Hirschhausen und der Zucker
23.02.2026 • 20:15 - 21:00 Uhr
Info, Gesellschaft + Soziales
Lesermeinung
Eckart von Hirschhausen trifft den Typ-2-Diabetiker Frank Riesbeck (l), der von seiner Krankheit erst erfuhr, als ihm eine Axt auf den Fuß fiel und er kaum etwa spürte
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Eckart von Hirschhausen ist dem Zucker und seinen Gefahren auf der Spur. Was er herausfindet, ist so gar nicht süß ...
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Eckart von Hirschhausen trifft in Berlin den AOK-Präventionsexperten Oliver Huizinga (l), der ihm erklärt, warum die Zuckerlobby in Deutschland so einflussreich ist und bislang erfolgreich eine Zuckersteuer verhindert
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Eckart von Hirschhausen trifft Dr. Christoph Schmitz vom gemeinnützigen Verein „Acker“, der gerade mit Kindern an einer Berliner Grundschule Kohlrabi und Rote Bete erntet.
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Originaltitel
Hirschhausen und der Zucker
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
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Hirschhausen und der Zucker

Zucker kann das Leben versüßen - und zerstören. Jährlich konsumieren wir in Deutschland durchschnittlich 33 Kilogramm Zucker pro Kopf. Mehr als das Dreifache der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen Menge. Dr. Eckart von Hirschhausen widmet sich im neuen Film seiner Doku-Reihe einer Substanz, die es gesundheitlich in sich hat: Industriezucker. Der Arzt und Wissenschaftsjournalist blickt kritisch auf seinen eigenen Verzehr des süßen Verführers, erlebt mit Betroffenen, welche Auswirkungen zu viel Zucker-Konsum haben kann und sucht nach Alternativen. Eckart von Hirschhausen: "Sind Zuckeraustauschstoffe die Lösung? Nein! Sie sind Teil des Problems. Mir war vor der Recherche für diesen Film nicht klar, wie desaströs die Bilanz von Süßstoffen ist: Sie stören die Geschmacksempfindung und das Sättigungssignal, die Darmflora und laut neuesten Studien gibt es Hinweise, dass Süßstoffe Demenz beschleunigen." Deshalb macht von Hirschhausen den Selbsttest: Er würgt vor laufender Kamera ein großes Glas Süßstoff herunter, legt sich ins MRT und kann beobachten, wie sein Hirn auf das falsche Signal hereinfällt. "Ich fand das Zeug schrecklich, aber mein Belohnungssystem hat jubiliert wie bei einem Übergewichtigen." Was bringt eine Ernährungsumstellung? Ingrid Kinnen aus Brühl ist nach der Geburt ihres zweiten Kindes an Typ-2-Diabetes erkrankt. Insulin half ihr kaum. Unter engmaschiger Betreuung des Diabetologen Prof. Stephan Martin am Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum in Düsseldorf stellte sie ihre Ernährung radikal um und verzichtet seitdem auf Kohlenhydrate. Die Blutzuckerkurven der medizinischen Fachangestellten sind heute nahezu stabil und sie braucht keine Insulinspritzen mehr. Die ehemalige MTV-Moderatorin Anastasia Zampounidis (57) bezeichnete sich selbst als zuckersüchtig. Heute, fast 20 Jahre nach ihrem Zucker-Ausstieg, fühlt sie sich jünger und fitter denn je. Für sie war der Ausstieg ein Wendepunkt hin zu mehr Energie und Lebensqualität. Auch Hauke Hein aus Stuttgart kennt die Schattenseiten des Zuckerkonsums. Acht Jahre lang litt er unter den Haut- und Gefäßkrankheiten Rosazea und Vaskulitis. Erst als er konsequent auf Zucker, Weißmehl, Schweinefleisch und Alkohol verzichtete, verschwanden die Beschwerden. Eckart von Hirschhausen erinnert sich: "Als ich einmal zehn Tage Essenspause gemacht habe, merkte ich, wie sich meine Geschmacksknospen erholten von dem dauerhaften Zuckerrausch. Und als ich dann unterwegs eine gängige Müslimischung essen wollte, habe ich sie ausgespuckt, denn sie war unerträglich süß!" Amputation als Folge von Diabetes Der Wissenschaftsjournalist trifft Patientinnen und Patienten, die kurz vor einer Fußamputation stehen. Denn Diabetes Typ 2 zerstört Blutgefäße, Nervenleitungen und das Immunsystem. Frank Riesbeck aus Berlin leidet unter dem diabetischen Fußsyndrom. Der Agrarwissenschaftler ging 20 Jahre lang nicht zum Arzt. Bis ihm eine Axt auf den Fuß fiel und er dies kaum spürte. Die Konsequenz der Verletzung war eine Teilamputation. Eine von über 40.000 Amputationen pro Jahr bei Diabetikerinnen und Diabetikern. Prävention: Früh anfangen, klug handeln Wie kann es besser gehen, von Anfang an? In Berlin erntet von Hirschhausen mit Grundschulkindern Kohlrabi und Rote Bete auf dem Feld des Vereins "Acker". Die Kinder pflanzen direkt auf ihrem Schulgelände Gemüse, gießen und pflegen die Beete und dürfen dann auch als erste die Früchte ihrer Arbeit kosten. "Die krummen Karotten schmecken am besten", sagt ein Mädchen aus der "Gemüse-Ackerdemie". Die Kinder lernen hier echtes Essen kennen, bevor Zucker und Zusatzstoffe den Geschmack prägen. Gerade Softdrinks, der "flüssige Zucker", gelten als Haupttreiber von Übergewicht und Typ-2-Diabetes bei Jugendlichen und Erwachsenen. Wie effektiv hier eine Steuer "gegensteuernd" sein kann, zeigt das Beispiel Großbritannien. In Deutschland hingegen tut sich wenig. "Hirschhausen und der Zucker" ist eine Produktion der Bilderfest GmbH im Auftrag des WDR für Das Erste. Ab 20. Februar 2026 für zwei Jahre in der ARD Mediathek.

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