Eine Zweijährige verschwindet – wurde sie entführt? Der ZDF-Krimithriller "Der Kommissar und das Kind" zeigt die verzweifelte Suche als psychologische Studie.

Ein Kind, das verschwindet: Seit jeher ein Topos, der in Filmen und Serien funktioniert und fesselt; sei es im deutschen Vorabendkrimi oder in der genetflixten US-Thrillerproduktion. Was diesen Formaten zynischerweise zugute kam: Echte Fälle wie jener des britischen Mädchens Maddie rückten die fiktiven Schreckensvorstellungen in den letzten Jahren in bedrückend reales Licht. So schwingen diese eingebrannten Erinnerungen an verzweifelte Eltern und hysterische Medien auch im ZDF-Kriminalthriller "Der Kommissar und das Kind" immer mit. Der Fernsehfilm der Woche, den das Zweite zur besten Sendezeit am Montag ausstrahlt, erzählt von einer verschwundenen Zweijährigen, einem kaputten Kommissar und einer von Schuld zerfressenen Mutter.

Tatsächlich beginnt das düster inszenierte Krimi-Thriller-Gemisch wie der weltweit bekannte Vermisstenfall Maddie: Ein kleines Mädchen verschwindet eines Nachts einfach aus seinem Bett, während die Eltern mit Gästen nur ein paar Räume weiter essen. Die Mutter, eine bekannte Fernsehmoderatorin namens Caroline Schäfer (Anja Kling), findet nur noch eine fremde Puppe vor. Es beginnt eine fieberhafte Suche nach dem Kind, das mit hoher Wahrscheinlichkeit entführt worden sein muss.

Nur warum und von wem? Darüber sind sich die Ermittler uneinig: LKA-Psychologin Susanne Koch (Meike Droste, ganz anders als in ihrer "Mord mit Aussicht"-Rolle) glaubt, die Karriere der überarbeiteten Fernsehfrau spielt eine Rolle – viele sehen in ihre eine schlechte Mutter. Ihr Kollege und Partner Martin Brühl, dem Roeland Wiesnekker herausragend die Zerstörtheit eines kaputten Hauptkommissars verleiht, sieht hingegen Kidnapper am Werk, die das wohlhabende Paar erpressen wollen. Vor allem aber, und das macht des Ermittlers psychische Labilität aus, fühlt er sich an einen früheren Fall erinnert, in dem ebenfalls ein Kind verschwand. Es wurde nie gefunden, weshalb Brühl unter massiver Schlafstörung leidet und Psychopharmaka schluckt.

Aus dieser Gemengelage stricken die Autoren Christoph Darnstädt und Annette Simon einen Thriller, der langsam zur Psychostudie gerät: Ist Brühl, den der Fall abermals mitnimmt, der frühere Fehler gutmachen will, überhaupt für die Ermittlungen geeignet? Hat man seine Kollegin zur Kontrolle gar auf ihn angesetzt? Zum anderen erlaubt der Thriller einen Blick auf die Mutterschafts-Ideologie unserer Gesellschaft: "Ich bin nicht nur auf Muttertier gepolt", schreit Moderatorin Schäfer, der einige insgeheim die Schuld geben, ihren Mann an. Angesichts jener herausragend gespielten seelischen Abgründen seiner Protagonisten wird die Auflösung des Films zur Nebensache.


Quelle: teleschau – der Mediendienst