Bei ihrem Debüt als Kommissarin in Ostfriesland wird Julia Jentsch von einem Serienkiller herausgefordert, der eine besondere Faszination für die vier Elemente zu haben scheint. Ob sie ihm das Handwerk legen kann?

Krimis und Julia Jentsch – das passt einfach zusammen. In der Serie "Das Verschwinden" spielte die 41-Jährige eine Mutter, die verzweifelt ihre Tochter sucht. Mit ihrer eindringlichen Darbietung begeisterte sie nicht nur Millionen TV-Zuschauer, sondern überzeugte auch die Kritiker auf ganzer Länge – der Bayerische Filmpreis 2018 spricht für sich. In Erinnerung blieb zudem Jentsch' Rolle in der Sky-Serie "Der Pass", die kürzlich im ZDF Free-TV-Premiere feierte. An der Seite von Nicolas Ofczarek schlug sich die Schauspielerin in einem fesselnden Alpenkrimi durch eine verschneite Berglandschaft – stets einen sadistischen Serienkiller im Visier. Einen Mörder verfolgt die Berlinerin auch in "Osfriesengrab", der vierten Filmadaption eines Romans von Klaus Peter Wolf. In der Krimi-Reihe aus dem hohen Norden löst sie Christiane Paul ab, die nach drei Einsätzen Platz für ihre Nachfolgerin macht.

Nachdem die Kripo um Kommissarin Ann Kathrin Klaasen (Jentsch) die Leiche einer jungen Frau findet, aufgeknüpft an einem Baum, scheint die Sache schnell klar zu sein. Der ehemalige Häftling Dieter Meuling (Anton Noori) hat kein Alibi, gilt als gewalttätig und hatte vor dem Mord Streit mit der Toten, seiner Ex-Freundin. Ganz so einfach enpuppt sich der Sachverhalt allerdings nicht. Als Meuling Klaasen zuflüstert, er habe Informationen über den mysteriösen Tod ihres Vaters, gehen mit der Beamtin die Gäule durch.

Sie startet einen folgenreichen Alleingang, an dessen Ende dem Ex-Knacki die Flucht gelingt und sie ihren Job vorerst los ist. Zwar spüren die fleißigen Kollegen Meuling auf, erschießen ihn aber in Notwehr. Sache also erledigt? Mitnichten, weil wenig später erneut ein Mord verübt wird. Die Beamten haben also offensichtlich den Falschen gejagt. Zusätzliche Dramatik kommt ins Spiel, als die Tochter des renommierten Künstlers Freimut Diebold (Udo Samel) entführt wird und sich herausstellt, dass der Mörder sich bei seinen Taten von den vier Elementen inspirieren lässt – nur Feuer fehlt ihm noch zur Vollendung seines Werks.

Die vergebliche Suche nach dem Antagonisten

An die Intensität der eingangs ernannten Rollen reicht Julia Jentsch nicht heran. Freilich wäre es vermessen, die Charakterzeichnung einer Serienfigur mit der eines 90-Minüters gleichzusetzen. Doch das Drehbuch von Nils-Morten Osburg lässt der Hauptfigur schlicht zu wenig Raum zur Entfaltung. Stattdessen reiht sich Leiche an Leiche, ein Verdächtiger wird zunächst gefasst, dann freigelassen, um letzten Endes doch im Kugelhagel zu sterben. In Serienlänge mag diese Anhäufung von Ereignissen zünden, in der Kürze der Zeit aber wirkt "Ostfriesengrab" überladen und scheitert an den eigenen Ambitionen – auch weil die große Wende zur Mitte des Films erfahrene Krimi-Zuschauer wohl kaum überraschen dürfte.

Zudem fehlt es Jentsch in ihrem Auftritt als Nachfolgerin von Christiane Paul an einem interessanten Gegenpol, an dem sie sich reiben kann – man denke an den grandiosen Auftritt Nicolas Ofczareks als dauergrantelnder Gedeon Winter in "Der Pass". Im Krimi von Regisseur Stefan A. Lukacs befindet sich Jentsch aber oft alleine auf weiter Flur. Weder ihr gefühliger Freund und Berufspartner Frank Weller (Christian Erdmann) noch der großspurige Obermacker Rupert (Barnaby Metschurat) oder der latent überforderte Kripo-Chef Ubbo Heide (Kai Maertens) haben dazu genügend Ecken und Kanten. Das ZDF jedoch scheint überzeugt von der Krimi-Reihe aus dem hohen Norden. Der fünfte Film, "Ostfriesenangst", wurde unter der Regie von Hannu Salonen bereits gedreht.

Ostfriesengrab – Sa. 15.02. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH