Boko Haram: Das Trauma der Chibok-Mädchen

  • Zahra ist eines der "vergessenen Mädchen" im nigerianischen Maiduguri. Nach einem Selbstmordattentat einer entführten Frau schlägt ihnen dort Misstrauen entgegen. Vergrößern
    Zahra ist eines der "vergessenen Mädchen" im nigerianischen Maiduguri. Nach einem Selbstmordattentat einer entführten Frau schlägt ihnen dort Misstrauen entgegen.
    Fotoquelle: Blakeway Productions Ltd
  • Die nigerianische Regierung hat die Entführungsopfer in Wohnungen der Amerikanischen Universität von Nigeria untergebracht, wo sie medizinische und psychologische Unterstützung erhalten Vergrößern
    Die nigerianische Regierung hat die Entführungsopfer in Wohnungen der Amerikanischen Universität von Nigeria untergebracht, wo sie medizinische und psychologische Unterstützung erhalten
    Fotoquelle: Blakeway Productions Ltd
  • Margret trifft zum ersten Mal seit der Entführung ihren Bruder Philip wieder. Viele der Mädchen haben ihre Familien lange nicht zu Gesicht bekommen. Vergrößern
    Margret trifft zum ersten Mal seit der Entführung ihren Bruder Philip wieder. Viele der Mädchen haben ihre Familien lange nicht zu Gesicht bekommen.
    Fotoquelle: Blakeway Productions Ltd
  • Wenn die Schülerinnen ihre Unterkunft in Abuja verlassen dürfen, dann nur unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Vergrößern
    Wenn die Schülerinnen ihre Unterkunft in Abuja verlassen dürfen, dann nur unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen.
    Fotoquelle: Blakeway Productions Ltd
  • Die Chibok-Schülerinnen werden in der gesicherten Unterkunft in Abuja unterrichtet. Doch andere Opfer der Terrorgruppe Boko Haram erhielten keine solche Unterstützung. Vergrößern
    Die Chibok-Schülerinnen werden in der gesicherten Unterkunft in Abuja unterrichtet. Doch andere Opfer der Terrorgruppe Boko Haram erhielten keine solche Unterstützung.
    Fotoquelle: Blakeway Productions Ltd
  • Die Schülerinnen aus Chobok leben in Abuja nun zwar in Sicherheit, dafür jedoch in einem goldenen Käfig. Ausflüge wie dieser sind rar. Vergrößern
    Die Schülerinnen aus Chobok leben in Abuja nun zwar in Sicherheit, dafür jedoch in einem goldenen Käfig. Ausflüge wie dieser sind rar.
    Fotoquelle: Blakeway Productions Ltd
  • Im Krankenhaus von Maiduguri: Die Stadt liegt mitten im Herrschaftsgebiet von Boko Haram und ist von der Welle blutiger Gewalt schwer gezeichnet. Vergrößern
    Im Krankenhaus von Maiduguri: Die Stadt liegt mitten im Herrschaftsgebiet von Boko Haram und ist von der Welle blutiger Gewalt schwer gezeichnet.
    Fotoquelle: ARTE
  • Beim Anschlag der Terrormiliz Boko Haram im nigerianischen Dorf Dalori wurden mindestens 50 Menschen getötet. Vergrößern
    Beim Anschlag der Terrormiliz Boko Haram im nigerianischen Dorf Dalori wurden mindestens 50 Menschen getötet.
    Fotoquelle: ARTE
  • Abubakar Shekau ist Anführer der Terrorgruppe Boko Haram. Vergrößern
    Abubakar Shekau ist Anführer der Terrorgruppe Boko Haram.
    Fotoquelle: ARTE
Report, Dokumentation
Vom blutigen Terror in Nigeria
Von Maximilian Haase

Infos
Synchronfassung, Foto, ARTE+7 Homepage: videos.arte.tv
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsdatum
2017
arte
Di., 20.11.
20:15 - 21:15


In zwei bedrückenden Dokumentationen widmet sich ARTE der nigerianischen Terrororganisation Boko Haram und deren zumeist jungen Opfern.

Es war im April 2014, als sich die Welt erstmals ausführlich mit Boko Haram beschäftigte. 276 junge Schülerinnen wurden damals von der nigerianischen Terrorgruppe aus einem christlichen Internat im Norden des Landes entführt. Ihr Schicksal bewegte die Menschen um den gesamten Globus, unter dem Hashtag #BringBackOurGirls engagierten sich Millionen Internetuser und Dutzende Prominente wie Michelle Obama für die Befreiung der Mädchen. Erst drei Jahre später ließ die radikalislamistische Gruppe einen Teil der Entführten frei – unter Umständen, die bis heute nicht vollständig geklärt sind. ARTE zeigt in der bedrückenden Doku "Boko Haram: Das Trauma der Chibok-Mädchen", wie es den abgeschottet lebenden Opfern heute geht. Im Anschluss beleuchtet der Sender um 21.15 Uhr die Entstehung und Geschichte von "Boko Haram – Nigerias Terrorgruppe".

Ein normales Leben wird für sie wohl lange noch nicht möglich sein. Die Mädchen, die Boko Haram 2014 in der Stadt Chibok die Hände gerieten und im Sambisa-Wald versteckt wurden, leben heute abgeschottet in geheimen Wohnungen der Amerikanischen Universität Nigerias. Sie werden in der Hauptstadt Abuja rund um die Uhr bewacht, erhalten psychologische Betreuung, werden unterrichtet und betreut. Erstmals durfte ein Filmteam die damals 16- bis 18-jährigen Entführungsopfer besuchen und befragen.

Herausgekommen ist eine emotional mitnehmende Dokumentation, die von der Verarbeitung der erlittenen Traumata ebenso berichtet wie von der Freude, überlebt zu haben. Boko Haram – übersetzt "Westliche Bildung ist eine Sünde" – entführte die Opfer am Tag der Abiturprüfung. Heute holen die Mädchen die Hochschulreife nach. Was erlebten die Mädchen während der schrecklichen Jahre bei der Terrorgruppe? Wie gehen ihre Familien, die sie nur selten besuchen dürfen, damit um? Wie sieht das Leben im geschützten "Goldenen Käfig" aus? Eine der jungen Frauen sagt im Film: "Am Tag der Befreiung fragte ich mich: Bin ich wirklich frei? Wie soll ich über dieses Leid hinwegkommen?"

Und doch gibt es jene Boko-Haram-Opfer, denen es wesentlich schlechter geht. Etwa die "vergessenen Mädchen" in der Stadt Maiduguri, die der Film ebenfalls porträtiert. Jene jungen Frauen, die ebenfalls aus dem Wald flohen, werden wegen ihrer angeblichen Verbindungen zur Terrorgruppe gemieden, leben oft in Armut und ohne Hilfe. Nigerias Bürgerkrieg, so zeigt der mutig recherchierte Film, kennt nur Opfer. Wie es dazu kam, dass eine überschaubare Gruppe fanatischer Islamisten ein ganzes Land terrorisiert, zeigt im Anschluss die ebenso eindrückliche Dokumentation "Boko Haram – Nigerias Terrorgruppe".

Der Film der prämierten Filmemacher Xavier Muntz und Bruno Fay beleuchtet anhand von Recherchen und Interviews inmitten des Boko-Haram-Gebiets in Maiduguri die Entstehung und Geschichte der skrupellosen Gruppe, die 2002 gegründet wurde und 2015 schließlich ihre Treue zum Islamischen Staat schwor. Die brutale Bilanz fällt blutig aus: 20.000 Morde, Dutzende Selbstmordattentate, Hunderte verwüstete Dörfer gehen bis heute auf das Konto von Boko Haram.


Quelle: teleschau – der Mediendienst


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