Tatort
24.11.2019 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
Lesermeinung
Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer Das "Tatort"-Team aus Österreich: Adele Neuhauser ermittelt als "Bibi Fellner", Harald Krassnitzer als "Moritz Eisner".
Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer
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Valli Granitzer (Verena Altenberger).
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v.li.: Hilde Tribusser (Karin Kienzer), Klaus Tribusser (Alexander Linhardt), Johanna Tribusser (Caroline Frank).
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v.li.: Moritz Eisner (Harald Krassnitzer), Alois Feining (Karl Fischer).
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Produktionsland
A
Produktionsdatum
2019
Serie, Krimireihe

Eiche rustikal

Von Jens Szameit

Die Wiener Ermittler auf landschaftlich reizvollen Abwegen: In Kärnten wurde ein unbeliebter "Holzbaron" gemeuchelt. Traditioneller kann ein "Tatort" nicht sein.

Man sollte dem neuen "Tatort" aus Österreich nicht mit überbordender Erwartungshaltung begegnen. Wenn man es peinlich genau nimmt, unterläuft er sogar die Minimalanforderung an einen Sonntagskrimi der ARD. "Leiche wär jetzt a bissl übertrieben", entgegnet der Streifenpolizist fast entschuldigend den gerade eingetroffenen Ermittlern Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser). Zu besichtigen gibt es lediglich ein handtellergroßes Stück Metall. "Implantat, Schultergelenk." Der Rest vom seit Tagen abgängigen "Holzbaron" der Bergregion ist offenbar im firmeneigenen Heizkessel zu Asche zerfallen. Das geht ja dürftig los.

Immerhin: Landschaftlich ist die Folge "Baum fällt" von schwer zu schlagendem Idyllwert. Kein denkbarer Kranschwenk wurde ausgelassen, um die Berge und Täler Kärntens so malerisch in Szene zu setzen, wie sie ja fraglos sind. Eisner stapft am Fuße des Großglockners trotzdem umeinand mit einer Laune wie eine Gerölllawine. Der Wiener Oberstleutnant, der ja immer mal wieder quer durch die Alpenrepublik gescheucht wird, sieht nicht recht ein, warum er den Provinzmenschen dabei helfen soll, das Verschwinden des allseits verhassten Juniorchefs eines Holzunternehmens aufzuklären. Natürlich stecken wieder Spezl-Netzwerke dahinter – der Holzbaron Senior ist mit dem Polizeipräsidenten befreundet und hat dessen "beste Leute" zur Klärung des Falls bestellt.

Man kriegt nicht immer, was man will

In schönstem Kontrast zum Alpenidyll faucht Eisner: "Unterm Strich hamma nix außerm nackerten Schultergelenk aus Titan, keine Beweise, keinen Tatort, keine Tatzeit, nix." Doch die Verzweiflung lichtet sich schnell. Ein Kreis an Verdächtigen steht alsbald übersichtlich da wie ein Fichtenforst. Ein Naturschützer, der militant dem Waldkahlschlag trotzt. Verflossene Liebschaften, verzweifelte Schuldner. Das alles ist erstklassig besetzt. Mit Verena Altenberger mischt sogar die neue "Polizeiruf 110"-Kommissarin aus München mit. Und in Karl Fischer trifft Harald Krassnitzer auf einen alten Weggefährten der seligen "Winzerkönig"-Serie.

Auch im "Tatort" verkörpern die beiden zwei Spezl aus lang verflossenen Tagen. Hier der grummelnde Weitermacher Eisner aus Wien, dort der buddhistische Lebensweisheiten zitierende Heimkehrer Alois Feining, der für ein bisschen Frieden im Lebensherbst die Kriminalerkarriere geopfert hat und nun uniformiert einem Dorfrevier vorsteht. Es gehört nicht zum Originellsten, aber zum Schönsten dieses Alpenkrimis, wie die beiden bei Flaschenbier und Tischfußball verpassten Lebenschancen nachtrauern und die Rolling Stones intonieren, so schief, dass sich die Dachbalken biegen.

Der Rest dieses Films (Buch: Agnes Pluch, Regie: Nikolaus Leytner) ist solide wie eine Eichengarnitur und traditionell wie die Hirschgeweihe, die stumm von den Zimmerwänden grüßen. Kein Grund zu klagen also. Ist ja nicht das Problem des ORF-"Tatorts", dass man sich von Donaudreamteam immer das Besondere erwartet. Oder wie es Eisner lebensweise zur einschlägigen Stones-Melodie kräht: "You can't always get what you want – eh kloar!"


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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