Russ Meyer

Russ Meyer
Geboren: 21.03.1922 in Oakland, Kalifornien, USA
Gestorben: 18.09.2004 in Hollywood Hills, Kalifornien, USA

Er revolutionierte den Sexfilm, gilt als Pionier der so genannten "Sexploitation" und zeigte offen seine Vorliebe für besonders große weibliche Brüste: Russ Meyer, der "King Of The Nudies", der Mann der schnellen Schnitte und der scharfen Konturen. Eine parodistischer Sex-&-Crime-Story mit wenig Zusammenhang, ausgeprägte Sexszenen, groteske Elemente, ausgefeilte Kameraeinsätze, ironische Kommentare (auch in Vulgär-Sprache) und hektischer Schnitt: Das ist es, was die Filme Russ Meyers ausmacht.

Der Sohn eines Polizisten und einer Krankenschwester machte bereits als Teenager Amateurfilme und gewann schon als 15-Jähriger Preise. Während des Zweiten Weltkrieg war er in Europa stationiert - der NY Times erzählte er später, dass er während dieser Zeit das erste Mal in Frankreich in einem Bordell war, weil dieses von keinem geringeren als Ernest Hemingway empfohlen wurde - und arbeitete als Kameramann für Nachrichten (von ihm fotografierte Szenen fanden später in dem Spielfilm "Patton - Rebell in Uniform" und in der Dokumentation "Aufstieg und Fall des Dritten Reiches" Verwendung). Anschließend wurde er professioneller Fotograf und arbeitete auch für so renommierte Magazine wie Hugh Hefners "Playboy", für den er einige der ersten Centerfolds ablichtete. Aber er führte auch seine Arbeit als Kameramann weiter, fotografierte Industriefilme und war zeitweise auch an Hollywood-Produktionen wie "Schwere Jungs und leichte Mädchen" und "Giganten" (beide 1956) als Standfotograf beteiligt.

Sein Filmdebüt lieferte er 1959 mit dem Werk "", der als erster kommerzieller "Nudie" (eine Bezeichnung für frühe Filme, die Softsex und viel nackte Haut beinhalten) in die Filmgeschichte einging. Mit diesem Billigfilm machte Meyer ein Profit von über eine Million Dollar. Dies ermöglichte dem Filmemacher in der Folgezeit seine weiteren Werke selbst zu produzieren. Regisseur, Kameramann, Drehbuchautor und Cutter war er ohnehin in Personalunion.

Seine Folgewerke wurden immer bizarrer, gewalttätiger und comichafter. Mitte der 60er Jahre etablierte er mit vier Schwarz-Weiß-Filmen ("Lorna - Zuviel für einen Mann", "Mudhoney - Im Garten der Lust", "Motor-Psycho - Wie wilde Hengste", "Die Satansweiber von Tittfield") seinen eigenen Stil, den man später als "Gothic period" bezeichnete. Diese Werke gelten auch heute unter Kenner zu den besten, die er je gemacht hat. Nackheit in einem sozialen Kontext und oft rüde Gewalt mit ironisierendem Blick auf die Südstaaten-Mentalität ist Thema vieler Meyer-Filme. Nach seinem Riesenerfolg "Vixen - Ohne Gnade, Schätzchen!" (1968) wurde er von der 20th-Century Fox unter Vertrag genommen. Konnte er mit "Blumen ohne Duft" (1970) noch einen absoluten Kassenschlager inszenieren, kehrte er mit dem uncharakteristisch seriösen "The Seven Minutes" (1972) zu seinen Sex-und-Gewalt-Filmen zurück, die ihren Höhepunkt in dem kuriosen Streifen "Im tiefen Tal der Superhexen" (1979) fanden. Ab den 80er Jahren arbeitete Meyer an verschiedenen Autobiographien, sowohl in filmischer ("The Breast of Russ Meyer") als auch in geschriebener ("A Clean Breast") Form.

Durch das immer größer werdende Aufkommen von Erotik-Kinos und der Hardcore-Pornographie (die Meyer stets abgelehnt hat) seines Publikums beraubt, beendete Meyer seine Arbeit als Regisseur und lebte fortan von der Vermarktung seiner Filme. Außerdem übernahm er noch eine Gastrolle in einer Episode zu "Amazonen auf dem Mond" (1987). 2001 nahm er sich das Videoprojekt "Russ Meyer's Pandora Peaks" vor.

Seiner zweiten Ehefrau Eve Meyer, mit der er von 1952 bis 1969 verheiratet war, setzte er mit dem Film "Eva und der Mann für alles" (1961) ein Denkmal. Seine dritte Frau Edy Williams (27. Juni 1970 - 7. November 1975) ist in den Filmen "Blumen ohne Duft" (1970) und "The Seven Minutes" (1972) zu sehen.

1977 beauftragte ihn Malcolm McLaren einen Film mit den "The Sex Pistols" zu machen. Doch laut Drehbuchautor Roger Ebert endeten die Dreharbeiten schon nach eineinhalb Tagen, weil McLaren nicht mal die Elektriker bezahlen konnte (McLaren schob die Schuld allerdings auf den Hauptfinanzier 20th Century Fox). 1980 inszenierte Meyer dann ein Video für eine Rockband, die ihren Namen sogar aus einem Meyer-Film entlehnt hatten: "Faster Pussycat".

Wer sich genauer Meyer-Filme anschaut, der merkt bald, dass die Vorwürfe des Dilettantismus und der unfreiwilligen Komik nicht haltbar sind. Denn Meyer war immer bewusst komisch und beherrscht sein Fach durchaus, nur erzählt er andere Geschichte mit anderen Mitteln und bewegt sich gekonnt jenseits des Mainstreams.

Weitere Filme von Russ Meyer: "The Naked Camera" (die letzte Kopie dieses Kurzfilms hat Meyer nach eigener Aussage selbst zerstört), "Erotica" (beide 1961), "" (1962), "Heavenly Bodies!", "Europe in the Raw" (beide 1963), "Fanny Hill" (1964), "Mondo Topless" (1966), "Wieviel Liebe braucht ein normales Paar?" (auch "Die liebestollen Hexen"), "Guten Morgen... und auf Wiedersehen" (beide 1967), "" (1968), "Megavixens" (1969), "Black Snake" (1973), "Supervixens Eruption" (1974) und "Up - Drüber, drunter und drauf" (1976).

Als Kameramann war er außerdem bei der Dokumentation "The French Peep Show" (1950), dem Drama "Verzweifelte Frauen" (1955, Regie: Louis B. Appleton jr.) und dem Kurzfilm "Skyscrapers and Brassieres" (1963, auch Buch) beteiligt. Die Autobiografie "A Clean Breast" ist nur nur ein 3-teiliges, kiloschweres Werk, sie ist auch überaus reich bebildert (über 2500!).


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