Nachtschicht - Es lebe der Tod
13.07.2020 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
Lesermeinung
Was hat Erichsen (Armin Rhode) wieder vor?
Vergrößern
Die Geliebt des Opfers (Almila Bagriacik r.) wird von Lisa (Barbara Auer l.) verhört.
Vergrößern
Eugen Polanski (Philipp Hochmair) hört statt der Vögel im Wald etwas ganz Anderes – einen Mord.
Vergrößern
Die beiden Bordellbesitzer Angelo (Frederick Lau r.) und Claude (Murathan Muslu l.) geraten in eine missliche Lage im Wald. Was sie nicht wissen: der Vogelforscher Polanski (Philipp Hochmair, M.) hört ihnen dabei zu.
Vergrößern
Originaltitel
Nachtschicht
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2018
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Im Bordell liegt eine Leiche

Von Wilfried Geldner

Ein Toter liegt im Bordell, das Freudenmädchen hat die Alarmglocke gedrückt. Doch niemand will den Notarzt oder gar die Polizei im Haus. Lars Beckers 15. "Nachtschicht"-Film bietet Witz und komische Verwicklungen en masse.

Der Druck auf die Nachtschicht vom Kriminaldauerdienst, auf die "Müllabfuhr", wie sich Erich Bo Erichsen (Armin Rohde), der Chef vom Hamburger KDD, auszudrücken beliebt, ist groß. Die auflaufenden Fälle sollten schließlich in nur einer Nacht, von 18 Uhr abends bis morgens um sechs, ermittelt sein. Das erzeugt Tempo – für die Polizisten vor Ort genauso wie für die Filme selbst, die Lars Becker seit 2002 regelmäßig dreht und schreibt. Beim 15. Film "Es lebe der Tod" (2018), den das ZDF nun als Wiederholung zeigt, setzt Becker weniger auf Thriller- oder Film-noir-Elemente, sondern vor allem auf Komik. Dass das klappt, verdankt sich der Begabung zu witzigen, nie klischeehaften Dialogen – und einem Schauspielensemble, das auch den über die Jahre immer wieder gepflegten Wechsel mancher Mannschaftsteile spielend überlebt.

Irgendwie gehören sie alle zusammen in dieser "Nachtschicht"-Ausgabe, die Bürger und die Ganoven, die Polizisten und die Zuhälter. Man kennt sich in diesem Hamburger Kiezmilieu, irgendwann haben sich alle Wege schon mal gekreuzt. Becker erzählt und benützt diesen Umstand mit einem Augenzwinkern.

Als im Bordell auf St. Pauli den Möbelhaus-Magnat Johnny de Groot (Roland Koch) mitten im Akt ein Herzinfarkt mit tödlichem Ausgang ereilt, gerät Zora (Almila Bagriacik), das Freudenmädchen aus Eriwan, verständlicherweise in Panik und drückt die Alarmsirene. Bald wird die Polizei zur Stelle sein. Wohin mit der Leiche, fragen sich der Bordellinhaber Claude (Murathan Muslu) und sein Kompagnon Angelo (Frederick Lau). Ein eingespieltes Dumpfbacken-Pärchen, das den ganzen Film über mit rauchig-gefährlicher Ganovenstimme agiert. Weil die Bullen vom Hamburger KDD nun aber bereits das Haus betreten, legen die beiden die Leiche einfach mal über den Tresen – vorgeblich sturzbesoffen. Erichsen und Co. fallen erstaunlicherweise darauf herein.

Hochkomisches Schurkenstück

Die Entsorgung der Leiche im Wald wird zum hochkomischen Schurkenstück. Jedermann kennt den großmäuligen Möbelhändler schließlich aus dem Werbespot, in dem de Groot mit Sprüchen wie "Wir möbeln dich auf!" und "Wohnen kostet nichts!" wirbt. Während die Frau des Möbelhändlers (Natalia Wörner) auf dem Revier erscheint, um ihren Mann vermisst zu melden, plagen sich die Bordellmenschen mit ihrer Leiche. Doch dann öffnet de Groot im offenen Grab plötzlich die Augen und droht mit der Polizei. Es wird eng für Claude und Angelo, der schließlich – sein ganz eigener Trick – de Groot ohne hinzusehen "nach Gehör" erschießt. Die Floskel hat das Zeug zur stehenden Wendung, zumal ein schräger Ornithologe (in einem Jägerstand sitzend) das alles mitgehört und neben dem Vogelzwitschern aufgezeichnet hat.

Es geht, was sonst, ums Geld: Das Freudenmädchen Zora hoffte, vom Möbelmenschen geheiratet zu werden, wie versprochen. Dessen Ehefrau kannte ihren Pappenheimer und räumt nun dessen Tresor, an dem wiederum ein Ganovenpaar Interesse hat, angeblich weil de Groot noch Schulden bei ihm begleichen muss. Der Ornithologe von eben versucht als Zeuge gar die Polizei zu erpressen – für eine Reise nach Costa Rica, wie Erichsen weiß. Es gibt dort "gelbe Papageis", noch 180 Stück. Ein Krimi, der von seinen Dialogen lebt, doch auch die Kiez-Atmosphäre wird optisch durchaus bedient. Überragend Armin Rohde als Erichsen, wie er mit natürlicher Autorität gesegnet stets auf der Kante zwischen Bürgern und Kiezkriminellen balanciert.

Nachtschicht – Es lebe der Tod – Mo. 13.07. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

Ein Paar steht im Sonnenuntergang am Strand und hat sich in den Armen.
Reise

Ein schöner Urlaub für alle: Barrierefrei reisen

Barrierefreies Reisen ist für Menschen mit verschiedenen Einschränkungen möglich. Ob Unterkunft, Sehenswürdigkeiten oder Mobilitätsservice – "Reisen für alle" bietet die passende Lösung.
Das Buch „Nimm den Zwängen die Macht. Zwangsstörungen und Zwangsgedanken verstehen, sich ihnen stellen und Freiheit zurückgewinnen “
Gesundheit

Für Sie gelesen: "Nimm den Zwängen die Macht"

Zwangsstörungen belasten Betroffene und sind oft schwer nachvollziehbar. Ein neuer Ratgeber erklärt die Unterschiede zwischen Marotten und krankhaften Zwängen und gibt wertvolle Tipps zur Überwindung.
Midge Ure guckt in die Ferne.
HALLO!

Midge Ure: "Es ist entweder mutig oder komplett verrückt"

Midge Ure, ehemaliger Frontmann von Ultravox, kehrt mit einem neuen Doppel-Album zurück. Im Interview spricht er über seine musikalische Entwicklung, den Einfluss von Kraftwerk und seine Entscheidung für ein Doppel-Album.
Professor Dr. Sven Ostermeier
ist Facharzt für Orthopädie und 
Unfallchirurgie, Sportmedizin, 
Chirotherapie und spezielle 
orthopädische Chirurgie. Der 
Schulter- und Knie-Experte arbeitet als leitender Orthopäde 
der Gelenk-Klinik Gundelfingen. 
Außerdem ist er Instruktor der  Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA).
Gesundheit

E-Bike oder Fahrrad: Was ist besser für Rücken, Knie und Gelenke?

E-Bikes gelten als gelenkschonend und bequem. Doch sind sie auch genauso gut für Knochen und Gelenke wie klassisches Radfahren?
Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser ist Oberarzt 
und Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie am Sana-Klinikum Remscheid und bekannt als „Doc Esser“ in TV, 
Hörfunk und als Buchautor.
Gesundheit

Wer viel misst, misst Mist

Selbsttests in Drogeriemärkten versprechen schnelle Diagnosen durch Künstliche Intelligenz. Doch wie zuverlässig sind diese Tests wirklich? Dr. Heinz-Wilhelm Esser, bekannt als "Doc Esser", erklärt die Risiken und betont die Bedeutung ärztlicher Erfahrung.
Martin Brambach im Anzug.
Star-News

Martin Brambach über seine Rolle als Ronnie im "Tatort": "Es ist schwer, eine gute Rolle loszulassen"

Martin Brambach macht nicht nur als Tatort-Ermittler eine gute Figur. In „Mit Herz und Hilde“ spielt er Ronnie, einen Mann, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird, dabei aber gleichzeitig die Gegenwart nicht aus den Augen verliert.