Eine gute deutsche Mafia-Serie mit einem ernstzunehmenden Gangsterboss? Was bis vor einiger Zeit als undenkbar galt, scheint seit vergangenem Jahr tatsächlich Serienrealität zu sein. Zu verdanken ist das vor allem Kida Khodr Ramadan, jenem deutsch-libanesischen Vorzeigeschauspieler, der in der TNT-Erfolgsserie "4 Blocks" in der Figur des Neuköllner Clanchefs Toni Hamady seine Bestimmung fand.

Den Vergleich mit den großen Gangster-Epen braucht der in Beirut geborene und in Kreuzberg aufgewachsene Familienvater nicht mehr scheuen, Auszeichnungen wie der Grimme-Preis und der Deutsche Fernsehpreis zeugen davon. Wie der Dreh zur zweiten Staffel (ab 11.10., immer donnerstags, 21 Uhr, auf TNT Serie) lief, welche Gangsterfiguren ihm dabei als Vorbilder dienten und ob es eigentlich nervt, fast immer den Verbrecher geben zu müssen, verrät Ramadan im Interview.

prisma: Wie haben Sie als Hauptdarsteller auf die überschwänglichen Kritiken zur ersten Staffel von "4 Blocks" reagiert?

Kida Khodr Ramadan: Wir wussten schon von Anfang an, was wir können. Über den Hype habe ich mich natürlich gefreut – aber mir jetzt nicht jede einzelne Zeile durchgelesen. Ich krieg mehr von den Leuten draußen mit, was über mich geschrieben wird. Es gibt ja auch Kollegen, die sich selbst googlen – das hab ich noch nie gemacht.

prisma: Gab es Feedback von den Neuköllnern, den Leuten im Kiez, in dem Sie gedreht haben?

Ramadan: Jeder schaut es, jeder mag es. Beim Dreh zur zweiten Staffel waren die ganzen Kids auf einmal vor den Locations, nachdem auf Instagram etwas dazu gepostet wurde. Da musste man schon aufpassen, schließlich will man ja die Zeit einhalten. Sonst muss man die Beleuchter etwa doppelt bezahlen.

prisma: Seit ein paar Jahren verändert sich das Viertel enorm ...

Ramadan: Das Ganze wird gentrifiziert, klar. Darüber wurde viel geredet und geschrieben. Auf einmal sind da Espressobars und Speisekarten auf Englisch. Aber was sollen wir machen? (lacht) Man muss es akzeptieren, das sind friedliche Menschen.

prisma: Mussten Sie sich auf die zweite Staffel anders vorbereiten als auf die erste? Ihre Figur ist einerseits schon eingeführt; andererseits gab Marvin Kren die Regie ab.

Ramadan: Es gab neue Bücher und eine neue Geschichte. Da stellt man sich kurz drauf ein, dann geht das. Was die Regisseure angeht: Marvin Kren hat das Ganze natürlich ins Rollen gebracht; hat Figuren wie Abbas und Toni mit uns gemeinsam entwickelt. Er hat das Fundament gelegt, Oliver Hirschbiegel und Özgür Yildirim haben diese Grundlage aufgegriffen und weiter ausgebaut.

prisma: In Staffel zwei verschlägt es Ihre Figur Toni anfangs raus aus Neukölln. Wie wichtig war das?

Ramadan: Ich glaube, das war wichtig für die Dramaturgie. Man will in der zweiten Staffel ja auch etwas verändern. Das gilt auch für meine Figur: Jeder will ein schönes Leben haben; jeder will groß rauskommen in jeder Hinsicht. Egal, auf welchem Terrain du dich bewegst.

prisma: Gab es für Sie eine Orientierung an anderen Gangsterfiguren aus Film und Serie?

Ramadan: Ich schaue sowas nicht so oft; lieber Champions League (lacht). Manche Schauspielkollegen schauen sich ja alles an, um sich vorzubereiten. Das brauche ich nicht. Man kennt halt Klassiker-Gangsterfilme. Ein Vorbild war Joe Pesci – dieses Gewalttätige, aber gleichzeitig Sanfte.

prisma: Parallelen zu Tony Soprano wären wohl auch nicht weit hergeholt ...

Ramadan: Ich würde niemals behaupten, an Tony Soprano ranzukommen. Das wäre, als würde ein Fußballer behaupten, er käme an Pelé heran. Der ist unantastbar. Aber "Gommorrha" haben wir schon erreicht, würde ich sagen (lacht).

prisma: Nervt es Sie eigentlich, sehr oft Gangster zu spielen?

Ramadan: Nein. Das ist ja immer anders, mal so, mal so. Wenn das Drehbuch gut ist, kannst du auch einen Koch hundertmal spielen.

prisma: Wie sieht es mit Toni Hamady aus – können wir auf noch mehr Staffeln mit ihm hoffen?

Ramadan: Wir freuen uns jetzt erst mal auf die zweite Staffel und hoffen, dass die Zuschauer sie genauso feiern werden, wie die erste. Dann sehen wir weiter.


Quelle: teleschau – der Mediendienst