Müll, Mafia und das große Schweigen
08.01.2018 • 22:45 - 23:30 Uhr
Report, Dokumentation
Lesermeinung
Illegaler Müllhandel - ein Geschäftsfeld der kalabrischen Mafia 'Ndrangheta.
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Africo Nuovo war einer der ersten Orte, in dem aufgrund einer privaten Initiative eine überdurchschnittlich hohe Krebsrate verzeichnet wurde. Man vermutet, dass dort Fässer mit toxischem oder radioaktivem Material vergraben wurden. Hier: Santa Lucia-Fest
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Nuccio Barillà ist Aktivist bei der italienischen Umweltschutzorganisation "Legambiente" in Kalabrien. Er war einer der ersten, der den Behörden Hinweise auf versunkene Schiffe mit möglicherweise radioaktiver Fracht gab.
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Das Schiff "Rosso" strandete nahe dem Küstenort Amantea. Große Teile einer möglicherweise hochgefährlichen Fracht sollen im nahe gelegenen Tal Oliva vergraben worden sein.
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Von den Ermittlungen zu unlauteren Wettbewerb, Erpressung und Korruption im Bereich der Müll- und Abwasserentsorgung ist auch der Terminalbetreiber des kalabrischen Hafens von Gioia Tauro MCT, einer der wichtigsten Containerumschlagplätze im Mittelmeer, betroffen.
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In Kalabrien selbst stehen mehr 600 Müllkippen auf der staatlichen Beobachtungs- und Sanierungsliste, wie hier in Crotone.
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Produktionsland
Deutschland
Report, Dokumentation

Schockierendes aus dem "Müllzentrum Europas"

Von Jasmin Herzog

Lange wurden die von der kalabrischen Mafia ausgelösten Giftmüllskandale in Kalabrien verschwiegen. Doch nun kommt Bewegung ins Spiel.

Alles begann 1989 mit der Entdeckung von 60 Tonnen Krankenhausmüll in der Provinz Cosenza, 300 Kilometer südlich von Neapel. Dass das jedoch bei Weitem nicht alles war, sondern eher so etwas wie die Spitze des Eisbergs das zeigt die Dokumentation "Die Story im Ersten: Müll, Mafia und das große Schweigen". Sie berichtet von zahlreichen Giftmüllskandalen in Kalabrien, die auf das Konto der dortigen Mafia gehen, und von Verstrickungen, die auch bis in die deutsche Wirtschaft hineinreichen.

Vor der italienischen Küste sollen über 100 Giftmüll-Schiffe auf dem Meeresboden schlummern, und auf dem Festland harren mehr als 600 Müllkippen der Räumung. Für Schlagzeilen sorgte 1990 das Schiff "Rosso", das nahe dem Küstenort Amantea strandete. Die "Rosso" soll Giftmüll transportiert haben – was nach dem Kentern mit der brisanten Fracht geschah, weiß allerdings bis heute niemand genau. Wissenschaftler vermuten allerdings, dass die giftige Ladung der "Rosso" im nahe der Küste gelegenen Tal Olvia vergraben wurden. Denn hier haben Analysen toxische Substanzen und Cäsium-137 im Boden nachgewiesen.

Verantwortlich für das Müll-Desaster ist die 'Ndrangheta, der kalabrische Zweig der Mafia. Denn mit dem Geld lassen sich Millionensummen scheffeln. Doch auch der italienische Staat hat Schuld auf sich geladen: Prozesse werden verschleppt, Akten in Archiven begraben, wie die Recherchen des Journalisten Sandro Mattioli zeigen.

Seit vielen Jahren schlagen Umweltaktivisten Alarm. Für sie ist Kalabrien schon längst die Müllkippe Europas. Nachdem sich der italienische Staat lange Zeit untätig gezeigt hat, kam zuletzt allerdings Bewegung in die Sache. Seit vier Jahren leitet Federico Cafiero De Raho die Staatsanwaltschaft der Provinz Reggio Calabria. Der engagierte Jurist hatte zuvor bereits die Müll-Mafia rund um Neapel ins Visier genommen. Seit er auch in Süditalien tätig ist, wird dort der Kampf gegen die 'Ndrangheta mit härteren Bandagen geführt.

Neben Federico Cafiero De Raho kommen in der sehenswerten Dokumentation von Christian Gramstadt weitere Ermittler, Experten, Aktivisten, Informanten und Mafia-Aussteiger zu Wort. Sie berichten von einem europaweiten Skandal, der buchstäblich zum Himmel stinkt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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