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100 Jahre auf Koks
"Kokain ist ein Lifestyle - jeder macht das." Mit diesen Sätzen beginnt ein Abend einer jungen Partygruppe, die "Y-History: 100 Jahre auf Koks" bei ihrem Kokainkonsum begleitet. Der Film fragt, wie Kokain in der Mitte der Gesellschaft ankommen konnte - und warum der Konsum heute für viele nicht mehr als Ausnahme, sondern als Normalität gilt. Y-History-Reporterin Carolin von der Groeben trifft Konsumierende, einen ehemaligen Kokstaxi-Fahrer und einen Menschen, der durch Kokain alles verloren hat - und fragt, wie Kokain zur Volksdroge werden konnte. Die Reportage erzählt 100 Jahre Kokain in Deutschland: von den Exzessen der Weimarer Republik über die Rock-'n'-Roll-Jahre mit Udo Lindenbergs Bassisten Steffi Stephan bis zur heutigen Koksschwemme. Koks gehört heute für einige selbstverständlich zum Feiern dazu. In Clubs, auf Hauspartys, bei Afterhours: Der Konsum findet offen statt, oft beiläufig, fast routiniert. Carolin von der Groeben erlebt aus nächster Nähe, wie sehr Kokain Teil des Ausgehrituals geworden ist - als Stimmungsbooster, als Leistungsversprechen, als scheinbar kontrollierter Genuss. Diese Normalisierung erlebt die Y-History-Reporterin auch in ihrem eigenen Umfeld. In Berlin sind Kokstaxis allgegenwärtig und Apps, über die sich Kokain scheinbar mühelos bestellen lässt, weit verbreitet. Doch warum ist ausgerechnet Kokain zu solch einer populären Droge in Deutschland geworden? Und was sagt dieser Boom über den Zustand der Gesellschaft aus? Der Film erzählt die Geschichte von 100 Jahren Kokain in Deutschland - von den Exzessen der Weimarer Republik bis zur Gegenwart. Ein zentrales Kapitel spielt im deutschen Rock-'n'-Roll-Mythos: Carolin von der Groeben trifft Steffi Stephan, Bassist im Panikorchester und seit über sechs Jahrzehnten eng mit Udo Lindenberg verbunden. Stephan spricht ungewöhnlich offen über den Kokainkonsum im Band- und Tourleben der 1970er- und 1980er-Jahre - vor und nach Auftritten, auf Tour, im Tourbus. Eine bislang unveröffentlichte Tonaufnahme aus den 1980ern dokumentiert diese Zeit: Man hört, wie Lines von Kokain gelegt werden, wie die Stimmung kippt. Stephan sagt rückblickend, er habe damals "das ganze Kokain für sich alleine weggezogen". Heute blickt er ohne Verklärung auf diese Jahre zurück. Kokain habe ihm nichts gebracht, sagt Stephan - und er ist überzeugt: Hätte er nicht rechtzeitig aufgehört, hätte er es nicht überlebt. Viele andere hätten diese Zeit nicht überstanden. Neben jungen Konsumierenden spricht Carolin von der Groeben mit einem ehemaligen Kokstaxi-Fahrer, der jahrelang kleine Mengen an ganz unterschiedliche Kundschaft geliefert hat. Ein ehemaliger Drogenschmuggler schildert, wie sich Handel, Nachfrage und Strukturen über Jahrzehnte verändert haben. Neben den Einblicken in Konsum, Handel und Geschichte begleitet der Film auch einen Menschen, der durch Kokain alles verloren hat. Er erzählt, wie aus gelegentlichem Konsum eine Abhängigkeit wurde - und wie Kokain Schritt für Schritt Beziehungen, Arbeit und Selbstkontrolle zerstörte. Seine Geschichte macht deutlich, wie sehr Kokain psychisch abhängig macht. Der Preis für den Rausch ist hoch - und wird oft erst sichtbar, wenn es zu spät ist. "Y-History: 100 Jahre auf Koks" ist eine Labo-M-Produktion im Auftrag von Radio Bremen. Die Sendung ist ab 9. Februar 2026 für zwei Jahre in der ARD Mediathek verfügbar.