Jerry Lewis

Meister der schrägen Mimik: Schauspieler, Regisseur und Produzent Jerry Lewis. Vergrößern
Meister der schrägen Mimik: Schauspieler, Regisseur und Produzent Jerry Lewis.
Fotoquelle: Serge Rocco/shutterstock.com
Joseph Levitsch
Geboren: 16.03.1926 in Newark, New Jersey, USA
Sternzeichen: Fische
Gestorben: 20.08.2017 in Las Vegas, USA

Charlie Chaplin nennt "Hallo Page" einen genialen Film – es ist 1960 die erste Regiearbeit von Jerry Lewis. Und für Jean-Luc Godard ist Amerika's Own Fool der "einzige progressive amerikanische Filmemacher": Jerry Lewis – das ist auch bis Mitte der 70er Jahre die Lachbombe des Kinos schlechthin.

Als Tolpatsch vom Dienst stolperte der geborene Komiker durch seine Filme und eine eigene Fernsehshow. Seine Beine schienen aus Knetgummi zu sein. Er torkelte mit atemberaubender Gesichtsakrobatik durch die Welt. Im nächsten Moment knallte er steif wie ein Brett zu Boden. In Texas soll es eine Hausfrau gegeben haben, die sich über den Fratzenschneider im wahrsten Sinne des Wortes totgelacht hat. Wenn diese Anekdote hier nicht bewiesen werden kann, so wäre sie doch durchaus vorstellbar.

In den USA negierte die Fachpresse sein Können auch dann noch, als er 1967 an die angesehene University of California als Filmprofessor berufen wurde, bei uns entdeckten Fans die frühen Filme erst spät und spät widmete ihm "Die Zeit" eine ganze Seite mit einer "kleinen Hommage an Jerry Lewis, den Allerschrillsten", in der Barbara Sichtermann entdeckt, dass Jerry Lewis zwischen Charlie Chaplin und Woody Allen vergessen bleiben musste: "Sein Milieu ist das Chaos".

Geboren als Sohn armer Varieté-Künstler wuch Joseph Levitsch – so der bürgerliche Name – bei Verwandten auf. Möglich, dass er hier bereits seine Mätzchen machte, zwischen Kitsch, Klischees und abgestandenen Gags. So ist es kaum verwunderlich, dass er all diese Stilmittel später ohne Hemmung benutzt hat: gerade das Schrille und bonbonfarbige machte die Einmaligkeit von Jerry Lewis und seiner Komik aus. Im zarten Alter von fünf Jahren kraxelte der vorwitzige Dreikäsehoch jedenfalls schon auf die Bühne, um das Publikum mit seinen Kinderliedern zu erfreuen. Von diesen Brettern war der spätere Platzanweiser, Würstchenverkäufer und Kellner dann nicht mehr herunter zu holen.

Als Lewis Dean Martin kennenlernte

Lewis war 20 und Komiker im Club 500 in Atlantic City, als er einen italienischen Schnulzensänger namens Paul Dino Crocetti alias Dean Martin kennenlernte. Die beiden Underdogs taten sich zusammen und tourten als ungleiches Paar durch die USA, sind die Hits der amerikanischen Nachtklubs. Die Masche war immer die gleiche: Lewis spielte den zappeligen Kindskopf, Dean Martin den charmanten Frauenhelden und die Seriosität in Person. Das Gespann bewährte sich u. a. in der US-TV-Show "The Colgate Comedy Hour" (1950-52) und von 1949 an auch in einer gemeinsamen Radio-Show.

Bereits 1948 hatte die Paramount-Filmgesellschaft den richtigen Riecher und engagierte das Duo. Sechzehn finanziell durchweg erfolgreiche Komödien drehten die beiden bis 1956, darunter immer wieder Militärklamotten: "My Friend Irma" (1949), "Irma im goldenen Westen", "Krach mit der Kompanie" (beide 1950), "Seemann, paß' auf!" (1951), "Schrecken der Division", "Der Prügelknabe" (beide 1952), "Der tollkühne Jockey" (1953), "Im Zirkus der drei Manegen" (Lewis als Clown), "Der sympathische Hochstapler" (beide 1954), "Der Gangsterschreck" (1955), "Wo Männer noch Männer sind" (Lewis als Sheriff) und "Alles um Anita" (beide 1956). Nach zehn Jahren trennten sich 1956 die Wege des beliebtesten Komikerpaares der USA.

George Marshalls "Dümmer als die Polizei erlaubt" (1957) war Lewis' erster Film ohne seinen Dauerpartner Dean Martin, der 1959 den Sprung zum Charaktertyp an der Seite von John Wayne in "Rio Bravo" schaffte. Für Lewis folgen Lacherfolge wie "Der Regimentstrottel" (1957), "Fünf auf einen Streich" (1958, Lewis als überraschter Vater), "Geisha-Boy" (1958, Lewis als Zauberkünstler in Japan), "Besuch auf einem kleinen Planeten" (1959, Lewis und die Außerirdischen), die Militärgroteske "Keiner verlässt das Schiff" (1959), "Aschenblödel" (1959, Lewis in einer Märchengroteske). Mit dem selbstproduzierten Film "Hallo, Page" (1960) avanciert Jerry Lewis zum Regisseur und Drehbuchschreiber. Der Film verfolgt keine fortlaufende Geschichte, sondern zeigt Lewis als Hotelpagen in immer neuen Episödchen.

"Geld spielt keine Rolle" und "Der verrückte Professor" (beide 1962) sind Glanzstücke der Karriere als Regisseur und Schauspieler. Dieser "Nutty Professor" wirkt wie eine Aufarbeitung des Duos Jerry & Dean: Dean Martin war immer der trällernde Beau, der lässige Frauenheld, Jerry, der Tolpatsch, dem kein Stein zu klein ist, um darüber zu stolpern. Im "Nutty Professor" verwandelt sich der intellektuelle Tollpatsch in den oberflächlichen Schönling, und am Ende siegt der Tölpel: Jerry Lewis spielt Jerry und Dean zugleich. Fast 20 Jahre später in "The King of Comedy" hat er beide Naturen in einer vereint: eine seltsame, streckenweise androidenhaft wirkende und erschreckende Unperson.

Was danach kommt, steht im Schatten eines ambitionierten Werkes, das Lewis tragischerweise nicht vollenden konnte: 1974 entsteht in Frankreich und Schweden ein Film, der heißt "Der Tag, an dem der Clown weinte" und erzählt die Geschichte eines jüdischen Zirkusclowns, der im Konzentrationslager der Nazis Kinder zum Lachen bringt. Am Ende zockelt er in einer Art Schlussbild wie aus einem Charlie-Chaplin-Film gemeinsam mit ihnen in die Gaskammer. Rechtliche Gründe verhinderen die Fertigstellung, das trifft den Künstler sehr tief. Zuvor noch erzielte er mit "Wo, bitte, geht's zur Front?", einer Persiflage auf Nazis und antifaschistische Propagandafilme, in Europa Erfolge, doch danach fehlte seinen Filmen und ihm selbst der richtige Biss.

Ab Mitte der 70er Jahre wurde Lewis zur einer Randfigur in der US-Filmszene. Seine Comeback-Versuche "Alles in Handarbeit" (1979) und "Immer auf die Kleinen" (1984) wurden selbst in Europa als Flops eingestuft. Aufmerksamkeit erzielte der schon erwähnte "The King of Comedy" (1983), der Lewis noch einmal eine Hauptrolle neben Weltstar Robert De Niro bescherte. Lewis spielt einen erfahrenen TV-Unterhalter, der von einem naiven Fan entführt wird. Dieser hält sich für einen begabten Entertainer und will mit seiner Aktion den Bühnenauftritt erzwingen.

Danach zog sich der Komiker fast völlig aus dem Filmgeschäft zurück. Er drehte zwar weiter, spielte in Emir Kusturicas "Arizona Dream", wo er an der Seite von Johnny Depp ein eindringliches Lebenszeichen gibt, und noch einmal in "Funny Bones - Tödliche Scherze" (1994). Zur Freude seiner Fans gastierte er 1997 in mehreren Shows am Broadway. Neben seiner künstlerischen Arbeit gehörte Lewis Engagement jenen Kindern, die an einer unheilbaren Form des Muskelschwunds erkrankt sind und seine Slapsticks nie beherrschen werden. Für sie sammelte Lewis seit Jahrzehnten Spendengelder, bis zu 30 Millionen Dollar pro Jahr. Dafür wurde Jerry Lewis 2009 mit einem Ehren-Oscar ausgezeichnet: Er erhielt für sein humanitäres Engagement den Jean-Hersholt-Preis.

Doch im Grunde war sein Stern längst erloschen: Der Clown, dessen Milieu das Chaos war, war nicht mehr gefragt. Gelegentlich sah man ihn noch in Fernsehfilmen als eindrucksvollen, aber eher unauffälligen Charaktertyp.

Am 20. August 2018 verstarb Lewis im Alter von 91 Jahren in seinem Haus in Las Vegas.

Weitere Filme mit Jerry Lewis: "Der Tollpatsch", "Starr vor Angst" (beide 1953), "Patient mit Dachschaden" (1954), "Der Agentenschreck" (1955), "Der Bürotrottel", "Zu heiß gebadet" (beide 1961), "Der Ladenhüter" (1963), "Der Tölpel vom Dienst", "Die Heulboje" (beide 1964), "Boeing - Boeing, "Das Familienjuwel", "Drei auf einer Couch" (alle 1965), "Das Mondkalb" (1966), "Der Spinner", "Ein Froschmann an der Angel" (beide 1967), "Jerry, der Herzpatient" (1968), "Die Pechvögel" (1969, Regie), "Jerry, der Privatdetektiv" (1984), "An einem Freitagabend", "Mein Kind darf nicht sterben" (beide 1987), "Cookie - Die Tochter des Paten" (1989) und "Der letzte Komödiant" (1992).


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