Borg McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
24.07.2024 • 20:15 - 21:55 Uhr
Spielfilm, Sportfilm
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Originaltitel
Borg McEnroe
Produktionsland
S, DK, FIN
Produktionsdatum
2017
Spielfilm, Sportfilm

Zwei, die Grenzen überschritten

Von Eric Leimann

Das brillante Biopic über die Begegnung der Tennis-Legenden John McEnroe und Björn Borg bei ihrem ersten Wimbledon-Finale 1980 läuft als deutsche Free TV-Premiere im Rahmen von ARTEs "Summer of Champions". Selten wurde die Psychologie eines hochklassigen Sportduells besser eingefangen.

Zwei fantastische Hauptdarsteller und die Bildgewalt des dänischen Newcomer-Regisseurs Janus Metz machen aus dem Sportfilm "Borg McEnroe – Duell zweier Gladiatoren" über zwei Tennis-Legenden ein mitreißendes Filmerlebnis. Metz und sein Drehbuchautor Ronnie Sandahl erzählten 2017 die Tage und Wochen vor dem Wimbledon-Finale 1980 aus zwei Perspektiven: der von Björn Borg und jener von John McEnroe. Man sollte sich, wenn möglich, die schwedisch-englische Originalversion von "Borg/McEnroe" – so der Original-Kinotitel – ansehen. "Die unterschiedliche Art, wie man Mensch sein kann" (O-Ton Regisseur Janus Metz) lässt sich auch darüber verstehen, wie Borg und McEnroe mit ihren jeweiligen Vertrauten sprechen. Schade, dass der mit Shia LaBeouf (McEnroe) und dem schwedischen Borg-Doppelgänger Sverrir Gudnason besetzte Film kaum Preise einheimsen konnte, denn man sieht eines der besten Sportfilm-Dramen aller Zeiten. ARTE zeigt es als deutsche Free TV-Premiere im Rahmen seines "Summer of Champions".

Das Setting war wie jenes einer griechischen Tragödie. Nur mit dem Unterschied, dass es beim ersten Wimbledon-Finale von Björn Borg und John McEnroe nicht um Leben oder Tod ging, sondern nur um den Sieg im wichtigsten Tennis-Match des Jahres 1980. Doch was heißt schon "nur", wenn Niederlagen für extreme Charaktere wie Borg und McEnroe in etwa mit dem Tod gleichzusetzen sind?

Der Schwede Borg, im Sommer 1980 erst 24 Jahre alt, galt damals als bester Tennisspieler aller Zeiten. Er hatte das wichtigste Turnier der Welt viermal in Folge gewonnen. Ein fünfter Sieg hätte ihn zum alleinigen Rekordhalter gemacht. Im Sommer 1980 fühlte er sich jedoch, als wäre er in einem Käfig gefangen. Ängste plagten ihn, die Formkurve zeigte nach unten. Borg, der schon mit 15 Jahren für sein Land im Davis-Cup spielte und ein Jahr nach dem Finale 1980 mit Mitte 20 die Karriere beendete, fühlte sich ausgebrannt. Ganz anders der 20-jährige Newcomer und Tennis-Rüpel John McEnroe. Dessen Stern ging damals gerade am Sporthimmel auf. In einer Zeit, als Tennisspieler noch wie Rockstars gefeiert wurden, sollte dem Amerikaner die Zukunft gehören.

Ein Kultmoment des Tennisturnieres aus intimer Perspektive

Die Filmemacher Sandahl und Metz springen mit ihrer Erzählung zwischen den Zeitebenen hin und her. Um die beiden Extrem-Charaktere zu verstehen, sieht man sie auch in zwei unterschiedlichen Phasen ihrer Jugend – unter anderem dargestellt von Björn Borgs tatsächlichem Sohn Leo. Was an "Borg McEnroe – Duell zweier Gladiatoren" neben den großartigen Schauspielern so verfängt – auch Stellan Skarsgård ("River") ist als Borg-Trainer Lennart Bergelin eine Wucht -, ist die Nähe, die Metz zu seinen fast dokumentarisch ausgeleuchteten Figuren aufbaut. Viele Szenen sind einfach still. Sie zeigen die Spieler in ihren Hotelzimmern. Wie sie duschen oder an die Wand starren. Auch andere Routinen der Hochleistungssportler werden wie heimlich von der Kamera beobachtet. Doch nie mit der Idee, zwei heldenhafte Titanen zu zeigen, sondern über das stille Betrachten zweier Männer in deren getriebene Seelen einzudringen. Dies gelingt auf großartige Weise.

Ein bildgewaltiges Tennis-Match gibt es am Ende dennoch. Das Finale vom 5. Juli 1980 setzt Metz so mitreißend in Szene, dass man glaubt, man stände als Balljunge selbst auf dem Centre Court. Auch das ist eine Überraschung, denn gerade mit der Inszenierung des Sports an sich tun sich fiktional erzählte Sportlerdramen gemeinhin schwer. Im Prinzip verständlich: Wie soll man allerhöchstes Niveau von Leibesübungen inszenieren, die es leider nur "in echt" gibt? Der 1974 geborene Janus Metz hat diese Quadratur des Kreises auf seinem in Prag nachgebauten Centre Court dennoch geschafft.

"Borg McEnroe – Duell zweier Gladiatoren" mag von vielen Kritikern als Sportler-Biopic übersehen worden sein, tatsächlich aber war der Streifen einer der besten Filme des Kinojahres 2017. Für Fans des am 14. Juli zu Ende gegangen diesjährigen Wimbledon-Turniers ist es zudem eine tolle Gelegenheit, einen Kultmoment des größten Tennisturniers von allen aus besonders intimer Perspektive "nachzuerleben".

Borg McEnroe – Duell zweier Gladiatoren – Mi. 24.07. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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