Prange - Man ist ja Nachbar
10.12.2025 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Komödie
Lesermeinung
Die Barmbeker Hausgemeinschaft feiert Nikolaus; Dörte (Katharina Marie Schubert) fühlt sich einsam.
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Hat seine Renovierungsskills überschätzt: Prange (Bjarne Mädel)
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Wie gewinnt man das Herz einer Frau? Malik „Butschi“ (Samy Ghariani, M.) und Micki (Božidar Kocewski, r.) entwerfen eine Eroberungsstrategie für den scheuen Prange (Bjarne Mädel, l.)
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„Macher“ Prange (Bjarne Mädel) will Dörte (Katharina Marie Schubert) mit seinen Tapezierkünsten beeindrucken.
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Originaltitel
Prange - man ist ja Nachbar
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2025
Altersfreigabe
6+
Fernsehfilm, Komödie

Bjarne Mädel vs. Olli Dittrich: 36 Drehbuchseiten Treppenhaus

Von Eric Leimann

Romantisch, aber anders: In der bezaubernden Weihnachtgeschichte "Prange – Man ist ja Nachbar" spielt Bjarne Mädel den Titelhelden, der als scheuer guter Geist in seinem Hamburger Mietshaus die Pakete für alle Nachbarn annimmt – und sich in Paketbotin Dörte (Katharina Marie Schubert) verliebt.

Andreas Altenburg, der für den NDR-Hörfunk Comedyformate wie "Frühstück bei Stefanie" oder "Wilkommen bei den Freeses" erfand, weiß, wie der handelsübliche Norddeutsche tickt. Ein solcher ist auch seine Figur Ralf Prange, die ihm mehrere Lese-Bestseller bescherte. Nun wird Prange, jener Sonderling aus Hamburg-Barmbek, über die Verkörperung Bjarne Mädels zum Filmhelden. "Prange – Man ist ja Nachbar" ist einer der schönsten Weihnachtsfilme, die das deutsche Fernsehen in den letzten Jahren schuf, spielt in einem Mietshaus im Osten Hamburg. Dort, wo man in endlosen Rotklinkerburgen teils noch bezahlbare Mieten stemmt und wo die sogenannten "kleinen Leute" zu Hause sind.

Ein kleiner Mann ist auch der alleinstehende Mittfünfziger Prange. Er ist den ganzen Tag daheim, woher er sein Geld bezieht, ist nicht ganz klar. Er bewohnt eine der beiden Wohnungen im Erdgeschoss, daher klingeln die Paketboten meist gleich bei ihm. So auch die kommunikativ-pragmatische Dörte (Katharina Marie Schubert), die Prange schlichtweg umhaut.

Dass dieser Prange bis dato wenig Erfahrungen mit Frauen hat, wäre noch untertrieben. Deshalb fällt das Werben des Paketannahme-Spezialisten um die Frau vom Lieferdienst auch etwas speziell aus. Kritisch beäugt von Nachbar und Konkurrent Rohde (Olli Dittrich) sucht Prange etwas ungelenk nach Themen, welche die Kontaktzeit an der Tür verlängern helfen. Auf diese Weise kommt ein erstes Date im Baumarkt zustande. Auch Dörte ist alleinstehend und findet den bodenständigen Sturkopf Prange eigentlich ganz gut.

Bald weiß das gesamte Haus um die Liebesbemühungen Pranges. Vor allem seine ungleichen Freunde und Hausmitbewohner, Lieferwagenfahrer Micki (Božidar Kocewski) und der etwa zwölfjährige "Butschi" (Samy Ghariani), der aber wie ein Erwachsener behandelt wird, geben Prange Tipps, wie man bei Dörte zum Ziel kommt. All dies zieht sich durch die Adventszeit, spitzt sich an Weihnachten zu und erlebt sein großes Finale bei einer Silvesterparty vor und im Hamburger Rotklinker-Bau.

Ein fast schon brillant beobachtetes Stück Menschlichkeit

Weil Andreas Altenburgs Geschichten das norddeutsche Timbre gleichermaßen genau, klug und witzig einfangen, versammelt die Verfilmung einige der Top-Kreativen des zeitgenössisch nordischen Humors: Dass Bjarne Mädel solche Typen wie kaum ein zweiter spielen kann, weiß man seit "Der Tatortreiniger" oder den Verfilmungen um Kommissar Sörenesen. Auch Mädels viel beachteter Film "Geliefert" steht Pate für seinen Prange, auch wenn dies ein in Bayern angesiedelter Stoff war. Im 2022 mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Werk brachte Bjarne Mädels Figur die Pakete noch selbst – nun nimmt er sie eben an. Und dass Olli Dittrich ("Dittsche") ebenso ein feiner Beobachter kleinbürgerlichen norddeutschen Lebens ist wie Regisseur Lars Jessen ("Für immer Sommer 90"), dürfte sich auch herumgesprochen haben.

"Prange – Man ist ja Nachbar" ist Tragikomik auf höchstem Niveau, die bei aller Unbill des Lebens am Ende das Gute im Menschen feiert. Hier über eine Hausgemeinschaft, die trotz extrem unterschiedlicher Herkunft und Lebensumstände zusammenhält. Es werden Pakete getauscht, Nikolaus-Auftritte organisiert oder eine große gemeinsame Silvesterparty vor der Haustür geplant.

Dabei kamen laut Regisseur Jessen insgesamt 36 Drehbuchseiten heraus, die im Treppenhaus spielen. Wunderbar sind zudem die Monologe und Dialoge von Prange und Co. – selten wird direkt gesagt, was man (emotional) ausdrücken will, sondern es wird in wortreiche Ausführungen zu Themen wie Schaumtapeten oder Sammelkarten am Baumarkt-Imbiss verpackt. Es wäre ja peinlich, dem anderen einfach zu sagen, dass man sie oder ihn mag oder gar liebt. Ein Dilemma, das dem Protagonisten erst mal das mögliche Lebensglück verhindert. Für die Zuschauer jedoch sind diese Momente ein Leckerbissen. Der Mittwochsfilm "Prange – Man ist ja Nachbar" ist wunderbares Weihnachtsfernsehen und ein fast schon brillant beobachtetes Stück Menschlichkeit.

Prange – Man ist ja Nachbar – Mi. 10.12. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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