Der richtige Aufriss will trainiert werden: Weil Typ A ihr Liebeskummer bereitet hat, soll sich Leni Reimann an der nächsten Supermarktkasse Typ B angeln und schnellstmöglich mit ihm tanzen gehen – um in der entsprechenden Lokalität sogleich die Leine nach Typ C auszuwerfen. Nicht nur Hannah Herzsprung eigentlich monogame Leni betritt als eine der "Traumfrauen" Neuland, sondern auch Regisseurin Anika Decker.

Die Autorin der Kino-Hits "Keinohrhasen", "Zweiohrküken" und "Rubbeldiekatz" inszenierte 2015 erstmals eine Komödie aus eigener Feder. Sie kann bei ihrem Regiedebüt, das SAT.1 nun zur Primetime wiederholt, auf ein breit aufgestelltes Star-Ensemble zählen – und auf eine schwungvoll klingende Story.

Café-Besitzerin Leni dachte, sie hätte ihr Liebesleben in trockenen Tüchern. Aber der Plan, mit ihrem langjährigen Lebensgefährten Philipp (Dejan Bucin) in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen, verpufft beim Skypen, als sie in seinem Appartement dessen Angestellte Monika (Jil Funke) in aufreizender Aufmachung erblickt. Damit sie nicht auf der Straße sitzt, weil sie die eigene Wohnung gerade gekündigt hat, kommt Leni bei ihrer Schwester Hannah (Karoline Herfurth) und deren bester Freundin Vivienne (Palina Rojinski) unter.

Besonders Vivi nimmt sich der in Liebeskummer zerfließenden Leni an. Sie setzt sie konsequent auf One-Night-Stands an, um die Enttäuschung über Philipp abzuarbeiten. Was nicht heißen soll, dass Vivi oder Hannah mit ihrem eigenen Liebesleben so recht zufrieden wären, vom Frust am Arbeitsplatz ganz zu schweigen. Auch Lenis und Hannahs Mutter Margaux (Iris Berben), frisch verlassen von ihrem Mann Carl (Friedrich von Thun), will neu mit Männermaterial versorgt sein.

Ihrem abenteuerlustigen Anspruch werden die "Traumfrauen" jedoch kaum gerecht. Bei "Keinohrhasen" und "Zweiohrküken" hatte es Anita Decker mit ihren Drehbüchern geschafft, trotz obszöner Schlüpfrigkeiten einen realitätsnahen, desillusionierten Blick auf die Beziehungen zwischen Frauen und Männern zu werfen. Ihr Regiedebüt hingegen spielt in einem zusammenfantasierten Berlin, in dem Anwältinnen in Top-Kanzleien nichts zu verdienen scheinen und Habenichtse Mercedes Coupé fahren. Zudem überfrachtet sie die Story mit Bedeutung, alles soll ganz lustig und zugleich ganz ernst wirken. Doch wenn etwa Schauspieler Joseph als ehemaliger Kinderstar mit überwundener Koks-Abhängigkeit über den Sinn des Lebens philosophiert, wirkt das einfach nur steif.

In den teilweise zusammenhanglos wirkenden Episoden kann aus dem Star-Ensemble nur Iris Berben überzeugen. Sie gewinnt mit verblüffender Betonung noch den armseligsten Einfällen unvermuteten Witz ab. Mühelos wechselt sie auch mal ins Bedeutungsvolle, während ihren jüngeren Kolleginnen lediglich die recht naive, permanente Ungläubigkeit zur Verfügung steht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst