Anna Sorokin - Die wahre Geschichte der Millionen-Schwindlerin
23.06.2022 • 22:35 - 00:00 Uhr
Info, Recht + Kriminalität
Lesermeinung
Vergrößern
Vergrößern
Originaltitel
Anna Sorokin - Die wahre Geschichte der Millionen Schwindlerin
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2022
Info, Recht + Kriminalität

"Mein Plan war nie, jemanden zu betrügen"

Von Jasmin Herzog

Als angebliche Millionenerbin stieg sie auf in die höchsten New Yorker Kreise: Anna Sorokina alias Delvey dürfte spätestens seit der Netflix-Erfolgsserie "Inventing Anna" ein Begriff sein. Eine RTL-Doku, in der die berühmte Betrügerin selbst, ihr Vater und ihre Opfer zu Wort kommen, zeigt die wahre Geschichte.

Es wäre wohl nahezu fahrlässig gewesen, hätte Netflix den Stoff ignoriert, den das Leben der Anna Sorokina bietet: Die russisch-deutsche Hochstaplerin gab sich in elitären New Yorker Kreisen als deutsche Millionenerbin aus und betrog unter dem Pseudonym Anna Delvey vier Jahre lang Hotels, Geschäftsleute, Banken und vermeintliche Freunde. 275.000 US-Dollar soll Anna ergaunert haben. 2017 wurde sie wegen Betrugs verhaftet, im Februar dieses Jahres erschien die Miniserie "Inventing Anna" auf Netflix – und wurde zum Streaming-Hit.

Natürlich befeuerte die Serie mit Julia Garner in der Hauptrolle erneut auch das Interesse an den wahren Gegebenheiten. Selbige werden nun in einer RTL-Doku "Anna Sorokin – Die wahre Geschichte der Millionen-Schwindlerin" aufbereitet. In diesem Film kommt nicht nur Anna Sorokin alias Delvey zu Wort, auch zahlreiche ihrer Opfer berichten, wie die junge Deutsch-Russin sie so hinters Licht führen konnte. Das Format orientiert sich an einer gleichnamigen Dokumentation auf RTL+, aus der auch die folgenden Zitate stammen.

Eine Journalistin berichtet, Anna Sorokin habe "Networking auf eine ganz andere Ebene gebracht". Während andere nur zum Champagner-Schlürfen auf die hiesigen Partys gingen, ging es ihr in erster Linie darum, die richtigen Menschen kennenzulernen. Und interessant scheint sie allemal zu sein. "Ich bin talentiert und habe offenbar eine interessante Meinung zu Dingen", berichtet Sorokin im Interview. "Vielleicht zieht das die Leute an." Das vermeintliche Millionenerbe, nach dem Sorokin nach eigenen Angaben nie konkret von Freunden gefragt wurde, spielte aber sicher auch eine Rolle ...

Am Anfang gab sie sich großzügig, später ließ sie sich von ihren Bekanntschaften die sündhaft teuren Essen bezahlen. Teils ernsthaft entschuldigt mit einem vergessenen Portmonnaie. Mit ihrem Sinn für Stil und Mode sowie ihrer Attitüde wickelte sie die New Yorker Upper-Class um den Finger. "Manche würden vielleicht das Wort charmant benutzen", erklärt eine Journalistin. Ihrer Meinung nach würde es dies nicht ganz treffen, Sorokins Auftreten sei hierfür zu kalt und unnahbar gewesen.

Fake it till you make it?

Gerne checkte Anna in teuren Hotels ein und gab dem Personal schon mal 100 Dollar Trinkgeld als "Zeichen der Wertschätzung". Hotel-Angestellte sollen sich regelrecht geprügelt haben, ihr die Koffer aufs Zimmer zu tragen. Das Geld stammte von Banken, möglicherweise spielte auch Scheck-Betrug eine Rolle.

"Es ist ein Zusammenspiel aus vielen kleinen Details, die irgendwie den perfekten Schwindel ausmachen", beschreibt eine Beobachterin Annas Gebilde aus Verschleierung und Trickserei. Den Banken berichtete sie, ihr Geld stecke in einem Treuhandfonds in Deutschland fest. Durch diese Lüge erschien ihr Geld theoretisch verfügbar und "nur" nicht zugänglich, die Banken genehmigten Kredite.

"Mein Plan war nie, jemanden zu betrügen", erklärt Anna Sorokin. Und je nachdem, wie man es auslegt, hat die Aussage sogar einen Funken Wahrheit. Denn ihr Plan war ein anderer, einer, den sie nur in New York verwirklichen konnte: Sorokin wollte sich den großen Traum eines Kunstzentrums erfüllen. Es sollte eine Galerie mit Ausstellungen werden, zeitgleich Nachtclub und Restaurant. Für die "Anna Delvey Foundation" kam für Anna nur die Adresse 281 Park Avenue infrage: eine inzwischen umgebaute, ehemalige Kirche im Herzen der Stadt.

Eschweiler ist nicht New York

Natürlich ist es interessant, etwas über die Betrugsmasche der Anna Sorokin zu erfahren. Doch der wirkliche Reiz liegt darin, der wahren Person auf die Spur zu kommen. Wer ist Anna wirklich? Spuren finden sich im nordrhein-westfälischen Eschweiler, ein Ort, der nicht weiter von der New Yorker Glamour-Welt entfernt sein könnte. Anna fand es hier langweilig. Das Abi-Jahrbuch beschreibt sie als "Barbie", die sehr auf ihren Style achtet.

Dort träumte Anna von einem "Lebensstil wie Paris Hilton", wie es ihr Vater Vadim beschreibt. Viele Jahre später kam Anna diesem Traum sehr nahe. Doch 2017 wurde sie wegen Betrugs verhaftet, zwei Jahre später zu einer Haftstrafe von mindestens vier Jahren verurteilt. Auf die Freilassung wegen "guter Führung" auf Bewährung – auf Social Media verkündete sie "zurück" zu sein – folgte eine erneute Festnahme und der Kampf gegen ihre Abschiebung nach Deutschland. Eine zweite Staffel "Inventing Anna" schreibt sich aktuell von alleine.

Anna Sorokin – Die wahre Geschichte der Millionen-Schwindlerin – Do. 23.06. – RTL: 22.35 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

privat
HALLO!

Vom Selbstfindungs-Trip zum eigenen Buch: Carina Kruse

Carina Amara Kruse ist 29, als ihr Leben zu einem Trümmerhaufen wird – Liebe weg, Job weg. Doch statt in Selbstmitleid zu versinken, reist sie allein nach Bali, Indien und Neuseeland. Aus ihrer Reise entsteht schließlich das Buch „The Journey“.
WDR Herby Sachs
Gesundheit

TOFI: Normalgewichtig, aber Adipositas

Gesundheit ist mehr als nur das Gewicht auf der Waage. Warum Menschen mit normalem BMI und Bauchfett ein höheres Risiko für Krankheiten haben können als leicht Übergewichtige mit aktiver Lebensweise.
Eine ältere Frau hält ein Wasserglas mit Schmerzen.
Gesundheit

Welt-Parkinson-Tag am 11. April

Am 11. April wird der Welt-Parkinson-Tag begangen, um auf die Erkrankung aufmerksam zu machen. Anlässlich des Tages sind zahlreiche Veranstaltungen geplant, darunter eine Online-Veranstaltung der Parkinson Stiftung.
Mathias Liebing mit verschränkten Armen.
HALLO!

Mathias Liebing: „Der Fußball gehört im Osten wieder zur regionalen Kultur“

Mathias Liebing hat nach seiner Biografie über Norbert Nachtweih nun das Buch „Plattgemacht“ über die Entwicklung des Fußballs in Ost-Deutschland nach der Wende geschrieben. Im Gespräch mit prisma gibt er interessante Einblicke in die ostdeutsche Fußballseele.
Eine Grafik zum Weltgesundheitstag.
Gesundheit

Die Gesundheit im Blick

Der Weltgesundheitstag wird jährlich am 7. April gefeiert und erinnert an die Gründung der WHO 1948. Das diesjährige Thema lautet: "Gemeinsam für die Gesundheit. An der Seite der Wissenschaft". Deutschland begeht diesen Tag seit 1954 mit angepassten Schwerpunkten.
Dr. med. Ramtin Knuschke in einem weißen Kittel.
Gesundheit

Bluthochdruck: Was hilft, wenn Tabletten nicht mehr reichen?

Bluthochdruck bleibt oft trotz Medikamenten ein Problem. Die Nierennervenablation kann neuen Halt bieten, indem sie gezielt Nervenfasern in der Nierenarterie verödet.