Laufen
24.04.2023 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Drama
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Originaltitel
Laufen
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2023
Fernsehfilm, Drama

Durchstarten nach dem Trauma

Von Martina Maier

Anna Schudt rennt der Trauer und der Wut davon – ein Jahr nach dem Selbstmord ihres Lebensgefährten: "Laufen" (ZDF) ist die beeindruckende Geschichte eines Sich-selbst-am Schopf-Packens in toller Besetzung.

Als die Polizisten die Orchestermusikerin Juliane (herausragend: Anna Schudt) mit dem Unfassbaren konfrontieren, verschanzt sie sich intuitiv hinter ihrem Cello, mit dem Rücken zur Wand. Sie kann nicht begreifen, was sie gerade gehört hat: Ihr Lebensgefährte hat sich das Leben genommen. Auf das "Warum?" wird sie keine Antwort mehr bekommen, denn außer einer kurzen Notiz hat Johann ihr nichts hinterlassen. "Laufen" ist die Verfilmung eines Romans von Isabel Bogdan und erzählt die Geschichte einer Frau, die ein Jahr lang durch die Hölle geht, um sich mit ungeheurer Anstrengung ein neues Leben nach der Katastrophe aufzubauen. Der unter die Haut gehende Film ist nun im ZDF zu sehen.

Mit dem Laufen kommt die Kraft

Ohne ihre Freundin Rike (Katharina Wackernagel) würde Juliane am liebsten gar nicht mehr aus dem Bett aufstehen. Dort liegt sie mit Johanns Kleidung an sich gepresst und weint sich die Seele aus dem Leib. Rike, die eine Familie mit zwei Kindern hat, ist die Freundin, die sich jeder wünscht: Voller Mitgefühl tröstet, hilft und handelt sie, wann immer es nötig ist. Eine neue Wohnung muss her, Papierzeug muss erledigt werden. Johanns Eltern (Gaby Dohm und Michael Abendroth) sind dabei alles andere als hilfreich. Immer wieder halten sie Juliane vor, dass sie nicht mit ihrem Sohn verheiratet gewesen sei und deshalb keinerlei Ansprüche habe, ohne überhaupt zu merken, dass ihr dazu ohnehin die Kraft fehlt.

Zu Weihnachten bekommt Juliane von Rikes Kindern einen Gutschein für beliebig häufiges Trösten. Obwohl es ihr ein wenig besser geht, hat sie sich noch nicht gefangen. Auch im Orchster läuft es nicht mehr rund, weil sie sich kaum konzentrieren kann. Der Durchbruch kommt, als es Rike gelingt, die an sich sportliche Juliane endlich wieder zum Laufen zu bewegen. Beim ersten Versuch schafft sie mit großer Mühe nur wenige Minuten. Doch die Intervalle werden länger, und damit einhergehend wächst die Kraft in Juliane, das Geschehene akzeptieren zu können und sich auf ein neues Leben ohne Johann nicht nur einzulassen, sondern sogar darauf zu freuen.

"Kenne keine Schauspielerin, die gesagt hätte: 'Das will ich nicht spielen"

"Laufen" galt zunächst als unverfilmbar: Wie sollten die immer wiederkehrenden Gedankenschleifen der Hauptfigur visuell umzusetzen sein? Drehbuchautorin Silke Zertz blieb glücklicherweise hartnäckig. Es gelang ihr, die Geschichte einfühlsam im ständigen Wechsel zwischen Erinnerungsfetzen und Gegenwart zu erzählen und dabei die Spannung aufrecht zu erhalten, indem sie die Hintergründe über Johann (Maximilian Brückner) erst nach und nach verrät. Dazu gibt es innere Monologe von Juliane, die eingespielt werden, wann immer man sie laufen sieht, und den Zuschauer auf emotionalste Weise spüren lassen, was die Protagonisten durchmacht.

"Mich hat die Transformation dieser Frau gepackt, wie die Aufwärtsspirale funktioniert, was Musik in ihrem Leben bedeutet, das Laufen, was so ein Trauma auslöst. Ich kenne keine Schauspielerin, die gesagt hätte: 'Das will ich nicht spielen", sagt Anna Schudt, die Juliane in ihrer ganzen Gefühlswelt schonungslos und sehr berührend zeigt. Die 49-Jährige berichtet von einer gewissen Demut, die man empfinde, wenn man in die Haut von derart unglücklichen Personen schlüpfe, sich aber am Ende des Tages in der Garderobe das Leid buchstäblich aus dem Gesicht waschen könne. Die Musikszenen spielt Anna Schudt selbst: Sie hatte in ihrer Kindheit Cello-Unterricht. So wurde aus der Bratschistin der Romanvorlage kurzerhand eine Cellistin.

Laufen – Mo. 24.04. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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