Ku'damm 63
21.03.2021 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Drama
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Originaltitel
Ku'damm 63
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2021
Fernsehfilm, Drama

Ich bin eine Berlinerin

Von Eric Leimann

Nach den Dreiteilern "Ku'damm 56" und "Ku'damm 59" weist die neue ZDF-Trilogie über die Berliner Tanzschulen-Familie Schöllack über die Nachkriegszeit hinaus, hin zu einem freieren Leben. Doch noch immer stoßen die Wünsche der vier Schöllack-Frauen auf gesellschaftliche Grenzen.

1963 in Westberlin, die Farben werden bunter. "Ku'damm 63" setzt mit drei Filmen zwei enorm erfolgreiche Dreiteiler nach den Ideen von Star-Drehbuchautorin Annette Hess ("Weissensee") fort, die von vier Frauen in Westberlin erzählen. Tanzschulen-Vorsteherin Caterina Schöllack (Claudia Michelsen) erleidet am Weihnachtsabend einen folgenreichen Verkehrsunfall. Die gestrenge Patriarchin ist an Bett, Couch und Krücken gefesselt. Sie muss ihren Töchtern Helga (Maria Ehrich), Monika (Sonja Gerhardt) und Eva (Emilia Schüle) das Feld überlassen. Mittlerweile sind alle drei erwachsene Frauen, die sich mit problematischen Ehen nebst Zukunftsträumen herumschlagen.

Die sittliche Helga leitet nach dem Ausfall der Mutter die Tanzschule und verliebt sich in den argentinischen Tanzlehrer Amando (Giovanni Funiati). Wie reagiert ihr Mann, Staatsanwalt Wolfgang (August Wittgenstein) auf dieses emotionale "Outing", wo er doch seine eigene Homosexualität weiter totschweigen will? Auch die Ehe von Monika und Joachim (Sabin Tambrea) gerät in Schieflage – nachdem Monika eine frühe Fehlgeburt erleidet. Joachim glaubt, daran Schuld zu sein und vergräbt sich in Schwermut.

Eva benutzt die Ehe mit dem älteren Star-Arzt Jürgen Fassbender (Heino Ferch) nur noch als Fassade und Geld-Generierung-Maschine, um ihre progressive Kunstgalerie zu fördern, in der sie die Nähe junger Künstlern sucht. Doch Jürgen, den sie wegen eines schweren Vergehens moralisch in der Hand hat, zeigt sich zunehmend rebellisch. Derweil bekommen Monika und Freddy (Trystan Pütter) einen interessanten Auftrag. Das Musikduo darf ein Lied zum deutschen Vorentscheid des Grand Prix d'Eurovision de la Chanson komponieren – und zwar für die aus den USA zurückgekehrte deutsche Diva Hannelore Lay (Helen Schneider).

Derweil spürt Freddy, dass sich der Antisemitismus in Deutschland wieder deutlicher zeigt. Er denkt darüber nach, sein Heimatland zu verlassen. Das ZDF zeigt Teil zwei und drei der neue "Ku'damm"-Filme am Montag, 22. März, und Mittwoch, 24. März, jeweils um 20.15 Uhr. In der ZDF-Mediathek stehen die gesamten 270 Minuten "Ku'damm 63" bereits ab Samstag, 20. März (ab 10 Uhr).

Mauer, Kennedy und neue Kunst

Selten wurde deutsche Geschichte so facettenreich in eine große Mainstream-TV-Saga verwandelt wie bei den "Ku'damm" Filmen. Ein bisschen Soap muss sein, wird sich Erfinderin Annette Hess sagen, die ja mit ihrer anderen großen deutschen Geschichtsserie "Weissensee" in der ARD ein ähnliches Erfolgsrezept kocht: Wo Zuschauer mit gut ausgedachten exemplarischen Charakteren mitleiden, lässt sich eine Menge Geschichte erzählen, die in einer spröderen Version wohl kaum so viele Menschen interessieren würde.

Dass Hess, Jahrgang 1967, auch subtiler und beiläufiger "plotten" kann, beweist ihre grandiose neue Amazon-Serie "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" auf Amazon. In den neuen "Ku'damm" Folgen wirkt Hess übrigens nur noch als Creative Producer mit. Die Drehbücher schrieb ein Team um Headautor Marc Terjung. Dafür saß auf dem Regiestuhl erstmals eine Frau: Sabine Bernardi ("Der Club der roten Bänder") löst Sven Bohse ab, der die ersten beiden Trilogien bildstark in Szene setzte.

Die genannten Wechsel bleiben für das Produkt "Ku'damm" folgenlos. Fans und Zuschauer werden die wiederkehrende Miniserie so wiederfinden, wie sie sie in "Ku'damm 59" verlassen haben. Der Weltkrieg ist mittlerweile noch ein bisschen weiter weg. Deutschland ist vordergründig reicher, selbstbewusster und zufriedener geworden – doch die Probleme und Kämpfe zwischen den Köpfen der Protagonisten gehen weiter. 1963 – diesmal wurde ein Zeitsprung von vier Jahren gewählt – besuchte US-Präsident John F. Kennedy ein sommerliches Berlin und sprach seine berühmten Worte "Ich bin ein Berliner".

Knapp zwei Jahre zuvor war die Mauer gebaut worden. Das Beatfieber ergriff die Stadt, ebenso wie der Aufbruch einer neuen, für Traditionalisten unerhörte Kunstszene. Gleichzeitig gab es ein Beharren der alten konservativen Kräfte. Und die zeigten sich nicht nur im Chanson und der gestrengen Schöllack-Tanzschule, sondern auch in den inneren und äußeren Kämpfen der Figuren von "Ku'damm 63". An Teil eins schließt sich übrigens eine zeitgeschichtliche Dokumentation an: "Ku'damm 63 – Die Dokumentation" von Heike Nelsen wirft um 21.45 Uhr einen Blick auf die realen Ereignisse des Jahres 1963.

Ku'damm 63 – So. 21.03. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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