Die Kinder von Lügde - Alle haben weggesehen
24.11.2022 • 00:45 - 01:30 Uhr
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Originaltitel
Die Kinder von Lügde - Alle haben weggesehen
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2022
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Jahrelanger Missbrauch auf dem Campingplatz: ZDF-Doku beleuchtet Hintergründe des Lügde-Prozesses

Von Hans Czerny

Nicht nur die Richterin war bei ihrem Schuldspruch gegen die Sexualtäter vom Campingplatz bei Lügde in Nordrhein-Westfalen entsetzt. Im September 2019 verurteilte sie zwei Männer wegen "schweren sexuellen Kindesmissbrauchs in 200 Fällen" zu langen Freiheitsstrafen. Doch das Urteil kam für viele zu spät – lange hatten Jugendämter, Polizei und Eltern weggesehen.

Es ist ein Prozess, der Wellen schlug – auch weil im Zuge der Verhandlung immer mehr über die Hintergründe einer unfassbaren Tat bekannt wurde: Im September 2019 wurden vor dem Landgericht Detmold zwei Männer wegen "schweren sexuellen Kindesmissbrauchs in 200 Fällen" zu langen Freiheitsstrafen verurteilt. Die Angeklagten hatten mehrheitlich im abgeschirmten Wohnmobil eines Dauercampers auf dem Campingplatz Eichenau bei Lügde zumeist Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter missbraucht und vergewaltigt. Schon 2008 hatte es erste Hinweise gegeben, so kam bei der Arbeit eines 2019 einberufenen parlamentarischen Untersuchungsausschusses heraus. "Nach wie vor fällt es schwer, das Geschehen in Worte zu fassen", sagte die Vorsitzende Richterin in ihrer Urteilsbegründung, auch Worte wie "abscheulich, monströs, widerwärtig" genügten nicht, um das Geschehene zu beschreiben. Es bleibe nur noch Fassungslosigkeit.

Die vierteilige ZDF-Doku "Die Kinder von Lügde – Alle haben weggesehen" geht der Frage nach, wie es möglich sein konnte, dass zwei Männer auf einem öffentlichen Campingplatz inmitten anderer Camper über viele Jahre hinweg mindestens 32 Kinder vergewaltigen und dabei zum Teil filmen konnten. Bei ihrer Verhaftung 2018 stellte die Polizei tausende Bild- und Videodateien sicher, die sexuelle Gewalt gegen Kinder zeigen.

Es sollte keine True-Crime-Story werden

Frühen Hinweisen auf die Täter durch die Angestellte eines Jobcenters, durch Mitarbeiterinnen eines Kindergartens sowie des Kinderschutzbundes wurde nicht nachgegangen, die Polizei von den zuständigen Ämtern nicht eingeschaltet. War es Absicht oder "bloß" Nachlässigkeit, fehlte es an Kommunikation? Ermittlungspannen der Polizei sind bis heute nicht restlos aufgeklärt – unter anderem kam umfangreiches CD-Material abhanden. So befasst sich die Viermal-45 Minuten-Doku nun nicht nur mit dem Verhalten der Täter, sondern auch mit den Behörden, denen von einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss schweres Versagen bescheinigt wurde.

Doch den Skandal zu verfilmen, war naturgemäß keine leichte Aufgabe. "Das Thema 'sexueller Missbrauch' – genauer gesagt sexualisierte Gewalt an und Vergewaltigung von Kindern – scheint unverfilmbar", sagt die Regisseurin Lisa-Marie Schnell. "Wie soll man als Filmemacherin Bilder für das absolut Unvorstellbare finden?" – Die Dokuserie sollte keine True-Crime-Story werden, also keine künstliche Spannung erzeugen. Stattdessen berichten nun Personen, "die sämtlich eine persönliche oder berufliche Verbindung zu den Fällen von Lügde haben. Alle erzählen die Geschichte aus ihrer Perspektive."

Weil klar war, dass man die betroffenen Kinder nicht zeigen wollte, wurden sie in Zeichnungen fiktionalisiert. Zeugenaussagen aus dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss werden im Originaltext von Schauspielern nachgesprochen. "Unser Ziel ist es, das Thema rund um sexualisierte Gewalt an Kindern in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken", erklärt die Regisseurin. "Je mehr Filme dazu gemacht werden, umso besser."

Der Dokukanal ZDFinfo zeigt die Serie bereits am Freitag, 18. November, um 20.15 Uhr. In der ZDF-Mediathek steht sie ab 16. November bereit.

Die Kinder von Lügde – Alle haben weggesehen – Mi. 23.11. – ZDF: 00.45 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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