Tatort
20.11.2022 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
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Produktionsland
D
Produktionsdatum
2022
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Dresdener Verschwörungstheoretiker

Von Eric Leimann

Im neuen Dresdener "Tatort: Katz und Maus" geht es um Verschwörungstheoretiker und jene Menschen, die mit "alternativen Fakten" Geschäfte machen. Wie sehr darf sich die Polizei auf die irre Welt der Straftäter einlassen? Dies diskutiert ein atemloser Sachsen-Thriller mit Tiermasken.

Während die Fußball-WM in Katar nun unglaublicherweise tatsächlich ins Rollen kommt, geht man auch knapp 6.000 Kilometer weiter nördlich von unfassbaren Geschehnissen aus: Ein Straftäter – oder ist er ein Volksheld? – in Mausmaske hat in Dresden eine Boulevardjournalistin entführt. Er verlangt per Videobotschaft von der Polizei rund um die Ermittelnden Karin Gorniak (Karin Hanczewski), Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel), dass 150 in Sachsen entführte Kinder befreit werden müssen. Die sollen angeblich in einem Dresdner Keller gefangen gehalten werden. Ist diese Maus verrückt, oder hat die unglaubliche Behauptung einen ernsten Hintergrund? Chef Schnabel wendet sich in einem eindringlichen TV-Appell an den offenbar "werteorientierten" Täter, um das Leben der Geisel zu retten. Bald jedoch wird er selbst zum Opfer einer Entführung.

Für Schnabels Mitarbeiterinnen steigt nun der Druck, Lösungen in einer Verhandlung zu finden, die mit jemandem geführt werden, der normalen Argumenten nicht zugänglich scheint. Die Maus scheint in ihrer eigenen Welt zu leben. Doch wie sehr darf sich die Polizei auf eben diese Welt einlassen, um zum Erfolg zu kommen? Und was hat das alles mit dem über die Entführung seiner Tochter zerbrochenen Paar Michael Sobotta (Hans Löw) und Nathalie Kissel (Christina Hecke) zu tun? Oder auch mit dem findigen jungen Verschwörungstheorie-Unternehmer Holger Kirbach (Paul Ahrens), der als "Grinsekatze" offenbar auch für den Entführer eine wichtige Wahrheits-Instanz darstellt?

Der Regisseur ist 29: Jugendrekord beim "Tatort"

Einer der besten Dialoge des neuen Dresdener "Tatorts" findet während der Ermittlungen bei besagter "Grinsekatze" statt. Es handelt sich dabei um einen blutjungen Unternehmer, der offenbar selbst nicht an seine Enthüllungen und Theorien glaubt, sondern "Informationen" lediglich als biegsame Handelsware begreift. Da heißt es dann: "Das Beste an Verschwörungstheorien ist ihre Unwiderlegbarkeit. Wenn keine Beweise existieren, ist das gleichzeitig der Beleg für die Existenz der Konspiration." Woraufhin die Kommissare entsetzt fragen: "Das heißt, der beste Beweis ist gar keiner?" Daraufhin die "Grinsekatze": "Das klingt absurd, aber es stimmt. Und es ist gleichzeitig der beste Weg, Traffic zu generieren." Um Gedanken wie diese auf unterhaltsame Art zu beleuchten, hat das "Tatort"-Autorenteam Stefanie Veith und Jan Cronauer dem Film eine etwas zu volle Thrillerhandlung verschrieben, die vielleicht ein oder zwei Wendungen zu viel enthält, um vollends glaubwürdig zu sein. Sehenswert ist der Film ob seines Themas und der optisch schicken Inszenierung dennoch.

Gedreht hat den Sachsen-Thriller der damals erst 29 Jahre alte Regisseur Gregory Kirchhoff: ein Jugendrekord beim "Tatort". "Katz und Maus" ist ein solider Spannungskrimi mit verlockenden Bildern, die sichtbar am einflussreichen Thrillerkino des David Fincher ("Gone Girl") geschult sind. Beim Dresdener "Tatort", wo man seit längerer Zeit Thrillermotive des US-Kinos schätzt, ist diese Genre-Idee mal wieder auf fruchtbaren Boden gefallen. Überhaupt ist das Thema des "Tatorts" und seine Ansiedlung im sächsischen Raum die vielleicht die größte Stärke eines Krimis über Fakten und Realitäten, die mitunter zu schmerzhaft scheinen, um von traumatisierten Menschen ertragen werden zu können.

Doch was macht die Polizei, was machen wir mit einer solchen Gemengelage aus wirren, aber "unumstößlichen" Behauptungen? "Katz und Maus" spielt ein paar Möglichkeiten zu reagieren durch – in Form eines spannenden, wenn auch alles andere als perfekten Thrillers. Der Plot hätte diesmal ruhig etwas "kleiner" und in Bezug auf den Täter psychologischer ausfallen dürfen, um so vielleicht noch mehr Wucht zu entfalten.

Tatort: Katz und Maus – So. 20.11. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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