Tunnel der Freiheit
Info, Zeitgeschichte • 28.07.2021 • 23:00 - 00:30
Lesermeinung
Sie schufen den "Tunnel der Freiheit": Joachim Rudolph ("Der Kleine", rechts) und Luigi Spina (Mimo) beim Graben.
Vergrößern
 Hasso Herschel gehörte zu jenen, die den Tunnel planten und gruben.
Vergrößern
Hasso Herschel, inzwischen Mitte 80, wird in seinem Zuhause in der Uckermark besucht.
Vergrößern
 Alte NBC-Bilder liefern Einblicke in den 135 Meter langen Tunnel.
Vergrößern
 Der Italiener Domenico Sesta ("Mimo") vereinbarte mit der NBC einen Deal über die Filmrechte.
Vergrößern
Archivaufnahmen zeigen auch Alltagsbilder der Beteiligten: Peter Schmidt und seine Tochter in ihrem Haus in Ostberlin.
Vergrößern
Eindrucksvolle Bilder der Flucht: Domenico Sesta (zweiter von rechts) begrüßt Evelyne Schmidt.
Vergrößern
Originaltitel
Tunnel der Freiheit
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
Info, Zeitgeschichte

Eindrucksvolle Bilder: Durch den Fluchttunnel in den Westen

Von Maximilian Haase

Nach dem Schock des Mauerbaus gruben Westberliner Studenten einen Tunnel, der 29 Ostberlinern die Flucht in den Westen ermöglichte. Die Doku "Tunnel der Freiheit" erzählt ihre spannende Geschichte anhand beeindruckenden Archivmaterials, das in HD restauriert wurde.

"Eine Beleidigung gegen die Menschheit", nannte US-Präsident John F. Kennedy den Bau der Mauer bei seiner legendären "Ich bin ein Berliner"-Rede am 26. Juni 1963 in West-Berlin. Knapp zwei Jahre zuvor hatte die DDR die Sektorengrenzen in der geteilten Stadt schließen lassen und die Errichtung eines im Propagandajargon sogenannten "Antifaschistischen Schutzwalls" angeordnet. Familien wurden getrennt, Menschen an der Ausreise gehindert. Eine Gruppe Studenten aus dem Westen stellte sich dagegen – und grub einen Tunnel, der 29 Menschen zur Flucht aus Ost-Berlin verhelfen sollte. Die neu aufgelegte Dokumentation "Tunnel der Freiheit", die mit den mahnenden Worten Kennedys beginnt, erzählt im Ersten nun ihre Geschichte.

Über vier Monate lang hoben die 41 Studenten den 135 Meter langen Tunnel aus. Sie riskierten ihr Leben, um Freunde, Partner und Verwandte aus dem abgeschotteten Osten zu sich zu holen. Das Wagnis gelang im Sommer 1962. Was heute nicht außergewöhnlich wäre, war damals spektakulär: Bau und die Flucht wurden von Filmkameras begleitet. Denn die Gruppe war nach 20 Metern des Tunnelbaus pleite, vom Verkauf der Filmrechte erhoffte man sich eine Finanzierung der Grabungen. Veräußert wurden Rechte an dem hochpolitischen Abenteuer an den US-amerikanischen Fernsehsender NBC, der das atemberaubende 16mm-Material im Dezember 1962 vor Millionenpublikum ausstrahlte.

1999 erzählte der viel beachtete Dokumentarfilm "Der Tunnel" – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen deutschen Spielfilm, in dem die Geschichte 2001 mit Heino Ferch in der Hauptrolle verfilmt wurde – von der Flucht, samt Interviews mit Tunnelbauern und Zeitzeugen, unterlegt mit NBC- und weiterem historischem Filmmaterial, das man zuvor auf einem Dachboden eines Beteiligten gefunden hatte. Über 20 Jahre später zeigt nun "Tunnel der Freiheit" die Story neu verfilmt als Remake in HD und im Cinescope-Format. Derart aufbereitet lassen gerade die Filmsequenzen aus den 60er-Jahren eine Nähe zu, wie man sie in historischen Dokumentationen selten erlebt.

Beeindruckendes Filmmaterial

Man sieht, wie weinende Mütter ihre Kleinkinder im Westen in Empfang nehmen, wie Menschen sich nach gelungener Flucht in die Arme schließen. Aber auch, wie die Tunnelbauer zuvor tagtäglich schufteten, und wie sie abseits davon ihren Alltag in dem jungen geteilten Land verlebten. Eine der mitreißendsten Geschichten ist jene von Klaus und Inge Stürmer, deren gemeinsamer Fluchtversuch 1961 misslingt. Er schafft es in den Westen, sie wird – schwanger und Mutter eines Kindes – im Osten zu einer Haftstrafe verurteilt. Schließlich arbeitet er am Tunnel mit und holt seine Liebsten in den Westen.

Für die Dokumentation konnten die Filmemacher die Stürmers, heute über 80 Jahre alt, treffen, interviewen und mit ihnen gemeinsam die alten Ausschnitte anschauen. Zu Wort kommt auch der berühmte Hasso Herschel, der die Fluchtwilligen koordinierte und in den Folgejahren hunderten Menschen auch auf andere Weise zur Flucht in den Westen verholfen haben soll. Heute ist er Mitte 80 und lebt in der Uckermark, wo das Filmteam ihn besuchte.

Andere Beteiligte am Fluchttunnel sind mittlerweile gestorben. So auch die beiden Italiener Mimmo und Gigi, die damals den Vertrag mit der NBC abschlossen und durch den Tunnel ihrem Kumpel Peter Schmidt helfen konnten. Berührende Interviews sowie Begegnungen zwischen den Freunden aus Ost und West zeigt das ebenfalls verbesserte Filmmaterial aus den 90-ern. Andere selten gezeigte Archivaufnahmen, TV-Ausschnitte und Privatbilder illustrieren den historischen Hintergrund im Kalten Krieg. So lebt der Film von Marcus Vetter vor allem von seinem beeindruckenden Material, seinen Emotionen und Protagonisten – und von seiner in Zeiten weltweiter Fluchtrouten und abgeriegelter Staaten zeitlosen Thematik. Der Drang nach Freiheit ist schließlich universell.

Tunnel der Freiheit – Mi. 28.07. – ARD: 23.00 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
top stars
Oscar-Preisträgerin Brie Larson.
Brie Larson
Lesermeinung
Macht nicht nur als Jackson „Jax“ Teller eine gute Figur: Charlie Hunnam
Charlie Hunnam
Lesermeinung
Mit Bertolucci kam der Durchbruch: Liv Tyler.
Liv Tyler
Lesermeinung
Einer der renommiertesten Charakterdarsteller Frankreichs: Daniel Auteuil.
Daniel Auteuil
Lesermeinung
Schauspieler Chris Evans.
Chris Evans
Lesermeinung
Max Mauff in dem BR-Tatort "Kleine Herzen"
Max Mauff
Lesermeinung
Adelt jede Serie, jedes TV-Spiel: Charakterkopf Lambert Hamel
Lambert Hamel
Lesermeinung
Action-Star aus Deutschland: Antje Traue.
Antje Traue
Lesermeinung
Das beste aus dem magazin
Wenn eine Erkältung in den Knochen steckt, dann helfen oft Hausmittel.
Gesundheit

Die besten Sofort-Tipps gegen Erkältung

Beneidenswerte Eskimos! Von Erkältungen wird das Polarvolk höchst selten heimgesucht. Schön, wenn es uns auch so erginge. In unseren Breiten gehört die Erkältung in Herbst und Winter einfach dazu - mitsamt laufender Nase, kratzendem Hals und rasselnden Bronchien. Doch was hilft wirklich, bevor es so schlimm kommt, dass nur noch der Arzt weiter weiß?
"Volle Kanne"-Moderator Florian Weiss.
HALLO!

Florian Weiss: "Ich brauche nicht so viel Schlaf"

Bei "Volle Kanne – Service täglich" begrüßt Florian Weiss prominente Gäste am Fernseh-Frühstückstisch und präsentiert aktuelle und soziale Themen, Garten- sowie Gesundheitsinfos. Mit welchem Gast er bei "Volle Kanne" gerne mal frühstücken würde, hat er prisma im Interview verraten.
Prof. Dr. med. Boris Hadaschik ist Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Essen.
Gesundheit

Vergrößerte Prostata: Nicht jeder ist gleich ein Patient

Plötzlicher, starker Harndrang, der uns nachts um den Schlaf bringt: Bei Männern ist es meist eine vergrößerte Prostata, die solche Beschwerden verursacht.
Gesundheit

Fünf Portionen Obst und Gemüse täglich

Immer mehr Menschen informieren sich in den Medien über Gesundheitsfragen. Und der Anteil derer, die vorbeugende Präparate nutzen, ist laut Umfragen der GIK von 2013 bis 2020 um 18 Prozent gestiegen. Eine der besten Methoden, etwas für die Gesundheit zu tun, ist eine pflanzenbasierte Ernährung.
Das alte Gefängnis in Bauzen ist heute eine Gedenkstätte.
Nächste Ausfahrt

Bautzen-Ost: Gedenkstätte Bautzen

Auf der A 4 von Görlitz nach Bad Hersfeld begegnet Autofahrern nahe der AS 90 das Hinweisschild "Gedenkstätte Bautzen". Wer die Bahn hier verlässt und sich Richtung Zentrum hält, gelangt zum ehemaligen Gefängnis Bautzen II.
Hat auch als Rocker keine Berührungsängste mit den klassischen deutschen Schlager-Hits: Martin Goldenbaum von Brenner.
HALLO!

Martin Goldenbaum: "Der Schlager ist offen für alle Stilrichtungen"

Die Band Brenner hat sich mit ihrem neuen Album "Rockschlager" an die Neuinterpretation unterschiedlicher Schlager gewagt. Ein Ansatz, der nicht neu ist, von der Band aber konsequent umgesetzt wird. prisma hat mit Sänger und Gitarrist Martin Goldenbaum über seine Liebe zum deutschen Schlager und seine Erinnerungen an die Wende gesprochen sowie die Frage geklärt, ob die Ramones nicht vielleicht auch ein bisschen Schlager sind.