlin das riesige Scope-Bild zum jämmerlichen Bildschirmformat zusammenschrumpfen.

Weitere Filme von Tashlin: "Eine Nacht mit Susanne" (1954), "Meine Frau, der Leutnant" (1955), "Alles um Anita" (1956), "Fünf auf einen Streich" (1958), "Geisha-Boy" (1958), "Aschenblödel" (1959), "Engel auf heißem Pflaster" (1959), "Dinosaurier bevorzugt" (1962), "Geld spielt keine Rolle" (1962), "Der Mann vom Diners Club" (1962), "Der Ladenhüter" (1963), "Die Morde des Herrn ABC" (1964), "Der Tölpel vom Dienst" (1964) und "Caprice" (1966).


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