Die Toten am Meer - Der Wikinger
19.07.2025 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Kriminalfilm
Lesermeinung
Jan Schmidt (Dominikus Weileder)
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Kommissarin Ria Larsen (Marlene Tanczik, li.) spricht mit der Ex-Kommissarin Haller (Charlotte Schwab)
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Die Ermittler Sellien (Christoph Glaubacker, li.) und Brandt (Christoph Letkowski, 2. v. li.) schauen sich mit Kommissarin Larsen (Marlene Tanczik, re.) und dem Gerichtsmediziner Metzger (Markus John, 2. v. re.) die Leiche (Gunnar Graumann, unten) genauer an.
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Kommissarin Larseen (Marlene Tanczik) nimmt ihre eigenen Ermittlungen auf.
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Originaltitel
Die Toten am Meer
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2022
Fernsehfilm, Kriminalfilm

Väter, Dealer, Polizisten und eine marode Familie

Von Hans Czerny

Zum zweiten Mal ermittelte die Husumer Kommissarin Ria Larsen 2022 in der ARD-Reihe "Die Toten am Meer". Obwohl vieles weitererzählt wird, insbesondere Rias tragische Tötung eines Menschen, wird Karoline Schuch nun von Marlene Tanczik abgelöst. Am Strand von Husum liegt eine als Wikinger verkleidete Leiche.

Wenn Krimis oder gar Thriller nur aus Bildern bestünden, dann wäre der zweite, nun wiederholte Film der Reihe "Die Toten am Meer" wahrlich nicht der schlechteste. Gleich zu Beginn der Episode "Der Wikinger" (Erstausstrahlung 2022) liegt die Leiche eines als Wikinger verkleideten Mannes im gleißenden Meer. Auch später besteht an Küsten- und Hafenbildern kein Mangel. Für einen Krimi können aber auch klare Bilder (Regie: Michaela Kezele, Kamera: Wolf Siegelmann) ein Sterben in Schönheit bedeuten, zumal wenn die Handlung in großen Teilen recht bald erahnbar ist: Mummenschanz, Drogenhandel und das Drama einer Kommissarin (Marlene Tanczik) werden hier zu einem leidlich spannenden Thriller verquickt.

Die Feier eines Wikinger-Abendmahls im nachgebauten Hüttendorf am Nordseestrand verspricht Mystik und Magie. Dorfmutter Freya (Barbara Schnitzler) fleht beeindruckend zu den nordischen Göttern und faselt von Walhall. Doch sogleich wird es ernst: Einem an den Strand getriebenen Toten sind die Fingerkuppen abgeschnitten. Vielleicht eine Art altes Ritual? Eine Handvoll Münzen, die bei ihm gefunden werden, verweist dann aber doch in die Gegenwart: Kam der Mann aus Dänemark, wo sich gerade die Wikinger-Nachfolger treffen?

Die schwere Last der Kommissarin

All das gerät gegenüber der schweren Last, welche die Husumer Kommissarin Ria Larsen zu tragen hat, geradezu als nichtig. So umgreifend wie dieses wurde noch selten ein Kommissarinnenschicksal in einer Krimiserie erzählt. Dabei sollte der Zuschauer die erste Folge vom April 2020, die in der vergangenen Woche wiederholt wurde, noch gut in Erinnerung haben, in der Ria einen rettenden Fangschuss auf einen Täter abgeben musste. Damals übrigens wurde jene Ria noch von Karoline Schuch gespielt, jetzt wurde sie von Marlene Tanczik abgelöst.

Wie Ria von den alten und neuen Kollegen aufgenommen wird, füllt viel Raum im neuen Film. Als schwierig galt sie sowieso – und dann auch noch das Ding mit der Waffe! Gut, dass sie sich wenigstens auf ihren Kollegen Brandt (Christoph Letkowski) verlassen kann. Der hält zu ihr, auch wenn sie ihn – weil sie die psychologische Nachprüfung verzögert – immer wieder enttäuscht. Aber auch ihre Amtsvorgängerin Haller (Charlotte Schwab) ist gerne beratend zu Diensten. Die trockene Trinkerin (mit Therapiehund "Whisky") weiß der unter Beobachtung stehenden Kommissarin Trost zu spenden und gibt gerne gute Tipps bei der Aufklärung des neuen Falls.

All das, so schön und redlich es auch ausgeführt sein mag, nimmt dem eigentlichen Fall viel von seiner Bedeutung. Es geht, ohne jetzt viel zu spoilern, um Drogendealerei und die daraus entstehenden Konflikte, andererseits aber auch um eine Vatersuche in schwierigen Verhältnissen. Die Mutter eines Jungen, Trinkerin, wohnt auf dem Campingplatz, der Vater war wegen eines ihm zur Last gelegten Mordes 14 Jahre im Knast. Wurde der 16-jährige Jan (Dominikus Weileder) womöglich zum Mörder? Leider wird die Familiengeschichte viel zu wenig aus der Sicht des Jungen erzählt.

Aus der Sicht eines Teenagers

"Initialzündung für mich war, dass ich eine Familiengeschichte aus der Sicht eines Teenagers erzählen wollte", sagt Drehbuchautor Andreas Kanonenberg zum Film. "Jan ist früh auf sich selbst gestellt, weil seine Mutter und ihr Freund die Kontrolle über ihre Leben lange verloren haben. Der Junge sucht sich eine neue Familie, bei der er Halt und Wärme findet: die Wikinger." Klingt wirklich gut. Aber das wäre eigentlich ein ganz anderer Film als dieser glatte Küstenkrimi mit schöner Optik und einer dauerhaft grummelnden großen Begleitmusik.

Mit "Die Toten am Meer: Tod an der Klippe" (2024) ist inzwischen ein weiterer Film der Krimi-Reihe erschienen. Ob und wann die Reihe fortgesetzt wird, ist noch nicht bekannt.

Die Toten am Meer: Der Wikinger – Sa. 19.07. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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