Unser Wunschkind und der Krieg
06.09.2022 • 22:15 - 22:45 Uhr
Info, Gesellschaft + Soziales
Lesermeinung
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Originaltitel
Unser Wunschkind und der Krieg - Leihmutterschaft in der Ukraine
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2022
Info, Gesellschaft + Soziales

Mit dem Kinderwagen durchs Kriegsgebiet

Von Franziska Wenzlick

Weil Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist, greifen viele Paare mit Kinderwunsch auf Angebote in der Ukraine zurück. Eine ZDF-Dokumentation zeigt, wie der Krieg das Geschäft mit der Schwangerschaft verändert hat.

Der Alltag ist zurückgekehrt: Für viele Deutsche ist der Krieg in der Ukraine längst wieder in den Hintergrund gerückt. Nicht so für Sven und Doreen. Denn ausgerechnet im kriegsgebeutelten Land soll für das Paar aus dem sächsischen Neukirchen ein Herzenswunsch in Erfüllung gehen. Die Ukraine sei "ihre letzte Hoffnung auf ein eigenes Kind" gewesen, erzählen die beiden in der "37°"-Dokumentation "Unser Wunschkind und der Krieg – Leihmutterschaft in der Ukraine". Und tatsächlich: Lena, die kleine Tochter der beiden, wird gesund geboren. Zur Welt gebracht hat sie Anna, eine ukrainische Leihmutter – während des Krieges.

Nach sechs erfolglosen künstlichen Befruchtungen versuchten Sven und Doreen 2021 ihr Glück mit Leihmutterschaft, die in der Ukraine (im Gegensatz zu Deutschland) legal und (im Gegensatz zu den USA) finanziell tragbar ist. Etwa 45.000 Euro zahlen ungewollt Kinderlose im Schnitt für eine ukrainische Leihmutterschaft. In den Vereinigten Staaten belaufen sich die Kosten häufig auf Summen im dreistelligen Bereich.

Traumjob oder traumatische Erfahrung?

Vier Wochen lang müssen Sven und Doreen nach der Geburt ihrer Tochter in der Ukraine bleiben. Während wenige Kilometer entfernt Bomben einschlagen, ist das deutsche Paar mit Behördengängen beschäftigt. Auch die Filmemacherin Bettina Wobst ist für ihre ZDF-Dokumentation mit in die Ukraine gereist. Sie zeigt die junge Familie beim ersten gemeinsamen Spaziergang, der an Sandsäcken vorbeiführt. Im Hintergrund ist ein Sirenenalarm zu hören.

So absurd derartige Bilder auch anmuten: Sven und Doreen nehmen das Risiko gerne in Kauf. "Viele haben gefragt, warum gebt ihr nicht auf? Aber wir konnten nicht. Wir haben uns so sehr ein Kind gewünscht!", erklärt Doreen. Auch aus Sicht vieler Leihmütter ist die kommerzielle Schwangerschaft ein Segen. "Mir macht es einfach Freude, Paaren, die kinderlos sind, ein Baby zu schenken. Und ich kann damit meiner eigenen Familie helfen und uns etwas aufbauen", sagt beispielsweise Olena, die während den Dreharbeiten ebenfalls gerade ein Kind für deutsche Eltern austrägt. Für sie ist die Leihmutterschaft eine willkommene Gelegenheit, die eigene Familienkasse aufzustocken.

Nicht alle Leihmütter, die Wobst in ihrem Film zu Wort kommen lässt, sind so glücklich wie Olena. Viktoria etwa bereut ihre Entscheidung zutiefst. Während sie in Kiew das Kind eines deutschen Paares zur Welt brachte, wurde die ukrainische Hauptstadt mit Raketen angegriffen. Sieben Tage musste sie danach noch mit dem Neugeborenen verbringen, da es aufgrund des Krieges nicht möglich war, das Kind früher abzugeben – ein durch und durch traumatisches Erlebnis, wie Viktoria berichtet. Seither steht für sie fest: Sie will nie wieder Leihmutter sein.

"37°: Unser Wunschkind und der Krieg Leihmutterschaft in der Ukraine" – Di. 06.09. – ZDF: 22.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

Ein Paar steht im Sonnenuntergang am Strand und hat sich in den Armen.
Reise

Ein schöner Urlaub für alle: Barrierefrei reisen

Barrierefreies Reisen ist für Menschen mit verschiedenen Einschränkungen möglich. Ob Unterkunft, Sehenswürdigkeiten oder Mobilitätsservice – "Reisen für alle" bietet die passende Lösung.
Das Buch „Nimm den Zwängen die Macht. Zwangsstörungen und Zwangsgedanken verstehen, sich ihnen stellen und Freiheit zurückgewinnen “
Gesundheit

Für Sie gelesen: "Nimm den Zwängen die Macht"

Zwangsstörungen belasten Betroffene und sind oft schwer nachvollziehbar. Ein neuer Ratgeber erklärt die Unterschiede zwischen Marotten und krankhaften Zwängen und gibt wertvolle Tipps zur Überwindung.
Midge Ure guckt in die Ferne.
HALLO!

Midge Ure: "Es ist entweder mutig oder komplett verrückt"

Midge Ure, ehemaliger Frontmann von Ultravox, kehrt mit einem neuen Doppel-Album zurück. Im Interview spricht er über seine musikalische Entwicklung, den Einfluss von Kraftwerk und seine Entscheidung für ein Doppel-Album.
Professor Dr. Sven Ostermeier
ist Facharzt für Orthopädie und 
Unfallchirurgie, Sportmedizin, 
Chirotherapie und spezielle 
orthopädische Chirurgie. Der 
Schulter- und Knie-Experte arbeitet als leitender Orthopäde 
der Gelenk-Klinik Gundelfingen. 
Außerdem ist er Instruktor der  Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA).
Gesundheit

E-Bike oder Fahrrad: Was ist besser für Rücken, Knie und Gelenke?

E-Bikes gelten als gelenkschonend und bequem. Doch sind sie auch genauso gut für Knochen und Gelenke wie klassisches Radfahren?
Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser ist Oberarzt 
und Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie am Sana-Klinikum Remscheid und bekannt als „Doc Esser“ in TV, 
Hörfunk und als Buchautor.
Gesundheit

Wer viel misst, misst Mist

Selbsttests in Drogeriemärkten versprechen schnelle Diagnosen durch Künstliche Intelligenz. Doch wie zuverlässig sind diese Tests wirklich? Dr. Heinz-Wilhelm Esser, bekannt als "Doc Esser", erklärt die Risiken und betont die Bedeutung ärztlicher Erfahrung.
Martin Brambach im Anzug.
Star-News

Martin Brambach über seine Rolle als Ronnie im "Tatort": "Es ist schwer, eine gute Rolle loszulassen"

Martin Brambach macht nicht nur als Tatort-Ermittler eine gute Figur. In „Mit Herz und Hilde“ spielt er Ronnie, einen Mann, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird, dabei aber gleichzeitig die Gegenwart nicht aus den Augen verliert.