Koks am Kai - Wer stoppt die Hafenschmuggler?
19.04.2026 • 06:02 - 06:47 Uhr
Info, Recht + Kriminalität
Lesermeinung
Verschlungene Wege. Schmuggler legen sogar mit Schnellbooten längsseits an, um Kokain von Bord zu holen.
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Spürnasen im Zolldienst. Fahnder sucht Bananenkartons nach versteckten Drogen ab.
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Hoffen auf den Zufallsfund. In der mobilen Röntgenanlage wird ein Kühlcontainer durchleuchtet.
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Hoffen auf den Zufallsfund. In der mobilen Röntgenanlage wird ein Kühlcontainer durchleuchtet.
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Originaltitel
Koks am Kai - Wer stoppt die Hafenschmuggler?
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2025
Info, Recht + Kriminalität

Koks am Kai - Wer stoppt die Hafenschmuggler?

Sie sind Fahrer, Logistiker oder IT Mitarbeitende. Sie steuern Gabelstapler, Trucks, Van-Carrier oder Containerbrücken. Und sie leben gefährlich. Denn sie arbeiten nicht nur für Transportfirmen und Reedereien, sondern insgeheim auch für die Mafia. Nur mit Unterstützung dieser ortskundigen Helfer gelingt es internationalen Syndikaten, Kokainlieferungen aus Südamerika unter Tausenden von Containern ausfindig zu machen und an den Kontrollen vorbei aus dem Hafen zu schmuggeln. Die Fahnder von Polizei und Zoll nennen sie deshalb "Innentäter" oder auch nur kurz "die Tür". Denn sie öffnen der Mafia Europas Häfen in Hamburg, Rotterdam, Antwerpen. Ein bisher unbekannter Todesfall, den der Film der NDR Autorinnen Katrin Hafemann und Ute Jurkovics öffentlich macht, betrifft einen solchen Innentäter aus Hamburg. In den Containerterminals der Freien und Hansestadt landet derzeit Jahr für Jahr tonnenweise Kokain. Allein die Aufgriffe des Zolls haben sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu verzehnfacht, von 380 Kilogramm im Jahr 2013 auf 35 Tonnen in 2023. Der Hamburger Hafen ist nach Rotterdam und Antwerpen zum größten Einfallstor für den Kokainschmuggel geworden mit Lieferzielen in ganz Europa. Schätzungen zufolge werden nur zwischen zehn und 20 Prozent der so eingeschleusten Kokainmengen entdeckt. Damit dieses Milliardengeschäft funktioniert, braucht die Mafia auch immer mehr Insider mit entsprechendem Know-how. Um diese Anwerbeversuche zu stoppen, haben Zoll und Polizei gemeinsam mit den Hafenbetreibern 2024 das neue Hafensicherheitszentrum gegründet. Die Autorinnen Katrin Hafemann und Ute Jurkovics begleiten die Fahnder für die "NDR Story", sei es bei Lkw-und Containerkontrollen mit einem Spürhund-Team oder an einer mobilen Röntgenanlage für Container. Auch in Rotterdam bekommen sie Einblicke in die Fahndungsarbeit. Außerdem beschreiben sie an einem realen Fall, wie Mafia und Hafeninnentäter agieren: von der Ankunft eines Containerschiffs aus Ecuador mit 600 Kilogramm Kokain an Bord, versteckt in Bananenkisten, über die kriminelle Logistik am Kai, bis hin zur Festnahme der Täter. Ihr Pech: sie wurden observiert. Zollfahnderin Manuela Forst gehörte zum Hamburger Ermittlerteam des Falles, dessen juristische Aufarbeitung auch im Jahr 2025 noch anhält. Hier haben wir zum ersten Mal gesehen, wie professionell sich diese ‚Tür', wie sie hier genannt wird, am Hamburger Hafen verhält", erläutert sie in der NDR Dokumentation. Wie genau die Strafverfolger in Zusammenarbeit mit der Hafenwirtschaft bei ihrer Gefahrenabwehr vorgehen, lassen sie gern im Verborgenen, damit sich die Mafia nicht darauf einstellt. Immer wichtiger werden für sie aber auch Aufklärungskampagnen, um den Syndikaten das Anwerben von Innentätern zu erschweren. "Sie sind die entscheidenden Akteure, ohne die es einfach nicht geht", sagt LKA-Fahnder Oliver Erdmann, der das Hafensicherheitszentrum leitet. "Diese Einfallsschiene zu unterbrechen, das ist unser Ziel." Was die Täter lockt, ist das Geld. Für Logistikdienste im Auftrag der Kokainmafia fließen vier- bis fünfstellige Summen pro Auftrag. "Eine Tonne Kokain hat einen Großhandelswert von 25 bis 35 Millionen Euro", erläutert Erdmann. "Das wird von den Syndikaten natürlich verteidigt, im Zweifel auch durch Einschüchterung und durch Gewalt." Den Ermittlern zufolge werben die Banden gezielt Hafenmitarbeiter an, die finanziell unter Druck stehen, etwa weil sie Spielschulden haben oder Kredite abbezahlen müssen. Und wer sich erst einmal einlässt auf das kriminelle Geschäft, wird die Mafia erfahrungsgemäß nicht wieder los. Innentätern, die von den Fahndern überführt werden, drohen wiederum harte Strafen. Sechs der überführten Männer, die der Film aufführt, wurden zu Haftstrafen von bis zu zehn Jahren verurteilt. Gegen zwei mutmaßliche Mittäter wurde Anklage erhoben. Die Hauptverhandlung stand im März 2025 noch aus.

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