Spurlos in Venedig
06.12.2025 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Thriller
Lesermeinung
„Angelo“ (Max Riemelt, li.) nimmt sich den Mafia-Anführer Paolo (Federico Mainardi, re.) vor.
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„Angelo“ (Max Riemelt, re.) möchte seine Nachbarin Sofia (Lisa Lendaro, Mitte) und ihren Sohn Luca (Ettore Rosetto, l.) beschützen.
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Sofia (Lisa Lendaro, li.) und ihr siebenjähriger Sohn Luca (Ettore Rosetto, re.) werden bedroht.
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Die mächtige „Capo“ Gaia Contarini (Jeanette Hain, li.) mit ihrem Ziehsohn Paolo (Federico Mainardi, re.).
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Originaltitel
Spurlos in Venedig
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2025
Fernsehfilm, Thriller

Eine neue, zeitgemäßere Ronja

Von John Fasnaugh

Zum Donnerdrummel! 40 Jahre nach dem heiß geliebten Originalfilm zeigte das Erste an Weihnachten 2024 eine Neuinterpretation von "Ronja Räubertochter". Nun werden die sechs Folgen der ersten Staffel wiederholt.

Als Ronja zum ersten Mal in einer stürmischen Donnerdrummel-Nacht im Turm der kahlen Mattisburg zur Welt kam, war ihre wahre Mutter bereits 74 Jahre alt. Als eines der spätesten Werke von Astrid Lindgren zählt "Ronja Räubertochter" (1981) zugleich zu ihren beliebtesten. Auch der Film von 1984, inszeniert von Tage Danielsson, gilt bis heute als großer Klassiker der Kinder-Unterhaltung. Neben dem alten "Michel aus Lönneberga" und der "Pippi Langstrumpf"-Reihe mit Inger Nilsson ist "Ronja Räubertochter" wohl die populärste Verfilmung eines Lindgren-Stoffs überhaupt. Große Fußstapfen also für eine neue, modernere Ronja, die erstmals 2024 im ARD-Weihnachtsprogramm über den Bildschirm tollte – statt eines Spielfilms ist es diesmal eine Serie, die nach sechs Folgen in Staffel eins zu Ostern 2025 um eine ebenso lange zweite Staffel verlängert wurde. Nun wiederholt das Erste die erste Staffel am Samstag, 6. Dezember, und Sonntag, 7. Dezember, im Kinderprogramm. Die zwiete Staffel aus dem Jahr 2025 wird am Samstag, 3. Januar, und Sonntag, 4. Januar 2026, wiederholt.

Ein Remake von "Ronja Räubertochter"? Da werden viele Kinder der 80-er direkt reflexartig schimpfen wie damals im Originalfilm die kleinen Rumpelwichte, als die junge Heldin ihnen versehentlich aufs Miniaturdach stieg: "Wieso denn bloß, wieso denn bloß!?" Die Kids von heute hingegen, die sich erfahrungsgemäß viel weniger für kultige Kinderfilme aus den 70-ern oder 80-ern begeistern, als ihre Eltern es sich wünschen, werden die neue Ronja schnell ins Herz schließen.

Lovis (Krista Kosonen) in den Wehen, Räuberhauptmann Mattis (Christopher Wagelin) als werdender Papa in heller Aufregung, dazu die unheilvoll über dem Turm kreisenden Wilddruden und dann der Blitz, der die Burg mit Geburt des Kindes in zwei Hälften spaltet: Die ersten Szenen wirken beinahe wie eine Eins-zu-eins-Kopie des Films von 1984 – eine von mehreren charmanten Verneigungen vor der übergroßen Vorlage. Aber vieles läuft im weiteren Verlauf dann doch anders, allein schon aufgrund des Formats.

Mehr Zeit zum Erzählen

Wo in den 120 Minuten von 1984 vieles noch arg verkürzt wirkte, ist jetzt mehr Raum zum Erzählen. Eine gute Sache, schließlich erlebt Ronja (Kerstin Linden) innerhalb und außerhalb der Burgmauern eine ganze Menge – vom ersten Auszug in den wilden Mattiswald mit all seinen wundersamen Geschöpfen über die komplizierte Freundschaft mit Birk (Jack Begenholz Henriksson), dem Sohn von Mattis' Erzfeind Borka (Sverrir Gudnason), bis zu der Episode, als Ronja in eine Bärenhöhle zieht.

Ein bisschen ausgeschmückt und ergänzt wird in den sechs Episoden der ersten Staffel (jeweils circa 45 Minuten) auch. Der Vogt (Peter Vitanen) und seine Landsknechte etwa, die Mattis und Borka mitsamt ihren Räuberbanden aus dem Wald verscheuchen sollen, fanden in bisherigen "Ronja Räubertochter"-Versionen nur indirekt statt. Hier bekommen sie und ein paar neue Figuren nun ihren eigenen Erzählstrang, der zusätzlich Action und Spannung in die Geschichte (empfohlen für ein Publikum ab zehn Jahren) bringt.

Hauptdarstellerin setzte sich gegen 4.000 Ronja-Kandidatinnen durch

Eine aufregende, fantasievolle Geschichte von Freundschaft, Selbstfindung und großer Abenteuerlust: Das Team um Regisseurin Lisa James Larsson und Drehbuchautor Hans Rosenfeldt macht vieles richtig mit seiner international produzierten Neufassung von "Ronja Räubertochter" und erzeugt auch über die gesteigerten Produktionsmittel, die heute natürlich ganz andere sind als vor 40 Jahren, echten Mehrwert.

So verzaubert "Ronja Räubertochter" in der Serienform immer wieder mit sensationell fotografierten nordischen Naturkulissen (Kamera: Frida Wendel), die es so im Film von Tage Danielsson noch nicht gab, und auch beim Casting bewies man ein gutes Händchen – vor allem mit der Hauptrollen-Besetzung von Lockenschopf Kerstin Linden, die sich gegen 4.000 andere Kandidatinnen durchsetzte und eine erstklassige moderne Räubertochter gibt. Ein bisschen vermisst man als alter "Ronja"-Fan vielleicht die Raufereien, das ständige Gefluche der Räuber und den derben anarchischen Witz von einst. Gerechtfertigt ist so eine zeitgemäß geschliffene Neuinterpretation nach 40 Jahren aber allemal. Vielleicht war sie sogar überfällig.

"Ronja Räubertochter" ist nach zwei Staffeln nun zu Ende erzählt, doch zumindest in Schweden dürfen sich Fans bereits über die nächste Neuauflage eines Astrid-Lindgren-Klassikers freuen: Eine neue Serienverfilmung von "Vi på Saltkråkan" (in Deutschland bekannt als "Ferien auf Saltkrokan") wurde Mitte Oktober in Cannes vorgestellt und feierte kurz danach Premiere in Schweden. Ob und wann die Serie in Deutschland zu sehen sein wird, ist noch nicht bekannt. In der Entwicklung befinden sich zudem eine Fernsehversion der "Brüder Löwenherz" unter Regie des dänischen Oscar-Preisträgers Thomas Vinterberg sowie eine Neuauflage von "Pippi Langstrumpf".

Ronja Räubertochter – Sa. 06.12. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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