Der Oscar – oder der Academy Award der US-amerikanischen Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) – wurde aus einer Not geboren. Ende der 1920er Jahre kriselte es in der US-amerikanischen Filmindustrie. Kinos mussten einen Besucherschwund verkraften und Einbußen hinnehmen. Darüber hinaus sorgte die Bildung von Gewerkschaften für höhere Lohnkosten für die Studios, die zudem unter der Zensur zu leiden hatten. Der damalige Präsident der MGM Studios, Louis B. Mayer, rief gemeinsam mit Conrad Nagel und Fred Niblo die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ins Leben. Beim Gründungstreffen am 11. Januar 1927 waren 33 einflussreiche und namhafte Filmgrößen mit dabei. Zweck der Akademie ist (nach wie vor), sich für den Fortschritt im Bereich der Filmwirtschaft einzusetzen.

Anfang 1928 wurde schließlich die Einführung eines Preises in den Statuten der Akademie ergänzt. Die goldene Statuette - ein Ritter mit Schwert, der auf einer Filmrolle steht - wurde erstmals am 16. Mai 1929 verliehen. Preisträger der ersten Stunde waren unter anderem: Emil Jannings, Janet Gaynor, Lewis Milestone und Frank Borzage. Abräumer des Abends waren das US-amerikanische Filmdrama "Das Glück in der Mansarde" und das US-amerikanische Liebesdrama "Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen" mit jeweils drei Auszeichnungen.

Der namenlose Ritter erhielt von einer weiblichen Preisträgerin, die erstaunt ausrief, dass die Figur ihrem Onkel Oscar gleichen würde, seinen weltweit bekannten Namen. Eine Anekdote, deren Wahrheitsgehalt nicht belegt ist. Walt Disney gilt als der erste Preisträger, der in seiner Dankesrede, als er 1932 die goldene Figur erstmals verliehen bekam, diesen prägnanten (Spitz-)Namen verwendete. Seither steht "Oscar" als fester Begriff fest.

Erfolgsgarant

Wurde der Oscar anfänglich aus der Not geboren, entwickelte er sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem Spektakel, das Jahr für Jahr wächst und immer mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht. Der wirtschaftliche Faktor der Award-Präsentation ist immens. 2015 lagen die Kosten für eine halbe Werbeminute während der Oscar-Show bei 1,5 Millionen US-Dollar. Und auch der wirtschaftliche Faktor für die Preisträger lässt sich in Zahlen ausdrücken. Auch wenn die Schlagkraft hier nicht mehr so hoch ist, wie noch zu Beginn des Jahrtausends. Anfang 2000 konnte der Oscar den Marktwert eines Films um bis zu 30 Millionen Dollar steigern. Zeiten, die mittlerweile vorbei sind, da der immer schneller agierende Filmmarkt, Streaming-Dienste und DVD-Veröffentlichungen für Einbußen an den Kinokassen sorgen.

Politische Bühne

Die Redezeit, die jedem Preisträger zur Verfügung steht, beträgt 45 Sekunden. Seit 2016 werden die Namen der Personen, denen der Gewinner danken möchte, am unteren Bühnenrand per Laufschrift eingeblendet. Auch wenn 45 Sekunden recht kurz sind und eine zu lange Dankesrede von Musik überblendet wird, schaffen es die Oscargewinner durchaus ihre Botschaft - wenn sie denn eine haben - zu verkünden. So widmete Leonardo DiCaprio seine Rede 2016 seinem Herzensthema: "Wir müssen weltweit Anführer stärken, die nicht für die großen Weltverschmutzer sprechen, sondern für die gesamte Menschheit, für indigene Völker, für die Milliarden und Abermilliarden unterprivilegierter Menschen, die der Klimawandel am schlimmsten trifft. Für unsere Kindeskinder und für die Menschen, dessen Stimmen durch die Politik der Gier verstummt sind."

Weitaus politischer war jedoch der Auftritt von Sacheen Littlefeather, einer indianischen Aktivistin des American Indian Movement (AIM). Sie trat 1972 statt Marlon Brando, der einen Preis für "Der Pate" erhalten sollte, auf die Bühne und teilte mit, dass Brando den Preis nicht annehmen würde. Der Grund: Die Benachteiligung der Indianer im Filmgeschäft.

Aufreger der Oscar-Geschichte

1938 gewann Spencer Tracy den Oscar als Bester Hauptdarsteller und durfte anschließend schmunzeln, da auf der Trophäe nicht sein Name, sondern der der bekannten Comicfigur "Dick Tracy" eingraviert war.

Hattie McDaniel ("Vom Winde verweht") war die erste afroamerikanische Darstellerin, die mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Bei der Verleihung 1940 musste sie von den weißen Schauspielern getrennt sitzen.

Doch wer glaubt, dass Rassismus ein Relikt der Vergangenheit ist, der wurde 2016 eines Besseren belehrt als #Oscarssowhite für Aufmerksamkeit sorgte. Die 20 Nominierten für die beste Haupt- oder Nebenrolle waren nur weiße Darsteller - keine Schwarzen, keine Latinos, keine mit asiatischem Hintergrund. Schon 2015 war das so gewesen, 2016 sorgte es schließlich für Diskussion. Als Konsequenz, so Academy-Präsdentin Cheryl Boone Isaacs, selbst schwarz, solle bis 2020 der Anteil der nicht-weißen und auch der weiblichen Mitglieder der AMPAS verdoppelt werden. Einen ersten Schritt in diese Richtung unternahm die Academy of Motion Picture Arts and Society im Juni 2016, als an rund 680 Filmschaffende eine Einladung versendet wurde. Unter diesen 680 Filmschaffenden waren 46 Prozent Frauen und 41 Prozent nicht weiß.

Ein Tropfen auf den heißen Stein? Nicht die Mitglieder der Academy und deren Aufteilung sei das Problem, Kritiker bemerken recht treffend, dass Hollywood weiß und männlich sei. Und das wirkt sich auch auf die Oscars und die Arbeit der Academy aus.

Glanz und Glamour

Doch lässt man das Politische beiseite, dann handelt es sich bei der Oscar-Gala um ein TV-Ereignis rund um Film und Filmschaffende. Mit Glanz und Glamour auf dem roten Teppich, mit Klatsch und Tratsch rund um die Nominierten und die Gewinner, mit traumhaften Abendroben und brillanten Geschmeide. Modedesigner und Schmuckdesigner reißen sich um die Nominierten und eine Standardfrage am Rande des Promi-Aufmarschs lautet: "Von welchem Designer ist ihr Outfit?"

In den USA schalteten 2016 rund 32 Millionen Menschen ihren TV ein und waren bei der Verleihung live dabei. Allein den Gang über den roten Teppich inkl. Berichterstattung und Spontaninterviews verfolgten mehr als 20 Millionen Amerikaner. In Deutschland hat sich ProSieben seit Jahren die Ausstrahlung des TV-Großereignisses gesichert. Wegen der nachtschlafenden Zeit sind die Einschaltquoten hierzulande aber eher niedriger.

Oscar und Co.

Der Name des Goldjungen ist mit Sicherheit der Begriff, der im Laufe der Veranstaltung am häufigsten fällt. Ansonsten werden Mama, Papa und Gott - in dieser Reihenfolge - ebenfalls genannt. Doch die entscheidenen Namen sind die der Nominierten. Allen voran solche Dauerkandidaten wie Meryl Streep, die selbst dann erwähnt wird, wenn sie in einem Jahr nicht mit von der Partie ist und ohne eine Nominierung leben muss, oder Leonardo DiCaprio, der jahrelang leer ausging und schließlich 2016 endlich den Preis mit nach Hause nehmen durfte.

Für Leonardo DiCaprio kein Grund sich zu grämen. Wie ihm ging es vielen Filmgrößen, die häufige Nominierungen erhielten und Jahr für Jahr das Nachsehen hatten. So konnte Martin Scorsese bei bisher neun Nominierungen erst einmal den Oscar in Empfang nehmen. Steven Spielberg schaffte bei 13 Nominierungen drei Auszeichnungen - davon einmal den "Irving G. Thalberg Memorial Award". Oder Ennio Morricone, der 2016 für die Filmmusik zu "The Hateful 8" erstmals die Trophäe in den Händen halten konnte - nach insgesamt sechs Nominierungen, einer glanzvollen und langjährigen Karriere und nachdem ihm 2007 bereits der Ehren-Oscar für sein Lebenswerk verliehen wurde. Alfred Hitchcock, das Filmgenie, erhielt insgesamt fünf Nominierungen. Doch keine dieser Nominierungen führte zum Erfolg. 1968 wurde auch er mit einem Ehrenoscar, dem "Irving G. Thalberg Memorial Award", belohnt.

Ein Gegenbeispiel ist Katharine Hepburn. Die Ausnahmedarstellerin war insgesamt zwölf Mal nominiert und wurde davon viermal mit der Trophäe geehrt. Und auch Meryl Streep - die Königin der Nominierungen (unübertroffene 20) - konnte sich schon dreimal über "Oscar" freuen.

Oscar-Host

Mindestens so bedeutend wie die Preisträger ist der jeweilige Oscar-Host. Der Moderator, der dem Ereignis die richtige Stimmung verleiht, der mit Wortwitz (wenn auch vom Teleprompter abgelesen), Gesang und Tanz für Unterhaltung sorgt. Bob Hope machte sich über viele Jahre einen guten Namen als Präsentator der Show. Und auch Billy Crystal konnte sich im Laufe seiner langen Karriere einen Ruf als unterhaltsamer Oscar-Host aufbauen. Whoopi Goldberg wusste ebenso zu überzeugen, wie auch Ellen DeGeneres, die 2014 unter anderem mit dem wohl berühmtesten Oscar-Selfie und ihrem Twitter-Kommentar "If only Bradley's arm was longer. Best photo ever. #oscars" für weltweite Schlagzeilen und viele Foto-Nacheiferer sorgte. "The Oscars goes viral!"

Deutsche Preisträger

Bei der überwältigen Show, bei der Darsteller sich, ihr Business und ihren Auftritt gebührend feiern, gehen viele der weniger medienträchtigen Kategorien unter - teilweise werden sie während der Show auch gar nicht verliehen, sondern lediglich in einem Einspieler präsentiert. Wussten Sie, dass Erich Kästner (nein, nicht der mit "Das fliegende Klassenzimmer") dreifacher Oscar-Preisträger ist? Erich Kurt Kästner war über 50 Jahre Chefkonstrukteur der ARRI Kameraentwicklung in München und erhielt 1973, 1982 und 1992 die Auszeichnung in der Kategorie "Wissenschafts- und Entwicklungspreis" bzw. den "Scientific and Technical Academy Award of Merit".

Kategorie: "Bester fremdsprachiger Film"
Volker Schlöndorff - "Die Blechtrommel" (1980)
Caroline Link - "Nirgendwo in Afrika" (2003)
Florian Henckel von Donnersmarck - "Das Leben der Anderen" (2007)

Kategorie: "Bester Hauptdarsteller/Beste Hauptdarstellerin"
Emil Jannings - "Sein letzter Befehl" und "Der Weg allen Fleisches" (1929)
Luise Rainer - "Der große Ziegfeld" (1937) und "Die gute Erde" (1938)

Kategorie: "Bester Nebendarsteller"
Christoph Waltz - "Inglourious Basterds" (2010) und "Django Unchained" (2013)

Eine der festen deutschen Oscar-Größen ist der Filmkomponist, Arrangeur und Musikproduzent Hans Zimmer. Zehn Oscar-Nominierungen hat er bereits erhalten, umso erstaunlicher, dass er erst einmal den "Goldjungen" mit nach Hause nehmen durfte. 1995 für die Filmmusik zu "Der König der Löwen". Zuletzt war er 2015 für "Interstellar" nominiert.

Die Oscar-Trophäe in Zahlen: 34 cm groß, massives Britanniametall, 3,9 kg schwer, überzogen mit einer dünnen 24-karätigen Goldhaut, Materialwert von rund 300 US-Dollar, seit 1983 werden die Oscars bei der R. S. Owen Company in Chicago gefertigt, in den Sockel werden erst nach der Verleihung die Names des Preisträgers, die dazugehörige Oscar-Kategorie und der Titel des Films eingraviert, 2000 wurden alle 55 Figuren während des Transportes von Chicago nach Los Angeles entführt. Mit Hilfe des FBI tauchten 53 Trophäen wieder auf.