Im Rausch
29.09.2025 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Drama
Lesermeinung
Katrin Sass (Katrin Sass) will Katja mit ihrer Sucht helfen, stößt aber auf Widerstand.
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Katjas (Friederike Becht) Alkoholsucht hat sie fest im Griff.
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Katja (Friederike Becht) lernt in einer Bar Eddi (Hans Löw) kennen. Verschlimmern sie die Situation des anderen oder können sie einander helfen?
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Katja (Friederike Becht) lernt in einer Bar Eddi (Hans Löw) kennen. Verschlimmern sie die Situation des anderen oder können sie einander helfen?
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Originaltitel
Im Rausch
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2024
Fernsehfilm, Drama

Mitreißendes Trinkerdrama – mit schwierigem Ende?

Von Eric Leimann

Katja (Friederike Becht) ist leidenschaftliche Journalistin – und Trinkerin. Als sie Eddie (Hans Löw) kennenlernt, der sich wie sie in einer Krise befindet, trinken sie gemeinsam. Auch Eddie kämpft schon lange gegen die Sucht. Das toll besetzte ZDF-Drama erzählt mitreißend – aber auch gefährlich.

Katja (Friederike Becht), die traurige Heldin des ZDF-Dramas "Im Rausch", ist Fotojournalistin aus Leidenschaft. Besessen arbeitet sie an ihren Storys, unterstützt von ihrer Chefin und auch privaten Partnerin Simone (Anne Ratte-Polle). Allerdings Katja trinkt ebenso leidenschaftlich, wie sie an ihren Geschichten arbeitet. Als ihre Reportage über die Räumung von Sozialwohnungen durch eine Baugesellschaft, die ein guter Werbekunde ihres Magazins ist, nicht erscheinen darf, brechen bei Katja alle Dämme: Sie trinkt hemmungslos, geht auf eine Kollegin los und wird kurzfristig gefeuert. Beim Frustsaufen in der Bar lernt sie Eddi (Hans Löw) kennen. Auch er hat ein Alkoholproblem. Seine Tischlerei steht vor dem Aus, nachdem ein Kunde seinen zugesagten Großauftrag zurückgezogen hat. Katja und Eddi beginnen eine Affäre, die von exzessivem Trinken befeuert wird. Eddis Frau (Anna Brüggemann) erwägt die Trennung, während Simone Katja wiedereinstellt und ihr ausgerechnet eine Story über Alkoholmissbrauch in der Gesellschaft als Bewährungschance zuweist.

Zur Entlastung Simones muss erwähnt werden: Der Vorschlag, diese Story zu machen, kommt von Katja selbst. Unter anderem interviewt sie Schauspielerin Katrin Sass, die sich selbst spielt und die in ihrem früheren Leben ebenfalls getrunken hat. Simone hätte es zu Beginn lieber gesehen, wenn Katja sofort in eine Entzugsklinik eingecheckt wäre. Immerhin nimmt sie den von Simone organisierten Termin bei einer angesehenen Psychotherapeutin (Antje Traue) für Alkoholsucht wahr. Doch es dauert lange, sehr lange, bis Katja eine Krankheitseinsicht gewinnt. Das Drehbuch zu diesem heftigen, aber großartig gespielten Trinkerdrama zur besten Sendezeit, stammt von Mark Schlichter (auch Regie) und Grimme-Preisträgerin Laila Stieler ("In Liebe, Eure Hilde"). Schlichter war früher selbst Alkoholiker und brachte eigene Erfahrungen in den Film ein.

Das Problem mit der Doppelabhängigkeit

Dieser Fernsehfilm ist grandios besetzt. Friederike Becht und Hans Löw spielen sich als Trinkerpaar die Seele aus dem Leib. Sie erschaffen Szenen, die so gruselig derangiert, verzweifelt und gleichzeitig zärtlich wirken, dass Zuschauende nicht immer sicher sein werden, was sie gerade fühlen oder fühlen sollten. Die Intensität des Schauspiels und der Trinkszenen erinnert an Klassiker des Genres wie "Leaving Las Vegas" (1995, Oscar für Nicolas Cage) oder auch Billy Wilders frühes Meisterwerk "Das verlorene Wochenende" (Oscar 1946 als Bester Film und Hauptdarsteller Ray Milland).

Das ZDF-Drama von Schlichter und Stieler offenbart jedoch andere Probleme. Das größte besteht im Narrativ, dass in der Liebe zweier Suchtkranker zueinander die Rettung liegen könnte. Darin liegt zwar eine schöne Märchengeschichte, doch bei sogenannten Doppelabhängigkeiten, also wenn beide Partner die gleiche Sucht teilen, ist es erwiesen, dass eine solche Situation zu einer besonderen Dynamik führen kann: Es bestehen starke gegenseitige Bindungen und häufig eine symbiotische Beziehung. Das Suchtverhalten beider kann sich gegenseitig verstärken und Rückfallwahrscheinlichkeiten beim Partner erhöhen. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Sucht wird oft gemeinsam vermieden.

Journalisten darf man nicht trauen!

Moderne Suchtkliniken bieten zwar mittlerweile auch Therapien als Paar an, und doch besteht hier immer das Risiko, dass ein Partner den anderen – über die enge Bindung – in die Sucht zurückzieht. "Im Rausch" behandelt dieses Risiko vielleicht ein wenig zu lax im Sinne des möglichen Happyends. Ebenso schwierig ist die Darstellung des Journalismus im Film, der hier mal wieder wie so oft in deutschen Produktionen eher negativ gezeichnet wird. Ruchlos opfert Katjas Magazin mentale Gesundheit und den Schutz privater Leben für eine gute Story.

Die Rahmenhandlung des Films wirkt ein wenig grobkörnig und plakativ, ebenso wie die filmpädagogisch verwendeten Rechercheergebnisse Katjas während ihrer Alkoholismus-Story, die natürlich vor allem Fakten zur gesellschaftlichen Dimension von Alkoholismus an Zuschauerinnen und Zuschauer vermitteln sollen. Fazit: "Im Rausch" ist einer der brillantesten und intensivsten gespielten Fernsehfilme des Jahres, der jedoch mit problematischen Narrativen aufwartet.

Im Rausch – Mo. 29.09. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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