Young@Heart

  • Der Doku-Film "Young@Heart" begleitet den wohl ältesten Punkrock-Chor der Welt und zeigt: Man kann auch im hohen Alter noch richtig cool sein. Vergrößern
    Der Doku-Film "Young@Heart" begleitet den wohl ältesten Punkrock-Chor der Welt und zeigt: Man kann auch im hohen Alter noch richtig cool sein.
    Fotoquelle: BR / Telepool GmbH / Brandy Eve Allen
  • Ihre Tour führt den Chor auch zu einem Auftritt vor Gefängnisinsassen. Vergrößern
    Ihre Tour führt den Chor auch zu einem Auftritt vor Gefängnisinsassen.
    Fotoquelle: BR / Telepool GmbH / Brandy Eve Allen
  • Chorgründer Bob Cilman hat Großes auf die Füße gestellt. Dazu waren vor allem Fleiß und eine Prise erfrischender Ehrlichkeit nötig. Vergrößern
    Chorgründer Bob Cilman hat Großes auf die Füße gestellt. Dazu waren vor allem Fleiß und eine Prise erfrischender Ehrlichkeit nötig.
    Fotoquelle: BR / Telepool GmbH / Brandy Eve Allen
  • Keine jungen Hüpfer: Voraussetzung, um dem Chor beitreten zu dürfen, ist übrigens ein Mindestalter von 60 Jahren. Vergrößern
    Keine jungen Hüpfer: Voraussetzung, um dem Chor beitreten zu dürfen, ist übrigens ein Mindestalter von 60 Jahren.
    Fotoquelle: BR / Telepool GmbH / Brandy Eve Allen
  • Stan Goldman (75 Jahre, rechts) singt gemeinsam mit Dora Morrow (83 Jahre, Mitte) den Song "I Feel Good". Und das, obwohl beide von gesundheitlichen Problemen geplagt sind. Vergrößern
    Stan Goldman (75 Jahre, rechts) singt gemeinsam mit Dora Morrow (83 Jahre, Mitte) den Song "I Feel Good". Und das, obwohl beide von gesundheitlichen Problemen geplagt sind.
    Fotoquelle: BR / Telepool GmbH / Brandy Eve Allen
  • It's stagetime: Steve Martin, 78 Jahre alt, gibt auf der Bühne seine gesanglichen Fähigkeiten zum Besten. Vergrößern
    It's stagetime: Steve Martin, 78 Jahre alt, gibt auf der Bühne seine gesanglichen Fähigkeiten zum Besten.
    Fotoquelle: BR / Telepool GmbH / Brandy Eve Allen
  • Ein bisschen Bühnenshow gehört natürlich auch dazu: Dora Morrow schwingt gemeinsam mit Stan Goldman (rechts) die Hüften. Vergrößern
    Ein bisschen Bühnenshow gehört natürlich auch dazu: Dora Morrow schwingt gemeinsam mit Stan Goldman (rechts) die Hüften.
    Fotoquelle: BR / Telepool GmbH / Brandy Eve Allen
  • Das Ende ist in Sicht, Aufgeben kommt trotzdem nicht in Frage: Chormitglied Fred Knittle im Video zu "Road To Nowhere". Vergrößern
    Das Ende ist in Sicht, Aufgeben kommt trotzdem nicht in Frage: Chormitglied Fred Knittle im Video zu "Road To Nowhere".
    Fotoquelle: Senator
  • Fred Knittle begeistert die Zuschauer mit einer gravitätischen Live-Version des Colplay-Songs "Fix You". Rechts: die inzwischen verstorbene Chorsängerin Eileen Hall. Vergrößern
    Fred Knittle begeistert die Zuschauer mit einer gravitätischen Live-Version des Colplay-Songs "Fix You". Rechts: die inzwischen verstorbene Chorsängerin Eileen Hall.
    Fotoquelle: Senator
Spielfilm, Dokumentarfilm
Der Punk der späten Jahre
Von Johann Ritter

Infos
Originaltitel
Young@Heart
Produktionsland
Großbritannien / USA
Produktionsdatum
2007
Kinostart
Do., 02. Oktober 2008
DVD-Start
Do., 05. März 2009
BR
Mi., 24.10.
22:45 - 00:25


Zwischen Proberaum und Sterbebett: eine anrührende und würdevolle Dokumentation über den vermutlich ältesten Punkrock-Chor der Welt.

"Werden sie's mögen?", fragt Dokumentarfilmer Stephen Walker verdutzt Chorleiter Bob Cilman. Der hat als neuen Song für sein Greisenensemble Young@Heart das Feedback-geladene Sonic-Youth-Stück "Schizophrenia" ausgewählt. "Nein", entgegnet der lachend, seine Schützlinge werden es vermutlich hassen. Durch müssen sie trotzdem. Sehr schnell wird so ersichtlich, wie der Gegenstand der Musikdokumentation "Young@Heart" beschaffen ist. Hier geht es nicht darum, einen Mythos über unverwüstliche Punkveteranen zu schreiben. Und genauso wenig darum, ein behagliches Beschäftigungsprojekt für Senioren vorzustellen. Bei "Young@Heart" fließen Schweiß und Tränen, die Tonart ist bisweilen ruppig, doch jeder Einzelne weiß, dass die Mühe lohnt. Beim BR gibt es diese bemerkenswerte Dokumentation nun zu sehen (22.45 Uhr).

75 Jahre zählt das jüngste Chormitglied, 93 Jahre das älteste. Im Roadmovie-Stil stellt Regisseur Walker seine verstreut im ländlichen Massachusetts lebenden Protagonisten vor: ihre kleinen Zipperlein und ernsthaften Gebrechen, vor allem aber ihren profunden schwarzen Humor. Den haben die singenden Rentner jedoch auch dringend nötig. Denn im Proberaum mit ihrem erfrischend respektlosen Schleifer Bob wird so lange eisern geübt, bis Songs wie "Life During Wartime" der Talking Heads oder der Ramones-Klassiker "I Wanna Be Sedated" wundersam mit neuer Bedeutung aufgeladen sind.

Alles andere als eine dröge Benefiz-Veranstaltung, hat sich Young@Heart in den USA zu einem erstaunlichen Erfolgsmodell entwickelt, was ausverkaufte Konzerte in unterschiedlichen Städten belegen. Beim Auftritt vor Gefängnisinsassen kommt sogar ein wenig "Folsom Prison"-Feeling auf. Doch anstatt die Raubeine aufzustacheln, wie weiland Johnny Cash, rühren die Alten sie mit einer Abschiedshymne an ihren kurz zuvor verstorbenen Kollegen Bob Salvini fast zu Tränen.

Bei all dem widersteht Regisseur Walker der Versuchung leider nicht, sich selbst bisweilen unnötig ins Geschehen zu drängen. Dabei gewinnen die Ereignisse vor seiner Kamera ganz von selbst eine menschliche, anrührende Tiefe. Nur vier Tage nach Salvini verstarb mit Joe Benoit ein weiteres Chormitglied während der Dreharbeiten. So fängt Walker die eindrücklichste Szene seiner tragisch-süffisanten, gleichsam zwischen Proberaum und Sterbebett pendelnden Dokumentation mit ironischer Distanz ein: Vor seiner starren Linse parkt ausgerechnet ein knallgelber Schulbus, in dem der greise Chor vom Tod seines Freundes Bob Salvini erfährt. Danach geht die muntere Reise auf der "Road To Nowhere" weiter. Die war schon für die Talking Heads weiß Gott kein Anlass zum Verzagen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Eine Filmkritik sowie weitere Infos zu "Young@Heart" finden Sie hier.


Werbepause? Zeit für Spielchen!

Der Trailer zu "Young@Heart"

Darsteller

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