Nord Nord Mord - Sievers und der große Knall
27.02.2023 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Kriminalfilm
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Originaltitel
Nord Nord Mord
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2023
Altersfreigabe
12+
Fernsehfilm, Kriminalfilm

Sylt tritt auf der Stelle

Von Eric Leimann

Im 20. Film der extrem quotenstarken Krimireihe "Nord Nord Mord" muss das Sylter Ermittlertrio Carl Sievers (Peter Heinrich Brix), Hinnerk Feldmann (Oliver Wnuk) und Ina Behrendsen (Julia Brendler) herausfinden, was ein mysteriöser Knall mit dem Ableben eines reichen Mannes zu tun haben könnte.

Nein, eine Fehlzündung kann es nicht gewesen sein, die den wohlhabenden Sylter Ferienhausbesitzer und Oldtimer-Freund Friedel Tanner umgebracht hat – auch wenn dessen Leiche direkt neben seinem Auto liegt. Dennoch ist da diese merkwürdige Koinzidenz, dass unmittelbar vor dem Ableben Tanners ein lautes Geräusch die Insel erschütterte, dessen Ursache ein Rätsel darstellt. Noch spannender als dies findet Ermittler Hinnerk Feldmann (Oliver Wnuk) jedoch sein Online-Seminar in den USA, in dem er etwas über genetisch vererbte Traumata lernt. Und wie man sich denken kann, hält sein bodenständiger Chef Sievers (Peter Heinrich Brix) weder Feldmanns wegen der Zeitverschiebung nächtlich stattfindendes Seminar noch experimentell orientierte Polizeiarbeit für die naheliegendste Lösung seines aktuellen Problems. Ähnlich genervt von Feldmanns Psychotrip ist dessen Kollegin und Angebetete Ina Behrendsen (Julia Brendler), die nachts kaum schlafen kann, weil sich die gemeinsame WG wegen unzuverlässiger Handwerker gegenwärtig in ein (enges) Wohnmobil verlagert hat.

Doch zurück zum Fall. Die Ermittlungen im Haus des Opfers ergeben: Der Mann war ein Sammler edelster Weine und ein Freund der Fotografie. Als ein Motiv seiner Bilder erweist sich die schöne russischstämmige Gärtnerin Maria Inonesco (Irina Potapenko), die mit ihrem Freund Lasse Möller (Justus Johanssen) und dessen jüngerem Bruder Rico (Nick Julius Schuck) einen Gartenservice-Betrieb für Ferienhausbesitzer wie Tanner betreibt. Doch gehört es zum Leistungs-Portfolio des jungen Start-ups, dass man sich zusätzlich zum Pflanzenschnitt in erotischer Pose fotografieren lässt? Und was macht eigentlich plötzlich eine fremde Frau mit Schlüssel (Miriam Maertens) im Haus des Toten, die vorgibt, eine Sexbekanntschaft zu sein?

Das Erfolgsrezept "Nord Nord Mord"

Es ist schon atemberaubend, wie sich die ZDF-Krimireihe "Nord Nord Mord" seit ihrem Launch im April 2011 – seinerzeit noch mit Robert Atzorn als Kommissar Theo Clüver – entwickelt hat. Schon damals, Atzorn spielte seine Rolle bis 2018, war die Reihe so ziemlich das beste Pferd im Krimistall des ZDF und holte schon mal sechs bis sieben Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Bildschirm. Seit der Abschiedsfolge Atzorns – am 15. Januar 2018, 8,8 Millionen Zuschauer – und der Übernahme von Peter Heinrich Brix als knorrig-wortkargem Ermittler Sievers hat sich der Quotengarant zum Massenphänomen der Marke Münsteraner "Tatort" entwickelt: Über acht Millionen haben seitdem fast immer eingeschaltet und mit dem Fall vom Januar 2022, "Sievers und das mörderische Türkis", knackte man sogar erstmals die heute nur noch extrem selten erreichte Zehnmillionen-Marke (10,3 Millionen).

Die Gründe für den Erfolg liegen in den meisten "Sievers"-Krimis auf der Hand: Die Filme sind "altes Fernsehen" in hoher Qualität und konzeptionell starker Reinkultur: Die Fälle sind leicht, aber gut ausgedacht. Das Ermittlertrio hat eine prima Chemie, die Dialoge tatsächlich oft witzig bis funkensprühend. Dazu kommen die attraktiven Sylt-Bilder und ein "leichter Einstieg" in die jeweilige Handlung, weil man selbst als gelegentlicher Zuschauer keinerlei Vorwissen benötigt. Die Charaktere entwickeln sich kaum bis gar nicht, stattdessen bedienen sie in ihrer Marottenhaftigkeit, ihren Stärken und Schwächen, das, was die "Nord Nord Mord"-Fans sehen wollen. Auch dies ist ein Kennzeichen des "alten Fernsehens" gegenüber der Welt des modernen, eher bei Streamingdiensten zu findenden "Prestige TV", wo es um Entwicklung und große Erzählbögen geht.

Das famose Ermittlertrio mit kleinem Durchhänger

Leider geht das bewährte Rezept in "Nord Nord Mord – Sievers und der große Knall" weniger gut auf als zum Beispiel in der Dezember-Folge "Sievers sieht Gespenster" oder dem Januar-Beitrag "Sievers und die letzte Beichte". Der Plot (Drehbuch: Berno Kürten, Regie: Ole Zapatka) verheddert sich in verschiedene Stränge, die ziemlich konstruiert nebeneinander stehen, und bis auf die überzeugende Irina Potapenko als geheimnisvoll-verletzliche Gärtnerin gibt es auch kaum interessante Gastfiguren in dieser Episode. Die famose Psychologin Tabea Krawinkel (Victoria Trauttmansdorff) darf nur in einer Szene ran, und auch die Neckereien, Enttäuschungen und Wiederannäherungen von Hinnerk und Ina samt brummiger Sievers-Kommentare treten im neuen Film ein bisschen auf der Stelle.

Dass die Fans trotzdem bekommen, was sie in etwa erwarten, ist bei dem zielgruppengenauen ZDF-Krimi dennoch garantiert. Nur mit etwas weniger Finesse beim Erzählen der Geschichte und dem Schaulaufen ihrer Charaktere muss man diesmal leider leben.

Nord Nord Mord – Sievers und der große Knall – Mo. 27.02. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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