Stadt, Land, Fluss - Bergedorf
04.08.2026 • 14:00 - 15:00 Uhr
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Originaltitel
Stadt, Land, Fluss - Bergedorf
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2021
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Stadt, Land, Fluss - Bergedorf

Bergedorf, da schwingt alle Sehnsucht des flachen Nordens nach Höhenflügen, Gipfeln und Hängen mit. Doch von Bergen keine Spur, 43 Meter Höhenlage bietet der Doktorberg und ist eher Anhöhe als alpine Erhebung. Dorf trifft nach Auffassung der Bergedorfer schon gar nicht zu. Wer hier sagt: "Ich gehe in die Stadt", begibt sich ins Zentrum von Bergedorf und nicht ins Hamburger Zentrum, deren südöstlicher Bezirk Bergedorf ist. Auch die Vier- und Marschlande mit Gemüse- und Blumenanbau prägen seit jeher Bergedorf. Mit der Sternwarte ist Bergedorf prominent auf der Weltkarte der Forschung vertreten, zum UNESCO-Kulturerbe soll das Gelände von 1906 werden, das mit seinen Kugelbauten für Teleskope wie die Kulisse zu einem frühen Science-Fiction-Film wirkt. Dass Bergedorf im republikanischen Hamburg ein veritables Schloss aufweist, ist bemerkenswert und oft genug Besuchsgrund. Das Backsteingemäuer an der Bille mitten in Bergedorf soll ein neues Restaurant bekommen: Gastwirt Andreas Kilonzo und Koch Philipp Stiller haben die Konzession erhalten und wollen, trotz aller Widrigkeiten, hier ihren gastronomischen Traum verwirklichen. Auf dem Höhepunkt der Coronapandemie haben sie in 300 Meter Luftlinie schon ein Café in einem ehemaligen Kiosk übernommen und erfolgreich zum kleinen, aber feinen Treffpunkt für Feinschmecker verwandelt: am Serrahn, dem Hafen Bergedorfs. Ehemals war der Serrahn lebendiger Umschlagplatz für Holz, Früchte und Gemüse, die über den Schleusengraben nach Hamburg verschifft wurden, später für die Erzeugnisse der industriellen Betriebe, die sich in Bergedorf angesiedelt hatten. Ein historischer Ladekran erinnert an den regen Frachtverkehr von damals, doch heutzutage ist der Serrahn Startpunkt für touristische Fahrten der Bergedorfer Schifffahrtslinie und der Alstertouristik in die Vier- und Marschlande. Entlang der Deiche geht es durch die idyllische Landschaft, den Blumen- und Gemüsegarten Hamburgs. Peter Meyer betreibt hier seinen Gemüseanbau, sein Land wird von der 1978 gebauten Marschenautobahn durchschnitten. Nach etlichen Generationen wird er wohl der Letzte sein, der hier vom Anbau lebt und den Wochenmarkt in Bergedorf versorgt. Dort hat er seine Lebensgefährtin Nicole gefunden: Die Möhren waren alle und er lieferte sie ihr prompt nach Hause. Es funkte gewaltig. Sportlich lag Bergedorf einst weit vorn, sozialistische Arbeiterinnen und Arbeiter gründeten hier den Freien Wassersportverein Vorwärts, der immer noch besteht. Im Fußball war das Billtalstadion ein wesentlicher Ort: 1952 kickte hier die indische Nationalmannschaft barfuß und freundschaftlich gegen den HSV. Fußballlegende Uwe Seeler erinnert sich an die Begegnung mit dem FC Bergedorf 85 vor über 25.000 Zuschauern im Jahr 1958. Zeitzeuge des "Schicksalsspiels" der Bergedorfer gegen den FC Bayern München im Pokal, in dem die Bergedorfer Elstern bis zur 89. Minute führten und dann doch noch hoch verloren haben, ist Künstler, Schlagzeuger und Clubbetreiber Jörn Möller. Er kann sich immer noch ereifern über den umstrittenen Untergang der Underdogs in den schwarz-weißen Trikots. In einer ehemaligen Fabrik veranstaltet er Jazz- und Theaterevents von internationalem Zuschnitt, gleich gegenüber den Hauni-Werken des großen Bergedorfer Entrepreneurs und Förderers Kurt Körber. Geschichten aus einem lebendigen Stadtteil zwischen Villeneleganz und Bausünden, zwischen Tradition, Neuerung und Wachstum. Mit Oberbillwerder soll im Bezirk Bergedorf das nach der Hafencity zweitgrößte Stadtentwicklungsprojekt Hamburgs entstehen, auf 124 Hektar sind bis zu 7000 Wohnungen und 5000 Arbeitsplätze geplant. Gefürchtet und ersehnt zugleich. Bergedorf mit Stadt, Land und Fluss.

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