Der Dreißigjährige Krieg
09.09.2018 • 19:30 - 20:15 Uhr
Report, Geschichte
Lesermeinung
Anna Wolf hat sich ihre Angst vor Vergewaltigung und Tod von der Seele geschrieben. In ihrem Tagebuch aus dem Dreißigjährigen Krieg beschreibt sie, wie sie sich vor den marodierenden Soldaten des Kaisers versteckt.
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Plünderungen, Schändungen und öffentliche Hinrichtungen. Im Dreißigjährigen Krieg zeigen die Soldaten kein Erbarmen.
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Die Einnahme Magdeburgs durch die kaiserlichen Truppen läuft völlig aus dem Ruder: Die Stadt wird ohne Gnade geplündert und in Brand gesetzt. Nur der Dom wird verschont.
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Der Dreißigjährige Krieg ist der längste Krieg in der deutschen Geschichte. Historiker nennen ihn eine Urkatastrophe, die sich tief ins Gedächtnis der Deutschen eingegraben hat.
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Der Schuhmacher Hans Heberle aus Ulm nennt sein Tagebuch "Zeitregister". Mehr als einmal gelingt es ihm und seiner Familie, rechtzeitig zu fliehen.
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Die Müllerin Anna Wolf gilt noch heute als die "Heldin von Schwabach". Sie rettet sich, andere junge Frauen und den Bürgermeister vor dem Zugriff der Soldaten. Fünf Tage lang halten sie sich versteckt.
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Peter Hagendorf ist der berühmteste Augenzeuge des Krieges. Der Söldner hinterlässt ein Kriegstagebuch, das er über 22 Jahre geführt hat.
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Dem Söldner Peter Hagendorf ist es egal, für welche Seite er kämpft - ob für die katholisch-kaiserliche Armee von Kaiser Ferdinand aus Österreich oder die evangelischen Gegner aus Dänemark und Schweden.
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Albrecht von Wallenstein ist der bekannteste Kriegsunternehmer im Dreißigjährigen Krieg - ein Warlord, der auf eigene Rechnung Krieg führt. Er wird von einem seiner eigenen Offiziere ermordet.
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Der erste große europäische Krieg wurde überwiegend auf deutschem Boden ausgetragen. Wien und Madrid kämpften gegen die Herrscher aus Schweden, Frankreich, Dänemark und den Niederlanden.
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Der Söldner Peter Hagendorf hat im Dreißigjährigen Krieg 22 400 Kilometer zurückgelegt - von Norditalien bis an die Ostküste, vom heutigen Polen bis kurz vor Paris.
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Hint
Die Dokumentation ist ab Samstag, 8. September 2018, 19:30 Uhr, in der Mediathek unter terra-x.zdf.de abrufbar. Zum Film gibt es auch ein Webvideo, das am Samstag um 10:00 Uhr in der Mediathek und am Sonntag 9. September 2018 um 12:00 Uhr auf dem YouTube-
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2018
Report, Geschichte

Urkatastrophe der Geschichte

Von Andreas Schöttl

Eine zweiteilige Dokumentation zeichnet die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges nach. Der blutige und mörderische Konflikt ist als Urkatastrophe in die Geschichte eingegangen.

Der Schrecken begann vor 400 Jahren. Die Feldzüge und Schlachten des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) hatten überwiegend auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation stattgefunden. Es waren nicht nur die Kriegshandlungen selbst, sondern auch die durch sie verursachten Hungersnöte und Seuchen, die ganze Landstriche verwüsteten und entvölkerten. In Teilen Süddeutschlands beispielsweise überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. In ihrer zweiteiligen Dokumentation, die nun im Rahmen von "Terra X" im Zweiten zu sehen ist, zeichnen die Autoren Ingo Helm und Volker Schmidt den ganzen Schrecken eines Konflikts zwischen Religion und Größenwahn nach, der als Urkatastrophe in die Geschichte eingegangen ist. Das Besondere: Der Zweiteiler beleuchtet diese blutige Zeit europäischer und vor allem deutscher Vergangenheit aus der Sicht einfacher Soldaten und Zivilisten. Erstaunlich gut erhaltene Tagebucheinträge führen den Zuschauer hinein in den finsteren Alltag von Mord, Plünderungen und Vergewaltigungen. Es war ein Leben im Angesicht des Grauens.

Einfache Menschen wie der Schuster Hans Heberle aus der Nähe von Ulm, der Söldner Peter Hagendorf oder die Müllerin Anna Wolf aus Schwabach bei Nürnberg schrieben auf, wie sie die Brandschatzung ihrer Stadt erlebten, in Feldlager dahin vegetierten oder sich aus Angst vor Vergewaltigung versteckten.

In der mit Schauspielern nachgestellten Dokumentation fügen sich Einzelschicksale zu einem Gesamtbild des Schreckens zusammen. Dieses gipfelt in dem Augenzeugenbericht des erst zwölfjährigen Daniel Friese.

Der Junge erlebte 1631 die Einnahme Magdeburgs durch die Kaiserlichen. Sie wurde ein Höhepunkt der Kriegsgräuel, welche auch in der Sprache ihre wunden Punkte hinterließ. So war "Magdeburgisieren" noch bis ins letzte Jahrhundert ein geläufiger Ausdruck für plündern, brandschatzen und morden ohne Gnade.

Der zweite Teil der Dokumentation, in denen viele nachgestellte und aufwendig produzierte Szenen zu sehen sind, folgt am Sonntag, 16. September, ebenfalls 19.30 Uhr.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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