Jackpot
08.10.2021 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Drama
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Originaltitel
Jackpot
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2021
Fernsehfilm, Drama

Klein, gemein und von hier

Von Eric Leimann

Na also: ein Thriller aus Deutschland, der sich echt und in seiner fiesen Logik erfrischend gemein anfühlt: Rosalie Thomass, Friedrich Mücke und Thomas Loibl kämpfen um eine Sporttasche mit 600.000 Euro. Die sollen für ein besseres Leben reichen.

Was haben Sascha Alexander Geršak und Thomas Loibl gemeinsam? Wer nicht weiß, von wem die Rede ist, sollte an dieser Stelle kurz die Bilder der beiden Männer googeln. Die Rede ist von zwei Schauspielern, bei deren Auftauchen in einem deutschen Fiction-Produkt klar ist, wer der Mörder ist – nämlich sie. Im Falle des in authentischer Sprache gehaltenen, spannenden Thrillers "Jackpot" (2021), den ARTE nun zur Primetime wiederholt, ist Thomas Loibls Spoiler-Kraft zu vernachlässigen. Denn gleich zu Beginn erschießt seine Figur einen Widersacher, der dem kriminellen Geldeintreiber über 600.000 Euro geklaut hat. Blöderweise bringt der Mord das Geld nicht zurück, denn der Dieb hatte seinen Fluchtwagen auf einem Behindertenparkplatz abgestellt – und wurde kurz darauf von Abschleppdienst-Mitarbeiterin Maren (Rosalie Thomass) entfernt.

Die liebenswert handfeste Maren befindet sich in einer Art Rehabilitations-Modus. Der nette, ältere Gerhard (Hilmar Eichhorn) hat die junge Frau eingestellt, obwohl sie zuvor im Knast saß. Und Maren braucht diesen Job, weil ihr Mann Dennis (Friedrich Mücke) nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt und das Laufen erst mühsam wieder lernen muss. Als Maren die Tasche mit dem vielen Geld im Wagen findet, nimmt sie es mit nach Hause. Man könnte Dennis' kostspielige Therapie damit bezahlen. Als dieser von dem "Glücksfund" seiner Frau erfährt, will er mit Abschleppunternehmer Gerhard sprechen, um die Sache rückgängig zu machen.

Nicht der tausendste Thrilleraufguss

Gleichzeitig ist Fiesling Henning (Loibl) längst auf der Spur der "Abschlepper", um sich die 600.000 wiederzuholen. Auch bei ihm soll der Geldsegen den Start in ein neues Leben ermöglichen. Mit Frau und kleiner Tochter will sich der Killer im Ausland eine legale, friedliche Existenz aufbauen. Dafür ist er bereit, jegliche Hindernisse kompromisslos aus dem Weg zu räumen.

"Jackpot" ist ein Film, wie man ihn leider allzu selten aus Deutschland zu sehen bekommt. Eine wunderbar ausgedachte Kurzgeschichte mit Thrillerhandlung, bei der man ob ihrer Wendungen und vielen kleinen Szenen nebst stimmiger Charakterschilderungen nie das Gefühl hat, dem tausendsten Krimi- oder Thrilleraufguss beizuwohnen. Sämtliche Figuren und das, was sie sagen, fühlen sich irgendwie echt und lebenswirklich an, ohne dass die Geschichte etwas Gossenhaftes oder Pseudodokumentarisches hätte.

Schreiben die Coen-Brüder beim SWR?

Schauspielerin Rosalie Thomass gefiel an der Rolle unter anderem, dass hier endlich mal Figuren zu sehen sind, die weder aus einer bürgerlich reflektierten Mitte der Gesellschaft kommen noch aus jenen prekären Verhältnissen, wie sich eben jene bürgerliche Gesellschaft, diese prekären Verhältnisse vorstellt.

"Jackpot" riecht und schmeckt nach amerikanischen Kurzgeschichten von Raymond Carver oder Cormac McCarthy, an dessen von den Coen-Brüdern verfilmter Meister-Krimi "No Country For Old Men" diese SWR-Produktion ein bisschen erinnert. Erdacht hat sie ein junger Drehbuchautor, den man in Zukunft dringend auf dem Schirm haben sollte: Frédéric Hambalek, geboren 1986 in Karlsruhe, schrieb schon den brillanten Albrecht Schuch-Krimi "Der Polizist und das Mädchen" (ZDF, 2018) sowie zwei Folgen der Serie "4 Blocks". Inszeniert hat "Jackpot" Emily Atef, die nicht nur den vielfach preisgekrönten Romy Schneider-Film "3 Tage in Quiberon" in ihrer Biografie stehen hat, sondern auch herausragende Krimis wie den Frankfurter "Tatort"-Fall "Falscher Hase", der auch schon an die Kunst der Coen-Brüder erinnerte. Atef führt auch bei Ulrich Tukurs übernächstem Murot-"Tatort" Regie, der 2022 zu sehen sein wird.

Jackpot – Fr. 08.10. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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