22. Juli 1934: Vor einem Theater in Chicago stirbt im Kugelhagel des FBI ein Mann namens John Dillinger, gesucht als Staatsfeind Nummer eins. Damit beginnt eine der merkwürdigsten Affären in der Kriminalgeschichte der Vereinigten Staaten. Es scheint nämlich so, als hätten die FBI-Männer versehentlich den falschen Dillinger erschossen - nicht John, sondern seinen Bruder. Während der Fall noch Schlagzeilen macht, stiehlt sich der "echte" Dillinger unbemerkt davon. Er beginnt weit entfernt ein neues Leben und gründet eine Familie. Nur "Narbengesicht" Al Capone weiß alles über ihn und seine geheime, neue Identität. Schließlich zwingt er Dillinger, einen letzten, großen Raubüberfall zu begehen ...

John Dillinger (1903-1934), Enkel eines deutschen Auswanderers, kommt die fragwürdige Ehre zu, als erster Gangster überhaupt von den US-Bundesbehörden als Staatsfeind Nummer eins gejagt wurde. 1945 nahm sich Regisseur Max Nosseck in "Dillinger" erstmals das Leben des berüchtigten Gangster vor, 1973 folgte John Milius' Jagd auf Dillinger" mit Warren Oates in der Titelrolle. 1995 nahm sich schließlich Jon Purdy der Spätphase von Dillingers Leben an, wobei die Prämisse, zunächst sei der falsche Mann erschossen worden, reine Fiktion ist. Martin Sheen überzeugt in der Rolle des Gangsters, nicht ganz so gelungen ist F. Murray Abrahams Auftritt als Al Capone. Nach einer Drehbuchvorlage von Michael B. Druxman inszeniert, kann sich Purdy allerdings nicht so richtig entschließen, was er genau erzählen will. Wirkliche Action ist hier Mangelware und auch als Kriminalfilm oder Drama weiß der Streifen nicht vollständig zu überzeugen. Eine eindeutigere Regie hätte dem Film sicher gut getan. So ist der 2009 entstandene Michael Mann-Thriller "Public Enemies" mit Johnny Depp deutlich besser.

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