Info, Gesellschaft + Soziales
Das schnelle Geld
Jeder zwölfte Hamburger gilt statistisch gesehen als "überschuldet", kann also laufende Rechnungen und Kredite mit seinem Einkommen kaum noch bezahlen. In Zeiten von Krisen, Kriegen und Inflation steigt vor allem eins: der Goldkurs. Seit 2020 hat sich der Preis mehr als verdoppelt. Da kommt das Pfandleihhaus gerade recht, eine Chance für jene, die knapp bei Kasse sind, aber zu Hause noch vermeintliche Schmuckstücke haben und schnell an Geld kommen wollen. Ohne erst mit der Bank zu sprechen. In Teil 2 der "Nordreportage" (Teil 1: "Die Nordreportage: Uhren, Handy, Brillis") erzählt der NDR viele neue spannende Fälle aus dem Pfandleihhaus, begleitet Stammkundschaft zu sich nach Hause und beobachtet die sehr umfangreichen Vorbereitungen in der Filiale kurz vor einer Auktion, bei der die Pfänder dann unter den Hammer kommen und vermeintliche Schnäppchenjäger anlockt, die noch ein gutes Geschäft wittern. Iris und Riti sind Angestellte im Pfandhaus. Sie putzen, prüfen und kassieren hinter Panzerglas. Die beiden Pfandverleiherinnen kennen ihre Pappenheimer, aber auch viele persönliche Schicksale. Mit Herz und Kodderschnauze halten sie das turbulente Treiben rund um den Tresen in Schach. Auf der anderen Seite: Ein Kunde möchte schweren Herzens mit seinem Familienerbstück Spielzeugeisenbahn einen finanziellen Engpass überbrücken. Ein junger Mann plant, seine fast 1200 Euro teure Winterjacke zu beleihen, doch die Farbe des Anoraks stimmt nicht mit der auf der Rechnung überein. Das ist ein Problem! Eine Kundin möchte ihren Goldschmuck versilbern, aber nicht jeder Armreif und jeder Ohrring hält, was er optisch auf den ersten Blick verspricht. Ein ukrainischer Geflüchteter braucht dringend Bargeld für sein neues Leben in Deutschland, trennt sich deshalb temporär von seiner Smartwatch. Mehr als 300 Objekte wurden in den zwei Monaten zuvor nicht abgeholt, die Zinsen von einem Prozent und bis zu sechs Euro Gebühr pro Monat und Artikel von den jeweiligen Kunden werden dann nicht bezahlt. Diese Pfänder kommen nun unter den Hammer: letzte Chance verpasst. Iris und Riti machen Platz im Lager und die 300 Objekte flott für die Auktion, Diamantringe polieren, Spielekonsolen zurücksetzen, Uhren schrubben. Gemeinsam mit Maike Grüne, Chefin des Pfandleihhauses in vierter Generation, begutachten sie die Highlights der anstehenden Versteigerung. 93 Jahre Geschichte, 20 Filialen, 160 Mitarbeitende, Grüne's ist das größte familiengeführte Pfandleihhaus Deutschlands. Der Durchschnittspfand liegt in der Filiale am Hamburger Hauptbahnhof bei knapp 100 Euro, bei anderen Leihhäusern ist er zweieinhalb Mal so hoch. 60 Kunden kommen im Schnitt pro Tag. Nicht selten stellen sich vermeintliche Schätze am Ende als Fälschungen heraus. Aber da sind Iris und Riti Profis bei der Beurteilung.