Der Pate von St. Petersburg
23.09.2025 • 20:15 - 21:45 Uhr
Info, Geschichte
Lesermeinung
Marina Litwinenko, die Witwe des ehemaligen FSB-Agenten Alexander Litwinenko, äußert sich in ihrem Interview mit den Filmemachern zu den Erkenntnissen, die ihr Mann über den russischen Machtapparat gewonnen hatte und was ihn zur Zielscheibe des Kremls mac
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Der spanische Staatsanwalt José Grinda traf den ehemaligen FSB-Agenten Alexander Litwinenko im Zuge seiner Ermittlungen gegen die russische Mafia im Jahr 2006. Kurz vor einer Aussage Litwinenkos in Madrid wurde dieser mit Polonium vergiftet. Kurz vor sein
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Andrew Goodman war in den 90er Jahren als US-Diplomat in St. Petersburg beschäftigt und äußert sich unter anderem zu Putins Haltung zur Korruption.
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Wladimir Putin (Marius Čizauskas) macht sich als Assistent des seit Juni 1991 amtierenden Leningrader Bürgermeisters Anatoli Sobtschak schon bald einen Namen.
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Originaltitel
Der Pate von St. Petersburg: Putins Aufstieg zur Macht
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2025
Info, Geschichte

"Sie wollen sich am Westen rächen": ZDF-Doku über Einfluss der "Petersburger"

Von Hans Czerny

Über Wladimir Putin ist fast alles gesagt – über die Fehleinschätzungen in der Vergangenheit, die blutigen Übergriffe in Georgien, Tschetschenien und seit Februar 2022 in der Ukraine. In dieser Situation kehrt "Terra X History" noch einmal zu Putins Anfängen in St. Petersburg zurück.

Alle Welt starrt auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin und reibt sich angesichts dessen Taten die Augen: Überfall auf der Krim und in der Ost-Ukraine 2014, vergiftete Agenten im westlichen Ausland, verhaftete Oppositionelle in Russland selbst und im Gulag umgebracht. Nach dem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 rüstet der Westen auf und hofft dennoch auf Frieden, weil ihm angesichts des russischen Autokraten nichts anderes übrigbleibt. Just zu diesem Zeitpunkt blickt "Terra X History" unter dem Titel "Der Pate von St. Petersburg – Putins Aufstieg zur Macht" noch einmal auf Putins Anfänge in seiner Heimatstadt St. Petersburg zurück. Mit Ex-Kollegen aus dem Geheimdienst, ausländischen Investigativjournalisten, sowie Untersuchungsberichten aus St. Petersburg. So wird ein Bild Putins entworfen, das ihn als Mischung aus Korruption und eiskaltem Geheimdienstler zeigt.

2024 wurde Putin (in Spielszenen dargestellt vom Schauspieler Marius Čizauskas) zum fünften Mal als russischer Präsident gewählt, 2000, als Boris Jelzin zurückgetreten war, zum ersten Mal. Sein allrussisches Weltbild, das einem Zarenimage samt angezettelter Kriege und damit verbundenen Siegen folgt, kennt man inzwischen zur Genüge. Auch über seine frühe Zeit in St. Petersburg (Judokämpfer, Eishockeyspieler) gibt es Filme, auch über seine Gedanken zu einer unvermeidlichen Radikalisierung Russlands hin zu einer tugendsamen Autokratie.

In St. Petersburg, vormals Leningrad, stieg er nach dem Untergang der Sowjetunion zum zweiten Bürgermeister auf und war als solcher für den Geheimdienst tätig. Damals, so die "Terra X History"-Ausgabe, knüpfte er ein Netzwerk aus Mafia- und Geheimdienst-Seilschaften und schuf so "eine Basis für Russlands künftige Machtelite, die auf dem Weg nach oben deutliche Spuren von Korruption, schwarzen Kassen und rätselhaften Todesfällen hinterlässt".

Machtapparat des modernen Russlands

So versucht die Doku aufzuzeigen, dass Putin ein Geflecht knüpfte, das später einen ganzen Staat durchdringen und kontrollieren konnte. Heute säßen die "Petersburger" in einflussreichen Positionen – sofern sie sich nicht mit Putin überworfen hätten. Denn vermeintliche Verräter und Abtrünnige betrachtet er als Feinde. Nach dem Verfall der Sowjetunion war für ihn das Ziel, mit harter Hand eine "strenge Ordnung" einzuführen.

"Er wurde von zwei Mentalitäten geprägt: der kriminellen Mentalität und der Mentalität eines Geheimdienstoffiziers", sagt einer der Putin-Interpreten im Film. "Putin und seine KGB-Freunde sind Soldaten des Kalten Krieges. Darin haben sie eine vernichtende Niederlage erlitten. Seitdem leiden sie am Versailles-Syndrom. Sie wollen sich am Westen rächen. Diese 'Petersburger' sind Putin auf dem Weg nach oben gefolgt. Sie haben durch ihn die Macht in Russland übernommen."

Sergej Schirnow, ein ehemaliger KGB-Agent erzählt die Begegnung Putins mit einer Ratte. Als Junge habe er eine Ratte mit einer Eisenstange gejagt und in die Ecke gedrängt. Dann griff ihn die Ratte an. Fazit: "Man sollte ihn nicht in die Ecke treiben." Marina Litwinenko, die Witwe des 2006 vergifteten ehemaligen FSB-Geheimdienstagenten Alexander Litwinenko, sagt im Film: "Mein Mann erkannte, wie Verbrecher, Geheimdienste und Politik verschmolzen zum Machtapparat des modernen Russlands. Und natürlich wurde er damit für Putin zum Hauptfeind." Dem ist leider nur wenig hinzuzufügen.

Terra X History: Der Pate von St. Petersburg – Putins Aufstieg zur Macht – Di. 23.09. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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