Marija

  • Marija (Margarita Breitkreiz) beim Gefängnisbesuch. Das Prozedere scheint bei ihr keine Reaktion auszulösen. Vergrößern
    Marija (Margarita Breitkreiz) beim Gefängnisbesuch. Das Prozedere scheint bei ihr keine Reaktion auszulösen.
    Fotoquelle: ARTE / Bernhard Keller
  • Margarita Breitkreiz liefert als Marija eine beeindruckende Vorstellung ab. Vergrößern
    Margarita Breitkreiz liefert als Marija eine beeindruckende Vorstellung ab.
    Fotoquelle: ARTE / Bernhard Keller
  • "Ich spare mir die Miete": Mit ihrem Vermieter Cem (Sahin Eryilmaz) verbindet Marija (Margarita Breitkreiz) ein sehr pragmatisches Verhältnis. Vergrößern
    "Ich spare mir die Miete": Mit ihrem Vermieter Cem (Sahin Eryilmaz) verbindet Marija (Margarita Breitkreiz) ein sehr pragmatisches Verhältnis.
    Fotoquelle: ARTE / Bernhard Keller
  • Ziehst du sie nicht ab, ziehen sie dich ab": Marija (Margarita Breitkreiz) nimmt für ihre Übersetzerdienste anderen Einwanderern viel Geld ab. Vergrößern
    Ziehst du sie nicht ab, ziehen sie dich ab": Marija (Margarita Breitkreiz) nimmt für ihre Übersetzerdienste anderen Einwanderern viel Geld ab.
    Fotoquelle: ARTE / Bernhard Keller
  • Georg (Georg Friedrich) und Marija (Margarita Breitkreiz) kommen sich nicht nur auf Geschäftsebene näher. Vergrößern
    Georg (Georg Friedrich) und Marija (Margarita Breitkreiz) kommen sich nicht nur auf Geschäftsebene näher.
    Fotoquelle: ARTE / Bernhard Keller
  • "Marija" hätte ein vorbildliches Migrantendrama werden können, ist aber ein sperriges Frauenporträt - zum Glück. Margarita Breitkreiz brilliert dabei in der Titelrolle. Vergrößern
    "Marija" hätte ein vorbildliches Migrantendrama werden können, ist aber ein sperriges Frauenporträt - zum Glück. Margarita Breitkreiz brilliert dabei in der Titelrolle.
    Fotoquelle: ARTE / Bernhard Keller
  • Um sich ihren Traum erfüllen zu können, lässt sich Marija (Margarita Breitkreiz) von Georg (Georg Freidrich) zu illegalen Aktivitäten überreden. Vergrößern
    Um sich ihren Traum erfüllen zu können, lässt sich Marija (Margarita Breitkreiz) von Georg (Georg Freidrich) zu illegalen Aktivitäten überreden.
    Fotoquelle: ARTE / Bernhard Keller
Spielfilm, Drama
Einreisen, durchbeißen
Von Wilhelmine Kaczka

Infos
Produktion: Pandora Film Produktion, Hugofilm, Little Shark Entertainment, WDR, ARTE, SRF / SRG SSR, Online verfügbar von 11/10 bis 18/10
Originaltitel
Marija
Produktionsland
Deutschland / Schweiz
Produktionsdatum
2016
Kinostart
Do., 09. März 2017
arte
Do., 11.10.
23:00 - 00:35


Die Ukrainerin Marija will sich in Deutschland ihren Traum von einem besseren Leben erfüllen. Ob ihr das gelingt?

Marija macht nicht viele Worte. Eines der ersten, das man sie sagen hört, ist "Schlampe" – während sie der Frau, die sie für ihren Rausschmiss verantwortlich macht, eine Gabel ins Bein rammt. Marija ist kein Opfer, dabei würde sie sich doch so gut für eine Opferrolle eignen: Mit dem großen Traum vom kleinen Glück ist sie aus der Ukraine nach Deutschland gekommen, um sich nun an der harten Realität abzuarbeiten. Sie wohnt in einer heruntergekommenen Absteige, schuftet weit unter Mindestlohn, und wenn das Geld dann trotzdem nicht reicht, geht sie vor ihrem Vermieter eben auf die Knie. All das wird von Margarita Breitkreiz eindringlich gespielt und von Regisseur Michael Koch sensibel beobachtet. Trotzdem ist "Marija" kein vorbildlicher Problemfilm geworden, sondern ein sperriges Porträt. Zum Glück. ARTE zeigt das Werk zu später Stunde in einer TV-Premiere.

"Warum besorgst du dir nicht endlich eine normale Arbeit?", fragt Marijas ebenfalls eingewanderte Freundin Olga (Olga Dinnikova) immer wieder. Normale Arbeit – das ist putzen, bedienen, unsichtbar sein. Nichts mehr für Marija, die einen eigenen Friseursalon eröffnen möchte. Sie hat ihren Traum, und sie hat ihren Stolz. Beides will sie sich bewahren. Gegen alle widrigen Umstände wurschtelt, beißt und kämpft sie sich durch. Und wächst einem dabei ganz heimlich ans Herz.

Margarita Breitkreiz war für Michael Koch ein echter Glücksgriff: Mit einer Schauspielerin mit schwächerer Präsenz wären die oft arg unattraktiven Bilder (Bildgestaltung: Bernhard Keller) wohl schnell in den Bereich des Indie-Dramas mit erhobenem Zeigefinger abgeglitten, in dem hässliche Menschen in einer hässlichen Stadt hässliche Dinge tun, um zu überleben. Durch die Zusammenarbeit aber entwickelt sich eine intensive Atmosphäre, in den besten Momenten auch eine raubeinige Poesie, sogar für gelegentliche Lacher bleibt Platz.

Natürlich, ein bisschen Milieustudie ist auch dabei: Für sein Langfilm-Debüt wagte sich der Schweizer Regisseur nach Dortmund, wo am Rande der Gesellschaft die einen verzweifelt durch den Behördendschungel irrlichtern, während die anderen vom Elend profitieren, ohne ihm selbst je wirklich entfliehen zu können. Migranten sind sie allesamt – ob nun aus Bulgarien, der Türkei oder aus Österreich. Es ist eine eigene Welt mit eigenen Regeln, die Marija immer wieder übertritt.

Sie prostituiert sich, ohne zur Prostituierten zu werden, sie assistiert, ohne zur Assistentin zu werden, sie macht sich schuldig, ohne dafür zu büßen. Und während die beiden Männer (Georg Friedrich und Sahin Eryilmaz), die ihr auf ihrem Weg verfallen, davon träumen, mit ihr aus dem grauen Deutschland wahlweise in den Tunesien-Urlaub oder gleich als Auswanderer auf die Kanaren zu entfliehen, will sie sich genau in Dortmund etablieren. Marija ist eine beeindruckende Frau – "Marija" ein fast ebenso eindrucksvoller Film.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Eine Filmkritik sowie weitere Infos zu "Marija" finden Sie hier.


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Der Trailer zu "Marija"

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