2014 wurde Anja Niedringhaus, eine der besten Kriegsfotografinnen der Welt, in Afghanistan erschossen. Im Dokudrama "Die Bilderkriegerin – Anja Niedringhaus" verkörpert Antje Traue die deutsche Pulitzerpreisträgerin in den – stark überwiegenden – Spielszenen. Erfährt man, wer diese Frau war?
Wie immer, wenn es um Journalisten geht, die mit der Kamera oder Worten von der Front berichten, stellt sich auch im Dokudrama "Die Bilderkriegerin – Anja Niedringhaus" die Frage: Warum tut man sich das an? Das Elend, die geballte Ladung des Schlechten in der Welt und natürlich: die Gefahr für das eigene Leben. In Roman Kuhns Film, der im Frühjahr 2022 auch im Kino lief und nun im ZDF zu sehen ist, verleiht Antje Traue ("Herzogpark") der 2014 in Afghanistan erschossenen Pulitzerpreisträgerin ein Gesicht.
Man lernt sie als Nachwuchsfotografin kennen, die der Ausbruch des Jugoslawienkrieges Anfang der 90-er dazu bringt, sich erstmals der Kriegsberichterstattung zu widmen. Bis zu ihrem Tode berichtete Anja Niedringhaus von Kriegsschauplätzen – aus Jugoslawien, dem Irak und Afghanistan. Mit Spiel- und Dokumentarteilen, die jedoch deutlich in der Minderheit sind, erfährt man, wie aus der kaum erfahrenen Fotografin eine der Besten ihres Fachs wird. Eine der besten Ideen des Filmemachers, übrigens ebenfalls Fotograf, ist dabei die szenische Verflechtung berühmter Niedringhaus-Bilder mit Spielszenen zu Situationen, in denen diese Bilder entstanden sind.
Doch wie war das mit dem Sucht-Vorwurf, den man vielen Kriegsreporterinnen und -reportern macht? Laut Film war es Anja Niedringshaus' größter Traum, die Welt mit ihren Fotos so aufzurütteln, dass die Bilder dazu beitragen, Konflikte zu beenden. Abseits ihrer Einsätze sieht man Niedringhaus, die keine Kinder hatte, als Familienmensch im Kreise ihrer Schwestern und deren Kinder. Eigentlich macht sie nicht den Eindruck eines verlorenen Menschen, der den Krieg braucht, um sich zu spüren. Und sie verneinte die "Sucht" nach dem Krieg auch in Interviews. Leider hat Roman Kuhn die Interviewschnipsel mit Weggefährten, die Niedringhaus besser kannten, so knapp gehalten, dass man voll auf die Kraft und Aussage der inszenierten Bilder vertrauen muss.
Bilder, die durchaus einen Eindruck davon vermitteln, wie es sich anfühlt, in einem Unterschlupf unter starken Beschuss auszuharren. Oder auch davon, wie es ist, wenn ein junger Mensch direkt neben einem nach einem Treffer qualvoll mit dem Leben kämpft und verstirbt. Dass die Kriegsszenen, oft Kammerspiel-artig inszeniert, tatsächlich eine gewisse Wucht aufweisen, muss man dem Film zugutehalten. Ebenso, dass Antje Traue ihren Charakter angenehm in der Schwebe hält, vor allem durch ihr subtiles Spiel. Die Dialoge, welche das Drehbuch ihr und den Mitspielenden in den Mund legt, sind hingegen – wie so oft in Dokudramen – ein bisschen hölzern geraten. Was einmal mehr die Frage aufwirft, ob ein reiner Dokumentarfilm der Sache nicht gerechter geworden wäre.
Trotzdem ist "Die Bilderkriegerin – Anja Niedringhaus" ein absolut sehenswertes Frauenporträt. In Interviews und Spielszenen wird deutlich, dass die deutsche Pulitzerpreisträgerin, 2005 erhielt sie berühmte Auszeichnung in der Kategorie "Breaking News Photography", eine lebensfrohe Frau war. Eine, die sich der Liebe zu Menschen unter Aufopferung ihres persönlichen Glücks hingab. So scheiterte auch Niedringhaus' Liebe zu ihrem spanischen Kollegen Sergio (Michele Cuciuffo). Als er sich aus dem gemeinsamen Job zurückzog, blieb die Deutsche auf ihrer journalistischen Lebensreise durch die Krisenherde dieser Welt: Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ging sie nach Kuwait und Afghanistan. Niedringhaus war dabei, als US-Truppen 2003 im Irak einmarschieren. Ihre größte Liebe galt jedoch Afghanistan, dessen Schicksal scheinbar niemanden interessierte. Das wunderschöne Land, das sie in zahlreichen Fotografien einfing, kostete ihr am Ende das eigene Leben.
Die Bilderkriegerin – Anja Niedringhaus – Di. 25.07. – ZDF: 22.15 Uhr