Doppelmord im Salzburger Krankenhaus: Wer war der Täter, und was war sein Motiv? Hatte der BND die Hand im Spiel?

"Wenn ich Urlaub mache, fahre ich am liebsten nach Bayern. Da bin ich nicht mehr in Österreich und noch nicht in Deutschland", sagte der frühere österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky, einer der angesehensten seiner Art. Recht hatte er, und es gibt eigentlich keinen Grund, die Bayern und die Österreicher wieder auseinanderzudividieren. Es sei denn, man hieße Hans Krankl oder aber man müsste unbedingt einen Grenzland-Krimi für beide Länder kreieren – einen, in dem der frühere "Tatort"-Kommissar Michael Fitz den bayerischen Wutbürger unterm Filzhut spielt, und der Wiener Florian Teichtmeister den braven Österreicher, der auf den Rollstuhl angewiesen ist. Das ZDF zeigt die zweite Folge der Reihe "Die Toten von Salzburg", "Zeugenmord", nun in einer Wiederholung.

Wer glaubt, die Grenze berge ihre eigenen witzigen oder auch dramatischen Chancen, wird hier eher enttäuscht. Die Figuren begegnen einander derart grobschlächtig, als wären sie Watschenmänner aus alten Wiener Praterzeiten. Wenn Michael Fitz als Hauptkommissar Hubert Mur beispielsweise eine Tatverdächtige verhört, die er für eine Angehörige des deutschen Bundesnachrichtendienstes hält, kennt seine bajuwarische Schimpftirade kaum noch Grenzen.

Ganz zu schweigen vom Verhältnis zu Major Peter Palfinger, seinem Salzburger Kollegen im Rollstuhl: Es ist, recht besehen, gar keins. Beide recherchieren sehr ausdauernd aneinander vorbei, jeder will Sieger sein, wenn es darum geht, einen Doppelmörder zu überführen: Zwei Schwerverletzte verbluteten in der Genesungsphase im Krankenhaus – der Chauffeur eines bayerischen Staatssekretärs, hinter dem Kommissar Mur sofort den Vermittler eines Waffengeschäfts mit Südafrika vermutet, und ein Salzburger "Bergputzer" (Felsenwandreiniger), der wohl zum Zufallsopfer wurde, weil er als Zimmernachbar Zeuge des Mordes am Fahrer war.

Der Humor bleibt auf der Strecke

So schnüffeln sie denn in Salzburgs Gassen und nehmen dabei auch die schönsten Plätze und Treffpunkte mit, vom Café Bazar bis zum Peterskeller. Immer mal wieder grüßt die Salzburg-Silhouette, wie das in touristisch angehauchten Regionalkrimis inzwischen üblich ist. Der Herr Hofrat immerhin, Magister Doktor Seywald (Erwin Steinhauer), sitzt derweil im Kaffeehaus und hält die Stellung, bei ihm laufen die kriminalistischen Anstrengungen zusammen. Wenn Seywald vom Oberkellner des Hauses umsorgt und vor etwaigen Nichtstuer-Verleumdungen an der Tortentheke in Schutz genommen wird, sind das schon ziemlich einsame Höhepunkte eines sonst wenig humorigen Krimis.

Der Bruderkrieg, auf den dann alles in einer Art Parallelkonstruktion hinausläuft, wirkt nicht wenig an den Haaren herbeigezogen: Hier der gut meinende Herr Pfarrer, der es mit seiner übergriffigen Nächstenliebe übertreibt, dort die in ihren Seilen hängenden brüderlichen Bergputzer, die das Schicksal trennt. Dass aber der "Weißwurst-Derrick" aus Bayern, wie der Salzburger den bayerischen Fremdling nennt, den Fall nicht wirklich lösen würde, ist einigermaßen abzusehen. Dafür zieht er, der naturgemäß Beweglichere der beiden, immer mal wieder ins schönste Salzburger Land hinaus, die schneebedeckten Berge wie ein Gemälde im Rücken.

Mittlerweile zählt die Krimi-Reihe aus Salzburg bereits fünf Filme. Außerdem wurde bis Juni dieses Jahres der sechste Ableger unter dem Arbeitstitel "Schwanengesang" gedreht. Ein Ausstrahlungstermin steht noch nicht fest.


Quelle: teleschau – der Mediendienst