Putins Komplizen
21.02.2023 • 20:15 - 21:00 Uhr
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Originaltitel
Putins Komplizen - Die geheime Welt der Oligarchen
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2023
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Dank dem Kreml rollt der Rubel

Von Christopher Schmitt

Sie schwelgen im Luxus und bleiben dennoch am liebsten unauffällig: Eine neue "ZDFzeit"-Dokumentation widmet sich der Bedeutung russischer Oligarchen für das Machtsystem des Kreml-Chefs Wladimir Putin und gibt Einblick in eine surreale Welt.

Auch ein Wladimir Putin ist kein Alleinherrscher: Wenn aktuell von den wichtigsten Stützen des russischen Machtapparats berichtet wird, ist meistens die Rede von vertrauten und treuen Kreml-Mitarbeitern sowie ranghohen Militärs im Ukraine-Krieg. Doch in der russischen Autokratie spielen auch ausgewählte Zivilisten eine bedeutende Rolle, Zivilisten, die in Geld schwimmen: Im Rahmen des Themenkomplexes "1 Jahr Ukraine-Krieg" entstand eine neue "ZDFzeit"-Dokumentation, welche die ebenso steinreichen wie mysteriösen Russen unter die Lupe nimmt. "Die geheime Welt der Oligarchen" von Regisseur Florian Huber läuft zur besten Sendezeit im ZDF.

Das westliche Bild der russischen Oligarchen ist geprägt von ihrem obszönen Reichtum – man denke nur an die monströse Jacht von Roman Abramovitch -, aber auch von Skandalen und einer gewissen Geheimniskrämerei. Diese Doku wirft jedoch einen Blick hinter die glamouröse Kulisse und identifiziert einige der Superreichen als Schlüsselfiguren in Putins politischem System.

Doch warum scheint ihre Loyalität zum Kreml grenzenlos zu sein? Ganz einfach: Ohne Putin haben die Oligarchen keinen Zugriff auf Öl- und Gaskonzerne, Banken und andere russische Milliardenressourcen. Dafür müssen sie jedoch auch ihren Teil des Deals erfüllen, der nicht nur aus der Finanzierung des russischen Staates besteht, sondern auch aus der Umsetzung radikaler Kreml-Pläne. Dies, so schlussfolgert diese Doku, beinhaltet auch den Angriffskrieg auf die Ukraine. "An dem Tag, als russische Truppen in die Ukraine einfielen, hat Putin alle großen Unternehmer zu sich einbestellt. Die Teilnahme war Pflicht", so der von der Krim stammende Nikolaj Petrow, der heute aus England die Mechanismen des Oligarchensystems analysiert.

Diese Menschen kamen an die Superreichen ran

Auch darin liegt der Grund für ihre Verschwiegenheit. Üblicherweise ist es schwierig, an die Superreichen heranzukommen. Sie geben nichts preis und zeigen sich kaum in der Öffentlichkeit. Allerdings gibt es durchaus Menschen, die sich mit Erfolg an ihre Fersen geheftet haben – und in "Die geheime Welt der Oligarchen" zu Wort kommen.

Der jungen österreichischen Forscherin Elisabeth Schimpfössl gelang es etwa, 80 Oligarchen zu einem persönlichen Interview zu überreden. "Ungefähr ein Drittel davon waren Milliardäre. Der Rest waren arme Reiche, Multimillionäre", erklärt die Soziologin vielsagend. Einige trifft sie in London, der heimlichen Hauptstadt der russischen Oligarchie.

Luke Harding, Reporter für den renommierten britischen "Guardian" wurde aus Russland ausgewiesen. In der Doku argumentiert der Journalist, dass Putin selbst nicht weniger als der oberste Oligarch des Landes ist. Dann ist da noch Annika Joeres, die den Fokus für das investigative Rechercheteam "Correctiv" auf die Gazprom-Lobby richtet: Ihre Spuren führen sie in deutsche Landesparlamente und Stromkonzerne, aber auch zu Sportvereinen und Musikfestivals.

"Wer braucht bitte zwei Jets?"

Wie es aussieht, wenn jedes Verhältnis zu Geld verloren geht, erfährt man von Alexandra Tolstoy. Sie ist die Exfrau von Sergej Pugatschow, bekannt als "Kassenwart des Kreml": "Es war irre, also dieser Umgang mit Geld war einfach irre", berichtet Tolstoy. "Sergej hatte zwei Privatjets und drei Jachten. Wer braucht bitte zwei Jets?"

Geld ist also reichlich vorhanden, doch wie sieht es mit der Macht aus? Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 90er-Jahren, traten die reichsten Russen noch an, um selbst die Herrschaft im Kreml zu übernehmen. Die Doku zeichnet nach, wie es dem unscheinbaren Politiker Wladimir Putin gelingen konnte, die Superreichen zu entmachten. Mehr noch: Er drängte sie in die Rolle von persönlichen Geldverwaltern, Stellvertretern und Krisenmanagern.

Im Anschluss beleuchtet auch das Politmagazin "frontal" ab 21 Uhr in einer Spezialausgabe den Krieg in der Ukraine. Die 45-minütige, monothematische Ausgabe trägt den Titel "Der Ukraine-Krieg – ein Jahr der Zerstörung" und beinhaltet sowohl Beiträge aus der Ukraine als auch aus Russland.

Putins Komplizen – Die geheime Welt der Oligarchen – Di. 21.02. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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