München Mord - Die indische Methode
14.12.2024 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
Lesermeinung
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Originaltitel
München Mord
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2024
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Mord im Elite-Internat: Wenn der Kommissar in Trance ermittelt

Von Maximilian Haase

Eine tote Internatsschülerin gibt den Ermittlern im neuen "München Mord"-Krimi Rätsel auf. Es braucht innovative Ideen – etwa die titelgebende "indische Methode", die allerdings schwerwiegende Folgen hat. Hauptdarsteller Markus Mittermeier schrieb das Drehbuch des unterhaltsamen Falls.

Ein absonderliches Ermittlertrio, dazu allerlei Missgeschicke und Dialogwitz: Seit zehn Jahren hebt sich die Krimireihe "München Mord" wohltuend vom Einheitsbrei ab. Nach der überzeugenden Episode "A saisonale G'schicht", die wieder über sechseinhalb Millionen Zuschauer erreichte, lassen die schrägen "Loser"-Kommissare das Jubiläumsjahr nun auch angemessen ausklingen. Im 19. Fall der so sympathischen wie skurrilen Reihe untersuchen Flierl, Schaller und Neuhauser den Mord an einer Schülerin in einem Elite-Internat. Während sich dort mobbende Politikertöchter, unmoralische Sportlehrer und zwielichtige Hausmeister gegenseitig die Schuld zuschieben, versuchen es die Ermittler mit ungewöhnlichen Mitteln: "Die indische Methode", so der Titel des unterhaltsamen Krimis, soll den Täter dingfest machen – sie hat aber gehörige Nebenwirkungen.

Dass die in den Keller abgeschobenen Kommissare Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen), Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier) und Ludwig Schaller (Alexander Held) überhaupt im Fall der toten Kim (Lilly-Marie Vogler) ermitteln dürfen, ist der Geschlechterquote geschuldet. Eigentlich wollte Chef Zangel (Christoph Süß) ja seine besten Leute schicken – immerhin geht auch die Tochter des Staatssekretärs auf das betroffene Internat. Doch man solle sich fragen, ob man "nicht ein Team mit einem höheren Frauenanteil an einem Mädcheninternat ermitteln lassen sollte", heißt es aus Politikkreisen.

Weil die Kripo in "Genderfragen zeitgemäß" sein will, muss es also das Trio mit Ermittlerin Flierl richten. Die hat sich passenderweise schon in die Genderthematik eingelesen – und schießt nun in einer Tour gegen Männer und ihre Privilegien. Dass sie zudem völlig erkältet ist, gerät zum netten doppelten Running Gag im abwechslungsreichen Drehbuch, das erstmals von Hauptdarsteller Marcus Mittermeier stammt.

Mitschülerin, Lehrer oder Hausmeister?

Umgesetzt hat es die Regie von Matthias Kiefersauer überaus kurzweilig, was vor allem an den plausibel verdächtigen Figuren liegt, die sich am Internat so tummeln. Da wäre etwa des Staatssekretärs verzogenes Töchterlein Caro (Isabel Dornheim), von der das spätere Opfer regelmäßig gemobbt wurde. War sie neidisch, weil Kim nicht nur mit Stipendium statt Elternkohle am Internat, sondern auch die Beste im Volleyballteam war? "Leck mich" und "Was ist denn das für eine Scheißfrage?" gehören jedenfalls noch zu den gemäßigteren ihrer aggressiven Antworten im Verhör, die Neuhauser irgendwann ausrasten lassen: "Das ist schon schwierig mit so einem Ausnahmetalent in der Mannschaft, wenn man auf der goldenen Kloschüssel scheißen gelernt hat."

Da wäre aber auch der im Rollstuhl sitzende Volleyball-Coach Dr. Roth (Christian Erdmann), der Gerüchten zufolge mit Kim eine Affäre gehabt haben soll. Und da wäre ja auch noch der wirklich verdächtig wirkende Hausmeister Küsbert (Thomas Schmauser) der sich mit den Mädchen regelmäßig in die Haare kriegte und im Internat als gescheiterte Lehrer-Existenz galt ("total verbittert"). Wer könnte das dringlichste Mordmotiv gehabt haben – und welche Rolle spielen die in Kims Zimmer gefundenen hohen Summen an Bargeld? Die Kommissare stehen vor einem Rätsel.

"Was ist los mit den Scheißmännern?"

Mittermeier, der sich 2004 bereits als Regisseur von "Muxmäuschenstill" auf Pfaden abseits der Schauspielerei bewegte, erzählt seinen Krimi mit viel Verve, Spannung und Witz. Vor allem seiner Kollegin Heerwagen hat er einen so vergnüglichen wie gesellschaftskritischen Part verpasst: Wenn sie beim Verhör aufstöhnt, weiß man nicht, ob es wegen ihrer Erkältungssymptome oder der frauenfeindlichen Äußerungen des Zeugen ist. Während sie sich in den unpassendsten ernsten Situationen schnäuzt und damit den Pathologen vergrault ("selbst Tote sind manchmal ansteckend"), haben ihre augenzwinkernden Verweise auf patriarchale Strukturen natürlich soziale Relevanz: "Männer sind gleicher als Frauen", beschwert sie sich, und an einer Stelle bringt sie die Realität der Femizide schmerzvoll-tragikomisch auf den Punkt: "Dass Männer immer Frauen umbringen müssen. Was ist los mit den Scheißmännern?"

Vollends grotesk wird es indes bei der titelgebenden Methode, mit der sich Schaller nach einer Guru-Schulung selbst in Trance versetzt, um so dem Täter näherzukommen. Als er deshalb plötzlich nicht mehr aufwacht, driftet der Fall endgültig ins Absurde – und beweist abermals, dass man es bei "München Mord" mit einer sehr außergewöhnlichen Reihe zu tun hat.

Es habe Spaß gemacht, "darüber nachzudenken, was diesen Menschen passieren könnte", beschreibt Marcus Mittermeier seine Freude beim Schreiben des Drehbuchs. Anfangs habe jedoch niemand "wirklich geglaubt, dass ich das bis zum Ende durchhalte", verrät der 55-Jährige. Es sei "wahnsinnig anstrengend, sich hinzusetzen und alles komplett zu erfinden". Sein Drehbuch sei "eine Verneigung vor dem Format und diesem Team". Und diese Verneigung hat "München Mord" im zehnten Jahr auch wahrlich verdient.

Weiter geht es mit der beliebten Reihe gleich im Januar: Die Episode "Nix für Angsthasen" zeigt das ZDF am Samstag, 18. Januar, 20.15 Uhr; in der ZDFmediathek ist der Krimi bereits ab Samstag, 11. Januar, abrufbar.

München Mord – Die indische Methode – Sa. 14.12. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

Maret Hoffmann ist Apothekerin und lacht in die Kamera.
Gesundheit

Mit Heilpflanzen gegen Rheuma

Rheuma bringt schmerzende Gelenke mit sich. Doch welche Heilpflanzen helfen wirklich? Von Teufelskralle bis Rosmarin: Eine Apothekerin klärt auf und gibt Tipps.
Corinna Elling-Audersch, Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Rheuma-Liga lacht.
Gesundheit

Rheuma selbst managen

Die Deutsche Rheuma-Liga bietet Selbstmanagement-Kurse an, um Betroffenen den Alltag mit Rheuma zu erleichtern. Teilnehmer lernen, mit Schmerzen umzugehen und ihre Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Ernährungstipps und Entspannungsübungen sind Teil des Programms.
DJ Ötzi lacht.
HALLO!

DJ Ötzi im Interview: "DJ Ötzi ist extrovertiert, Gerry dagegen sehr introvertiert"

Gerry Friedle alias DJ Ötzi spricht über die anstehende Mountain Mania in Köln, seine Heimatverbundenheit und den Unterschied zwischen seiner Person und seinem Bühnenalter Ego.
Eine Kastanie im Herbstlaub
Gesundheit

Gesund durch den Herbst

Der Herbst bringt oft Erkältungen mit sich. Doch mit einfachen Maßnahmen wie guter Handhygiene, ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung kann man Infektionen vorbeugen. Impfungen und Entspannung helfen zusätzlich, gesund durch die kalte Jahreszeit zu kommen.
Martin Reinl und die Figuren der Sesamstraße.
HALLO!

Martin Reinl: „Die Sesamstraße ist für jede Generation etwas anderes“

Martin Reinl, bekannt als Stimme von Elmo und Grobi, gibt Einblicke in seine Arbeit als Puppenspieler und sein neues Buch über die Geschichte der Sesamstraße. Zusammen mit Julian Schlichting beleuchtet er die facettenreiche Welt der Puppen und die Herausforderungen der Produktion.
Professor Dr. med. Burkhard Sievers
Gesundheit

Luftnot bei Frauen: oft verkannt und falsch eingeschätzt  

Eine 54-jährige Patientin litt unter Luftnot und erhielt nach gründlicher Untersuchung die Diagnose Asthma bronchiale. Ein kortisonhaltiges Spray soll nun Linderung verschaffen.