Reinette L'Oranaise - Von Sternennächten und Liebesliedern
27.01.2026 • 00:30 - 01:35 Uhr
Kultur, Kunst + Kultur
Lesermeinung
Reinette l'Oranaise trug dazu bei, die arabisch-andalusische Musik zu bewahren. Gleichzeitig brachte sie diese einem europäischen Publikum näher.
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Der Pianist Mustapha Skandrani im New Morning in Paris
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Der Algerienkrieg macht die algerische Jüdin Reinette l'Oranaise zur Exilantin: Für sie beginnt eine lange Zeit des Rückzugs, des fast Vergessenwerdens und der großen Einsamkeit.
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Reinette l'Oranaise spielt bei einem Konzert im New Morning auf der Oud, einem der populärsten Instrumente der arabischen Musik.
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Originaltitel
Le port des amours
Produktionsland
F
Produktionsdatum
1991
Kultur, Kunst + Kultur

Reinette L'Oranaise - Von Sternennächten und Liebesliedern

Reinette l'Oranaise wurde im algerischen Tiaret als Tochter eines marokkanischen Rabbiners und einer jüdischen Algerierin geboren. Infolge einer schlecht behandelten Pockenerkrankung verlor sie mit zwei Jahren vollständig das Augenlicht. In der Blindenschule von Algier lernte sie die Brailleschrift und das Stuhlflechten. Auf Betreiben ihrer Mutter wurde sie von Messaoud El Medioni, genannt Saoud l'Oranais, einem Sänger und virtuosen Hawzi-Geiger, zur Musikerin ausgebildet. Er führte sie in die arabisch-andalusische Musik ein und nahm sie in sein Orchester auf. Ihre erste Toneinspielung war ein Duett mit ihrem Lehrer auf Schellackplatte. Im Alter von 26 Jahren gelang ihr der Durchbruch. Zweimal wöchentlich trat sie in Sendungen von Radio Alger auf, begleitet von Musikern wie dem Klaviervirtuosen Mustapha Skandrani. Saoud l'Oranais eröffnete ein orientalisches Musikcafé in Paris und Reinette folgte ihm. Im März 1943 wurde er vom Sammellager Drancy aus deportiert und wenige Tage später im Vernichtungslager Sobibor ermordet. Kurz zuvor hatte er Reinette in sein Künstlercafé in Oran zurückgeschickt, was ihr das Leben retten sollte. In der Heimat sang sie bei jüdischen und muslimischen Familienfeiern. Doch die Karriere der algerischen Jüdin verschmolz mit der Geschichte ihres Landes: 1962, nach dem Ende des Algerienkriegs, wanderte sie nach Frankreich aus, wo für sie eine lange, schmerzliche Zeit des Rückzugs und der Einsamkeit begann. Schon fast vergessen, ließ sie sich von Maurice Hattab, Musikliebhaber und Moderator bei Radio Beur, sowie von Philippe Houmous, Journalist bei der Tageszeitung "Libération", zur Rückkehr in die Öffentlichkeit ermutigen und feierte im Théâtre de la Bastille ihr Comeback. Es folgten Auftritte im Olympia, im New Morning, im Café de la Danse und bei zahlreichen internationalen Konzerten. Am 17. November 1998 erlosch ihre Stimme für immer. Sie wurde von der Académie Charles-Cros ausgezeichnet und mit dem französischen Orden Commandeur des Arts et des Lettres geehrt.

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